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Montag, 24. November 2014

Argentiniens Energiezukunft zwischen Schiefergas, Atom- und Windkraft

09.05.2014

Argentiniens Energiezukunft zwischen Schiefergas, Atom- und Windkraft

Auch Wasserkraft bleibt wichtiges Standbein / Viele Projekte suchen noch nach Finanzierung / Von Carl Moses

Buenos Aires (gtai) - Argentinien muss jährlich mindestens 1.000 MW neue Kapazität ans Netz bringen. Dabei sind die Verteilungsnetze heute schon überlastet. Öl und Gas als bisher dominierende Energiequellen für die Stromerzeugung werden knapp und müssen zunehmend importiert werden. Schiefergas könnte die Lücke füllen. Wasserkraft bleibt die zweitwichtigste Säule der Versorgung. Die besten Zukunftschancen werden der Windkraft beigemessen. Deutlich steigen soll der Beitrag der Atomenergie. (Internetadressen)
Argentiniens Stromerzeugung wächst mit einer durchschnittlichen Jahresrate von 5%. Die installierten Kapazitäten addieren sich auf rund 31 GW. Davon entfallen 60% auf Wärmekraftwerke, deren Kapazitäten Ende 2013 allerdings zu rund 30% nicht verfügbar waren. In Zeiten des Spitzenverbrauchs, der im Januar 2014 bis zu 24 GW Kapazität erforderte, gerät das nationale Verbundsystem darum an seine Belastungsgrenze. Erschwerend hinzu kommen Engpässe und Mängel in den Verteilungsnetzen.
Das staatliche Energieunternehmen Enarsa hat rund 30% des Kapazitätsausbaus seit Ende 2007 vorgenommen. Der staatliche Einfluss geht indes weit darüber hinaus. Zwar ist ein großer Teil der Energieversorgung in Händen privater Unternehmen. Doch die Energiepreise sind weitgehend eingefroren und die Unternehmen sind daher auf staatliche Subventionen angewiesen, vor allem wenn sie investieren wollen. Angekündigte Erhöhungen der Strompreise dürften vornehmlich dem Abbau der Subventionen dienen und nicht den privaten Energieversorgern zugute kommen.
Zudem ist die staatlich kontrollierte Verwaltungsgesellschaft für den Elektrizitätsmarkt CAMMESA mit Zahlungen gegenüber den Privatunternehmen im Rückstand. Investitionen werden zum Teil durch die Kapitalisierung dieser Schulden finanziert. De facto entscheidet der Staat somit direkt oder indirekt über alle bedeutenden Investitionen.

