17.10.2014, 09:30 von Stefan Gutbrunner
Venezuela geht langsam zugrunde
Die Entwicklung Venezuelas ist, vor allem angesichts der geologischen Verhältnisse vor Ort, ein wirtschaftspolitisches Desaster.
Venezuela zeigt auf eindrucksvolle Weise, welche dramatischen Folgen jahrzehntelange Misswirtschaft haben kann. Immer noch ist das lateinamerikanische Land rein von den Deviseneinnahmen aus dem einst so lukrativen Ölexport abhängig. Läuft das Geschäft einmal nicht so gut, fehlt es den Menschen zunehmend an Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln und sonstigen Importgütern. Die Entwicklung Venezuelas ist, vor allem angesichts der geologischen Verhältnisse vor Ort, ein wirtschaftspolitisches Desaster.
Dabei sind die Voraussetzungen für allgemeinen Wohlstand im Land denkbar günstig: Venezuela verfügt über die größten Erdölreserven der Welt-sogar noch vor Saudi-Arabien. Doch der staatliche Ölkonzern, Petroleos de Venezuela (PDVSA),schafft es nicht, den Bodenschatz zu heben. Stattdessen wird die PDVSA von der venezolanischen Regierung rund um den linkspopulistischen Präsidenten, Nicolas Maduro, der sich zuweilen mit staatlicher Repression an der Macht hält, zu sozialen Umverteilungsprogrammen missbraucht. Zur Unterstützung der Ärmsten und zur Homogenisierung der Gesellschaft sind staatliche Geldflüsse zweifellos legitim und sinnvoll. Wenn im Gegenzug aber die wichtigste Einnahmequelle des Landes heruntergewirtschaftet wird, ist das ökonomische Fahrlässigkeit.
Die venezolanische Bevölkerung erfährt nun am eigenen Leib, was es bedeutet, wenn blanker Populismus die nationale Wirtschaftspolitik dominiert. Begonnen hat alles unter Hugo Ch´avez, Maduros charismatischem Vorgänger, der den Menschen im Land unter dem Deckmantel der Bolivarischen Revolution Gerechtigkeit und Prosperität versprach. Notwendige Reformen und Innovationen im seinerzeit florierenden Staatskonzern wurden so lange verschleppt, bis es zu spät war.
Die vielleicht größte Fahrlässigkeit der Chavistas ist aber, dass in all den Jahren keine Diversifizierung der Wirtschaft stattgefunden hat. Die Tragik daran ist wiederum, dass die Folgen genau jene trifft, denen so oft ein besseres Leben versprochen wird. Heute steht Venezuela vor dem Bankrott. Doch markige Sprüche demagogischer Politiker waren immer schon in der Lage, die Stimmung der Menschen zu heben.
(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2014-10-17)

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