Führer der RepublikanerDer teuflisch geniale Mitch McConnell
Von vielen gefürchtet, von wenigen geliebt: Mitch McConnell, Anführer der Republikaner im Senat, ist wohl der gewiefteste Taktiker im Kongress. Ihm sollte man sich nicht in den Weg stellen.
05.11.2014, von ANDREAS ROSS, WASHINGTON
Im vorigen Herbst musste Mitch McConnell den Karren aus dem Dreck ziehen, und er erntete wenig Dank dafür. Der Anführer der Republikaner im Senat begab sich in Gespräche mit Präsident Obamas Demokraten, um den Verwaltungsstillstand zu beenden und den Etatstreit zu entschärfen. Niemand musste dem wohl gewieftesten Taktiker im Kongress erklären, dass das auf eine Kapitulation hinauslief. Doch McConnell, nach drei Jahrzehnten im Senat Inbegriff des Establishments, hatte den texanischen Tea-Party-Heißsporn Ted Cruz nicht abhalten können, die Partei auf einen Konfrontationskurs zu führen, den sie nicht durchhalten konnte.
Als er seinen Teil getan hatte, um die Krise beizulegen, geriet McConnell zu Hause in Not. Ein Tea-Party-Herausforderer machte ihm die neuerliche Kandidatur in Kentucky streitig. Doch McConnell, auch mit 72 Jahren noch als disziplinierter Wahlkämpfer bewundert, setzte sich durch. Am Dienstag bezwang er, deutlicher als zwischendurch erwartet, auch die junge Ministerin, die die Demokraten gegen ihn ins Feld geschickt hatten. Und weil die Republikaner überhaupt deutlich siegten, wird aus dem Minderheits- jetzt der Mehrheitsführer.
Ein Leben für den Senat
Damit geht für McConnell ein Traum in Erfüllung. Der Politiker, von vielen gefürchtet und von wenigen geliebt, hatte schon mit 22 Jahren als Praktikant eines Senators beschlossen, dass er diese Macht eines Tages haben wolle: zu entscheiden, worüber der Senat abstimmt und worüber nicht. Damals war er noch ein Mann der Mitte, beeindruckt von Martin Luther King und mit einem Herz für Gewerkschafter. Doch dann kam Ronald Reagan ins Weiße Haus, und geschmeidig sollte sich McConnell fortan der jeweils dominanten Färbung des Konservatismus anpassen.
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Zum Vollblutpolitiker machte ihn vor allem sein Talent, erwünschte Abstimmungsergebnisse zu erzielen. Als ein Journalist McConnell „teuflische Genialität“ bescheinigte, trug der den Artikel stolz mit sich herum. Langjährige Kollegen sagen, andere Hobbys habe McConnell nicht; er lebe für den Senat. Von der Mutter seiner drei Kinder ist der Baptist geschieden; in zweiter Ehe lebt er mit der früheren Arbeitsministerin Elaine Chao, die in Taiwan geboren wurde.
Schon vor der Wahl hat der Republikaner versprochen, den Senat wieder zu einem Ort für echten Meinungsaustausch zu machen. Das richtet sich gegen den Demokraten Harry Reid, den bisherigen Mehrheitsführer, der kein Schlupfloch der Geschäftsordnung ungenutzt ließ, um die Republikaner ins Leere laufen zu lassen. Feindselig ist das Verhältnis der beiden, die nun die Rollen tauschen.
Spätestens seit dem bitteren Deal vom vorigen Oktober weiß McConnell freilich, dass die Demokraten womöglich nicht das größte Hindernis sind, das zwischen seinem Erfolg vom Dienstag und der Erfüllung seines letzten großen Traums steht: Um als Architekt irgendeines großen Pakts in die Geschichte eingehen zu können, müsste McConnell sich die Tea-Party-Rebellen gefügig machen. Aber Ted Cruz hat schon wissen lassen, was nun geboten sei: ein härterer Konfrontationskurs gegen Barack Obama.

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