1 Langfristige Ausbaupläne, Investitionen und Förderprogramme für regenerative Energieträger

Die Nutzung erneuerbarer Energien steckt in Argentinien noch in den Kinderschuhen. Das Potenzial ist jedoch riesig. Argentinien beheimatet mit Patagonien die windreichste Region der Welt. Bis zu 25% des argentinischen Strombedarfs können aus Windenergie gedeckt werden, schätzen Fachleute. Gleichzeitig verfügt das Land über ideale Strahlungswerte für Solarstrom.
Nach Projektionen der argentinischen Vereinigung der Stromerzeuger AGEERA müssen bis 2030 zusätzliche Stromerzeugungskapazitäten von insgesamt 19.369 MW installiert werden. AGEERA erwartet, dass davon 44,9% auf Windenergie entfallen werden, 18,4% auf große Wasserkraftwerke, 17,5% auf Öl- und Gaskraftwerke, 15,5% auf Kernkraft, 2,2% auf Biomasse, 0,9% auf Solarenergie und 0,6% auf kleine Wasserkraftanlagen (spanischer Text: http://www.ageera.com.ar/gallery/4828.pdf). Einige andere Institute und Organisationen, die im Rahmen einer Forschungsgruppe "Escenarios Energéticos" ihre Einschätzungen und Prognosen für ein "Energieszenario Argentinien 2030" eingebracht haben, gehen teilweise von einem noch größeren Anteil an erneuerbaren Energien aus (http://www.escenariosenergeticos.org).
Bisher ist der Beitrag erneuerbarer Energien zur Stromversorgung in Argentinien - von großen Wasserkraftwerken abgesehen - allerdings noch sehr bescheiden. 2013 wurden lediglich 0,36% der netzgeführten Stromlieferungen mit Elektrizität aus Wind und Sonne gedeckt. Bis Ende 2013 waren gerade einmal 8 MW Kapazität aus Photovoltaik- und 165 MW aus Windkraftanlagen am Netz.
Das bereits 2006 verabschiedete Gesetz 26.190 fördert Investitionen in erneuerbare Energien durch Steuervorteile. Es sieht vor, dass bis 2016 rund 8% des argentinischen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt werden sollen. Dieses Ziel wird Experten zufolge jedoch kaum zu erreichen sein. Gewichtiger als die Vorgaben des Gesetzes erscheinen heute gesamtwirtschaftliche Zwänge. Fossile Brennstoffe aus heimischer Förderung ebenso wie Devisen für Importe sind knapp geworden. Das zwingt zur Suche nach Alternativen zu der bisher dominierenden Verfeuerung von (zunehmend importierten) Brennstoffen in Wärmekraftwerken.
Einen ersten Durchbruch für alternative Energien brachte das 2008 von Enarsa gestartete Programm Genren zum Ankauf von Strom aus erneuerbaren Energiequellen (Wind, Sonne, Biomasse, kleine Wasserkraftwerke sowie thermische Kraftwerke, mit Biotreibstoffen befeuert). Dabei werden die Abnahmepreise mit Enarsa ausgehandelt und für einen längeren Zeitraum festgeschrieben. Bislang hat Enarsa den Zuschlag für 32 Projekte mit einer Gesamtkapazität von 895 MW erteilt. Der Löwenanteil entfällt mit 754 MW auf die Windkraft. Installiert wurden im Rahmen von Genren jedoch erst 130 MW. Viele Projekte liegen aufgrund von Finanzierungsproblemen auf Eis. Auch außerhalb des Genren-Programms wurden Windkraftprojekte angebahnt. Die Bedingungen können von Fall zu Fall mit der Nationalregierung, mit Provinzregierungen oder mit der Verwaltungsgesellschaft für den Strommarkt Cammesa ausgehandelt werden. Auch hier hakt es jedoch meist bei der Finanzierung.
Die Entwicklung von privatwirtschaftlicher Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wurde bisher durch die starke Subventionierung von konventionellem Strom gehemmt. Eine Änderung der Anreizstrukturen ist absehbar, da der Staat die steigenden Energiesubventionen immer weniger finanzieren kann. Vor allem angesichts der sich zuspitzenden Devisenknappheit hat die Regierung bereits mehrfach eine Kürzung der Subventionen und eine entsprechende Erhöhung der Stromtarife angekündigt. Die an die Energieversorger gezahlten Subventionen machten 2013 etwa 70% der Einnahmen aus der Belieferung privater Haushalte und 50% bei Stromlieferungen an gewerbliche Kunden aus, kalkuliert das Beratungsunternehmen Econométrica.
Energiedaten Argentinien
20132030 *)
Primärenergieverbrauch (Mtoe), 201279,1k.A.
.Kohle/Öl/Gas (%)87,6k.A.
.Atomkraft (%)2,3k.A.
.Erneuerbare Energien (%)9,2k.A.
..Wasserkraft (%)3,9k.A.
..Sonstige Erneuerbare Energien (%)5,3k.A.
Andere (nicht klassifiziert)0,9k.A.
Wachstum des Primärenergieverbrauchs im Vergleich zum Vorjahr (%)-0,7k.A.
Stromverbrauch, TWh125,22190,67
Wachstum des Stromverbrauchs (%)3,3%k.A.
Stromproduktion, netto (2013) TWh129,82190,67
.Kohle/Öl/Gas (%)64,0743,0
.Atomkraft (%)4,4216,0
.Erneuerbare Energien (%)31,5141,0
..Wasserkraft (%)31,1526,0
..Wind (%)0,3514,0
..Solar (%)0,010,0
Wachstum der Stromproduktion (%)3,2%k.A.
Stromerzeugungskapazitäten (GW)31,150,5
.Kohle/Öl/Gas18,822,2
.Atomkraft1,04,0
.Erneuerbare Energien11,324,3
Stromimporte GWh4610
Stromexporte GWh00
Übertragungsverluste (% der Produktion)3,2%k.A.
CO2-Emissionen (Mio. t CO2, 2012)44,0k.A.
*) Soll-Wert
Quellen: Cammesa, Secretaría de Energía, AGEERA, eigene Berechnungen

Wind

Nach Angaben der Branchenkammer Cámara Argentina de Energías Renovables (Caper) haben potenzielle Betreiberunternehmen Pläne für eine Gesamtkapazität von 2.500 MW aus Windenergie in den Schubladen, welche in weniger als zwei Jahren realisiert werden könnten. Bis 2020 wären 6.000 MW installierte Windkapazität möglich, schätzt Caper. Die Umsetzung der Pläne scheitert in vielen Fällen an fehlender Finanzierung sowie an der Konkurrenz durch subventionierte Energie aus konventionellen Quellen. 2013 wurden aus Windenergie rund 447 GWh Elektrizität erzeugt.

