Deutsche Bank hat ein “52 Billionen-Euro-Problem”
Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von knapp 40 Prozent in den Büchern, damit liegt die Aktie abgeschlagen auf dem letzten Platz im Performance-Ranking und notiert auf dem tiefsten Stand seit Anfang der 1990er-Jahre. Verstärkt wurde die Unsicherheit am Dienstag durch Äußerungen von Finanzminister Wolfang Schäuble zur Lage der Frankfurter: “Ich mache mir keine Sorgen.” Der Satz sorgte nicht für Vertrauen, sondern bewirkte das Gegenteil. Kurzzeitig kamen sogar Zweifel auf, die Bank könnte die Zinsen für hochverzinsliche Anleihen nicht bedienen. Wie schlimm ist die Lage beim Finanzhaus?
Gewaltige Altlasten
Keine Frage, derzeit geht es um das wichtigste Gut der Frankfurter, die Kreditwürdigkeit. Erst vor wenigen Wochen verkündete die Bank einen Rekordverlust für das vergangene Geschäftsjahr von 6,8 Mrd. Euro. Der seit Sommer 2015 amtierende Chef John Cryan gilt zwar als harter Sanierer, aber auch hier sind keine schnellen Wunder zu erwarten.
Die drohenden Belastungen aus den schwelenden Rechtsstreitigkeiten drücken die mittelfristigen Aussichten, zudem leidet wegen den Turbulenzen an den Märkten der Handel mit Anleihen, Aktien, Währungen und Rohstoffen. Besonders das hohe Engagement der Bank bei den Kreditausfallversicherungen (CDS) von rund 52 Billionen Euro – was ungefähr der fünffachen Wirtschaftsleistung der Eurozone entspricht – bereitet Sorgen. Zudem ist weiterhin unklar, wie die Bank künftig Geld verdienen will. Eine klare Strategie fehlt, der neue Chef Cryan ist bereits nach wenigen Monaten angeschlagen.
Einstellige Kurse wären nicht überraschend
Die Gewinnschätzungen der Analysten sind im freien Fall: Im Oktober 2015 lagen die Konsensprognosen für den 2017er-Gewinn je Aktie noch bei 3,34 Euro, aktuell sind es noch 2,51 Euro. Für das laufende Jahr rechnen die Profis noch mit 1,74 Euro, vor vier Monaten waren es noch 2,99 Euro. Viele schlechte Szenarien sind somit bereits in den Schätzungen und damit im Kurs enthalten. Ein Ende der Talfahrt zeichnet sich aber noch nicht ab.
Produktideen:
Defensives Discountzertifikat auf die Deutsche Bank – DG0FGS. Der Cap liegt bei 10 Euro, ist also rund 27 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Die Renditechance beträgt 8,7 Prozent bis zur Fälligkeit im Juni 2016, der Discount beträgt 32 Prozent. Eine Alternative ist eine Aktienanleihe, etwa die WKN DL1CPD mit Fälligkeit im Dezember 2016. Der Basispreis liegt bei 12,50 Euro, der Kupon bei 4,20% p.a. – die sich daraus ergebende Renditechance beträgt 16,2 Prozent.
Nur grobe Orientierung liefert zudem die Charttechnik. Angesichts des Kursverfalls spielen horizontale Marken und Trendlinien keine Rolle mehr. Spiegelt man die Höhe der letzten etwas engeren Seitwärtsbewegung von rund 40 Prozent nach unten, ergibt sich ein Kursziel von ungefähr 13,30 Euro. Die größere Variante mit einer Spanne von 55 Prozent führt zu einem Niveau von 9,50 Euro. Hilfe bietet auch der Abstand zur 200-Tage-Linie: Im Crash-Jahr 2008 lag der negative Abstand der Aktie bei bis zu 68 Prozent. Übertragen auf die aktuelle Ausgangslage entspricht dies einem Ziel von rund 8,20 Euro.
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