STAATSSCHULDENArgentinien verliert vor US-Gericht und soll Milliarden zahlen
Ein New Yorker Richter hat geurteilt, dass Argentinien 500 weitere Gläubiger komplett auszahlen muss. Die Forderungen belaufen sich auf 5,4 Milliarden US-Dollar.
Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner kämpft weiter gegen Hedgefonds. | © Enrique Marcarian/Reuters
Argentinien erleidet im Schuldenstreit eine weitere Niederlage vor Gericht: Der New Yorker Richter Thomas Griesa entschied am Freitag, dass neben den Fonds auch noch etliche andere Investoren mit Forderungen über insgesamt 5,4 Milliarden Dollar (4,9 Mrd. Euro) beim Schuldendienst bevorzugt behandelt werden müssen.
Solange diese Rechnungen nicht beglichen sind, darf Buenos Aires den Großteil der restlichen Gläubiger nicht bezahlen. Die Regierung kritisierte das Urteil laut argentinischen Medienberichten heftig und kündigte an, Berufung einzulegen.
Hintergrund ist ein erbitterter Konflikt mit den New Yorker Hedgefonds NML Capital und Aurelius. Sie hatten sich nach der Staatspleite 2001 günstig ausfallbedrohte argentinische Anleihen gekauft und dann auf volle Rückzahlung geklagt. Mehr als 90 Prozent der anderen Gläubiger akzeptierten hingegen einen Schuldenschnitt.
Griesa schlug sich auf die Seite der Hedgefonds. Sein Richterspruch blockt Zahlungen an andere Anleihehalter, solange NML und Aurelius ihre Forderungen von mehr als 1,3 Milliarden Dollar plus aufgelaufener Zinsen nicht erhalten. Er ist in dem Fall zuständig, weil die strittigen Staatspapiere einst in Dollar und unter US-Recht ausgegeben wurden.
Nun weitete Griesa seine Rechtsprechung auf über 500 andere Investoren aus, die ebenfalls die Umschuldungen ablehnten. Argentinien weigert sich bislang, die von der Regierung als "Aasgeier" geschmähten Fonds zu bezahlen. Das Land wird deshalb seit August 2014 von Ratingagenturen als technisch zahlungsunfähiger Pleitefall eingestuft.
Für Argentinien wird es durch den juristischen Dauerclinch immer schwieriger, wieder Zugang zu den internationalen Kreditmärkten zu finden. Viele Analysten setzen jedoch darauf, dass die Präsidentschaftswahlen im Oktober eine Wende bringen. Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner, die mit den klagenden Investoren über Kreuz liegt, darf nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren.
LESERKOMMENTARE
- Kasha Rubini
- vor 3 Stunden 56 Minuten
technisch zahlungsunfähiger Pleitefall eingestuft wird - warum tun die Argentinier dann nicht den letzten Schritt?
Nackter Mann - Tasche, Sie verstehen?Oder verschlechtert sich dadurch noch irgendwas?EINE LESEREMPFEHLUNGREAKTIONEN AUF DIESEN KOMMENTAR ANZEIGEN- Gram
- vor 3 Stunden 54 Minuten
(Schieds)-Gerichte einlassen.23 LESEREMPFEHLUNGENREAKTIONEN AUF DIESEN KOMMENTAR ANZEIGEN- Passionsefeu
- vor 3 Stunden 53 Minuten
,,...weil die strittigen Staatspapiere einst in Dollar und unter US-Recht ausgegeben wurden.Nun weitete Griesa seine Rechtsprechung auf über 500 andere Investoren aus, die ebenfalls die Umschuldungen ablehnten. Argentinien weigert sich bislang, die von der Regierung als "Aasgeier" geschmähten Fonds zu bezahlen."Bei diesem Fall muss man genau hinsehen, um sich nicht zu verzetteln.Es ist hier kein typischer ,,Böser Hedgefonds presst armen Schuldner aus"-Fall.
Argentinien hat selbst unter US-Recht und in Dollar Anleihen ausgegeben.
Damit ist schon mal die Zuständigkeit des US-Richters gegeben, es handelt sich nicht um einen Fall imperialistischer Überheblichkeit oder dergleichen.Diejenigen, welche die Anleihen nun besitzen, sind im Prinzip völlig im Recht, wenn sie auf der vollen Rückzahlung bestehen.Vereinfacht ausgedrückt:Ich leihe jemandem 20€, er unterschreibt mir, dass ich 30€ wiederbekommen werde.
Dann kommt eine dritte Person und sagt:,,Ich geb dir jetzt schon 25€, wenn du mir den Titel überlässt."
Gesagt, getan, ich bekomme 25€.Als Variante gilt auch, dass ich nicht glaube, auch nur die 20€ wiederzusehen und deshalb den Titel schon für 20€ oder für 19 verkaufe.Der Käufer besteht dann beim Schuldner darauf, die vollen, versprochenen 30€ zu erhalten.
Daraus zieht er schließlich seinen Gewinn.Durchaus legitim.Da Argentinien meines Wissens btw. schon mehrfach ziemlich arrogant mit Schulden umgegangen ist, hält sich mein Mitleid in Grenzen.8 LESEREMPFEHLUNGENREAKTIONEN AUF DIESEN KOMMENTAR ANZEIGEN- Kasha Rubini
- vor 3 Stunden 41 Minuten
Geld gegeben haben, auch.Und wenn der Schuldner sich der Insolvenz nähert, kommt es zu Schuldenschnitten,
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