Wasser

Wasserkraft trägt mit 40 TWh rund 31% zur argentinischen Stromproduktion bei. Große Wasserkraftwerke gehören zu den wichtigsten geplanten Energieprojekten der Regierung. In einem mehrjährigen Finanzplan des Wirtschaftsministeriums ist für den Bau neuer Großanlagen eine Kreditaufnahme von bis zu 13,5 Mrd. US$ vorgesehen. Angesichts der ungelösten Schuldenprobleme des Staates ist die Finanzierung indes keineswegs gesichert. Hoffnungen setzt die Regierung auf Kredite aus der VR China und Brasilien. Die staatlichen Banken dieser Länder unterstützen damit die Auftragschancen ihrer Bau- und Industrieunternehmen.
Das aktuell größte Energieprojekt Argentiniens ist der Bau der Wasserkraftwerke Dr. Néstor Kirchner und Gobernador Jorge Cepernic in der patagonischen Provinz Santa Cruz mit einer Gesamtkapazität von 1.740 MW. Der Zuschlag ging im August 2013 an ein Konsortium unter Führung des argentinischen Unternehmens Electroingeniería; beteiligt sind die argentinische Gruppe Hidrocuyo und die chinesische Ghezouba Group Company. Finanziert werden soll das auf rund 4 Mrd. US$ veranschlagte Projekt mit Krediten aus der VR China. Nach Fertigstellung sollen die beiden Kraftwerke 4,7% zur Gesamtkapazität beitragen.
Weitere Wasserkraftprojekte sind in Chihuidos, Los Blancos, Portezuelo del Viento, Potrero del Clavillo und Punta Negra geplant. Im Frühstadium der Planungsphase befindet sich das argentinisch-brasilianische Großprojekt Garabí-Panambí am Río Uruguay; die Kosten für das 2.200-MW-Wasserkraftwerk werden auf 5,2 Mrd. US$ veranschlagt. Kleine Wasserkraftwerke (bis zu 30 MW) erzeugten 2013 rund 896 GWh Elektrizität.

Solar

Solartechnik war lange Zeit lediglich als "Insellösung" für private Endverbraucher ohne Netzanschluss interessant. Inzwischen sind Anlagen mit 1 bis 3 MW Kapazität in Betrieb. 2013 wurden aus Solarenergie landesweit 15 GWh Elektrizität ans Netz geliefert. Die natürlichen Voraussetzungen für die Erzeugung von Solarstrom sind in Nordargentinien ideal. In San Juan wird eine jährliche Sonneneinstrahlung von mehr als 2.300 kWh pro qm erreicht. Laut Cader gibt es in Argentinien derzeit Pläne für eine Gesamtkapazität von 300 MW Photovoltaik. Darum soll demnächst auch die lokale Produktion von Photovoltaikmodulen anlaufen. Einen Großauftrag über 100 Mio. Euro für den Bau einer entsprechenden Anlage erhielt das deutsche Unternehmen Schmid Group von dem öffentlichen Energieversorger der Provinz San Juan. Der jährliche Ausstoß soll Glas- und Folienmodule mit einer Gesamtkapazität von 70 MW erreichen.

Biomasse/Biogas

Argentinien verfügt über eine breite landwirtschaftliche Basis für die Erzeugung von Bioenergie. Auch die Gewinnung von Biogas aus Mülldeponien bietet erhebliches Potenzial. Das Regierungsprogramm Probiomasa soll Projekte zur Stromerzeugung aus Biomasse mit insgesamt 400 MW anstoßen (http://www.probiomasa.gob.ar). Umwelt- und Energieexperten der Universität Buenos Aires halten es sogar für möglich, bis 2030 neue Kapazitäten von 10.000 MW zu erreichen. 2013 wurden aus Biomasse indes lediglich 134 GWh Elektrizität erzeugt. Weitere 109 GWh kamen aus Biogas hinzu.
Die Produktion von Biotreibstoffen (vornehmlich Biodiesel) erlebte in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufschwung. Dieser wurde zuletzt allerdings durch Importbarrieren für argentinischen Biodiesel in der EU, Argentiniens wichtigstem Exportkunden, jäh abgewürgt. Die Branche dringt nun darauf, die heimische Verwendung zu erhöhen, etwa durch die Verfeuerung in Kraftwerken.

2 Langfristige Ausbaupläne, Investitionen und Förderprogramme für konventionelle Energieträger

Kohle

Ein neues Kohlekraftwerk, Río Turbio (Provinz Santa Cruz), mit 240 MW Kapazität, stand im März 2014 kurz vor der Fertigstellung. Weitere Kohlekraftwerke sind derzeit nicht geplant. Schon die Wirtschaftlichkeit von Río Turbio, das im entlegenen Patagonien Kohle aus lokaler Förderung verfeuern soll, wird von Kritikern infrage gestellt.

Erdöl/-gas

Mit Gas und Öl befeuerte Kraftwerke bilden mit einem Anteil von 64% an der gesamten Stromproduktion das Rückgrat der argentinischen Energieversorgung. Derzeit sind weitere Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 2.320 MW im Bau. Der Anteil von Kohlenwasserstoffen an der Stromversorgung soll jedoch langfristig sinken. Die Perspektiven werden davon abhängen, inwieweit es gelingt, die seit Jahren rückläufige heimische Förderung von Öl und Gas wieder zu erhöhen und neue Reserven zu erschließen. Dazu setzt Argentinien vor allem auf seine großen Schiefergasvorkommen.
Enarsa verfolgt zurzeit mehrere Wärmekraftwerksprojekte. In den beiden Gaskraftwerken Brigadier López und Ensenada de Barragán soll der kombinierte Zyklus durch den Einbau von Dampfturbinen geschlossen werden. Dies soll eine zusätzlich Kapazität von insgesamt 400 MW erbringen. Zudem baut Enarsa das Gas- und Dampfkraftwerk Manuel Belgrano II mit 820 MW Kapazität. Ein Gemeinschaftsunternehmen von Enarsa und privaten Energieversorgern (Sadesa, Endesa und Duke) plant den Bau des 800-MW-Gas-und-Dampfkraftwerks Vuelta de Obligado in Timbúes (Provinz Santa Fé). Der Siemens-Konzern sicherte sich im August 2013 einen Auftrag des US-amerikanischen Unternehmens AES für die schlüsselfertige Lieferung und langfristige Wartung eines Gaskraftwerks mit 580 MW Kapazität bei der Stadt Bahía Blanca (Projekt Guillermo Brown). Damit untermauert Siemens seine klare Führungsposition im argentinischen Markt für Gas- und Dampfturbinen.

Atomkraft

Der Anteil der Atomkraft an der Stromerzeugung wird nach Prognose der Erzeugervereinigung AGEERA deutlich steigen. Derzeit plant die Regierung den Bau von zwei neuen Kernkraftwerken. Dazu ist sie Presseberichten zufolge mit möglichen Technologiepartnern aus Kanada, Frankreich, China, Russland, Korea (Rep.) und den USA im Gespräch. Für den Bau eines neuen AKW und die Verlängerung der Laufzeit des AKW Embalse (Provinz Córdoba) sind in einem mittelfristigen Finanzplan der Regierung ab 2015 bis zu 3,7 Mrd. US$ vorgesehen. Der in den 80er Jahren begonnene Bau des Kernkraftwerks Atucha II (745 MW) wurde 2013 fertiggestellt; das AKW befindet sich jedoch noch in einer Testphase.
GTAI-Artikel zum Ausbau der Energieversorgung:

3 Langfristige Ausbaupläne für Übertragungsnetze und Energiespeicherung

Verteilnetze

Mit dem Ausbau der Stromerzeugung durch Wasserkraft und Windenergie werden auch die Hochspannungsübertragungsnetze wachsen müssen. Die Produktionszentren für Wasserkraft (Nordosten, Patagonien und Voranden) und Windenergie (Patagonien) sind weit von den Verbrauchszentren (vor allem Großraum Buenos Aires) entfernt. Die Vereinigung der Stromerzeuger AGEERA hält bis 2030 den Bau von mindestens 6.700 km 500-kV-Leitungen für erforderlich. Nach massiven Stromausfällen um den Jahreswechsel 2013/14 startete das Planungsministerium im Januar 2014 ein Investitionsprogramm mit 354 Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Verteilungsnetze niederer und mittlerer Spannung im Großraum Buenos Aires mit einem Volumen von rund 4 Mrd. argentinischer Peso (arg$; rund 357 Mio. Euro; 1 arg$ = 0,09 Euro, April 2014).

Intelligente Stromnetze (Smart Grids / Smart Metering)

Argentinien hat auf dem Gebiet intelligenter Netze und Messmethoden bisher wenig Erfahrung. Gerade der erwartete Ausbau von Wind- und Wasserkraft sowie anderer erneuerbarer Energien werde jedoch den Aufbau von Smart Grids unabdingbar machen, meinen Fachleute. Die schwankende Verfügbarkeit dieser Energiequellen wird die Verwaltung der Netze komplexer machen. Angekündigte Preiserhöhungen für elektrischen Strom könnten auch auf Seite der Stromkonsumenten die Nachfrage nach intelligenten Systemen zur effizienten Nutzung der Energie anfachen.
In der Kleinstadt Armstrong (Provinz Santa Fé) wollen öffentliche und private Partner ein Pilotprojekt für die Nutzung eines intelligenten Netzes starten (Projekt-Präsentation auf Spanisch: http://www.energia.gov.ar/contenidos/archivos/Reorganizacion/informacion_institucional/eventos/elizondo/CAMMESA%20Presentacion_ADEERA_17-09-2013.pdf).

Energiespeicher-Infrastruktur

Von Brennstofflagern (Öl und Gas) abgesehen sind bisher keine bedeutenden Projekte für die Energiespeicherung geplant.

Exkurs: Fracking

Argentinien verfügt über umfangreiche Vorkommen an Schiefergas und -öl. Laut einem Bericht der US-amerikanischen Behörde für Energiestatistik (EIA) liegt Argentinien bei Schiefergas mit geschätzten Reserven von rund 800 Trillionen Kubikfuß weltweit an zweiter Stelle hinter der VR China, noch vor den USA. Bei Schieferöl rangiert Argentinien mit Reserven von 27 Mrd. Fass an vierter Stelle hinter Russland, den USA und der VR China (der Bericht der EIA ist unter http://www.eia.gov/analysis/studies/worldshalegas/ abrufbar). Allein in dem patagonischen Gebiet Vaca Muerta sollen Ressourcen lagern, die nahezu der Hälfte der gesamten Schiefergasvorkommen der USA entsprechen. Mit jährlichen Investitionen von 16 Mrd. US$ könnte Argentinien bis 2020 seine Selbstversorgung mit Erdgas wiedererlangen, schätzen Fachleute. Schwer berechenbare Regierungseingriffe dämpfen allerdings bisher die Investitionsbereitschaft der Unternehmen.
Wichtigster Akteur ist die staatlich kontrollierte Ölgesellschaft YPF. Die Rückverstaatlichung von 51% des YPF-Kapitals aus dem Besitz des spanischen Ölkonzerns Repsol hatte im April 2012 für große Verunsicherung gesorgt. Erst Anfang 2014 hat sich die argentinische Regierung mit Repsol über eine Entschädigung in Höhe von 5 Mrd. US$ geeinigt. Die Beilegung dieses Konflikts dürfte es YPF erleichtern, technologie- und kapitalstarke Partner für die Erschließung der nicht konventionellen Öl- und Gasreserven zu finden. Auch der Zugang zum Kapitalmarkt hat sich verbessert, wie die erfolgreiche Platzierung einer 10-Jahres-Anleihe über 1 Mrd. US$ durch YPF Anfang April 2014 zeigte.
Für Großprojekte in der Öl- und Gasindustrie hat die Regierung Mitte 2013 zudem die Beschränkungen des Exports und des Devisentransfers gelockert. Unternehmen, die sich verpflichten, innerhalb von fünf Jahren mindestens 1 Mrd. US$ zu investieren, dürfen nach Ablauf dieser Frist 20% der Fördermenge steuerfrei exportieren und über die daraus erlösten Devisen frei verfügen. Verschiedene in- und ausländische Ölkonzerne haben daraufhin Investitionen in Aussicht gestellt, darunter auch die deutsche Ölgesellschaft Wintershall.

Internetadressen

Ministerio de Planificación Federal, Inversión Pública y Servicios
(Planungsministerium, zuständig für die Energiewirtschaft)
Staatssekretariat für Energie (im Planungsministerium)
Enarsa (staatliches Energieversorgungsunternehmen)
CAMMESA (Verwaltungsgesellschaft für den Elektrizitätsmarkt)

Weiterführende Links

Detaillierte geographische Übersicht der argentinischen Energieversorgung
Linkliste des Planungsministeriums
Arbeitsgruppe von verschiedenen Instituten und Verbänden, die unterschiedliche Szenarien für die Energieversorgung Argentiniens im Jahr 2030 erarbeitet haben
Vereinigung der Stromerzeugungsunternehmen
Vereinigung der Stromverteilungsunternehmen
Branchenkammer für erneuerbare Energien
Cámara Argentina de Energías Renovables
(C.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

ArgentinienStrom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Kraftwerksbau, alternative Energienhttp://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/maerkte,did=1008700.html

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