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Freitag, 9. Januar 2015

250 Milliarden Chinas Scheckbuch Viele Milliarden gegen günstiges Öl: Peking wird einflussreicher in Südamerika. Seine Arbeit an einer Änderung der Weltordnung schreitet zügig voran.

250 MilliardenChinas Scheckbuch

Viele Milliarden gegen günstiges Öl: Peking wird einflussreicher in Südamerika. Seine Arbeit an einer Änderung der Weltordnung schreitet zügig voran.

Chinas Präsident und Parteichef Xi Jinping hat jüngst ein Buch veröffentlicht. Es heißt „China regieren“ und ist so etwas wie die Blaupause für die (nach Kaufkraft gerechnet) heute schon größte Wirtschaft der Welt. Vom „chinesischen Traum“ ist da die Rede, eine Nation will zurück an die Weltspitze und in kurzer Zeit doppelt so reich werden wie jetzt. Ein Kapitel beschreibt, wer helfen soll, den Traum wahr zu machen: Lateinamerika.
Gut zwei Jahre ist Xi erst im Amt, doch schon zweimal ist er nach Lateinamerika gereist. Drei große Reden hat Xi allein vergangenen Sommer in der Region gehalten, nun folgen Taten. Peking will in der kommenden Dekade 250 Milliarden Dollar in die 15.000 Kilometer entfernte Region leiten. Im Gegenzug erhalten die Chinesen neben einem Absatzmarkt vor allem Öl zu günstigen Konditionen.
Im Buch des Präsidenten ist viel von „Zusammenarbeit“ mit den Lateinamerikanern die Rede. Doch kann niemand die Unwucht im Verhältnis beider Wirtschaftsräume übersehen. Dadurch, dass die lateinamerikanischen Staaten abhängig vom Export ihres Öls sind, dessen Preis dramatisch gesunken ist, kommen sie als Bittsteller nach Peking, auf dass ihnen der größte Devisenbesitzer der Welt aushelfe.
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„Zusammenarbeit“ ist das nicht, wenn einer bettelt und der andere gibt und anschließend fordert. Da mag das Handelsvolumen zwischen China und Lateinamerika auch stark gewachsen sein in den vergangenen Jahren: Was Peking treibt, bleibt Scheckbuchpolitik. Und zwar eine erfolgreiche. Es ist nicht lange her, da verführte Pekings Einbahnstraßen-Politik die politischen Beobachter zu der Prognose, die „Liebesaffäre“ zwischen China und Lateinamerika sei vorbei. Die Vereinigten Staaten, nicht mehr ganz so dominierender Akteur auf dem Kontinent, hätten in „ihrem Hinterhof“ wieder eine Chance. Doch das hat sich in den Zeiten knapper Devisen in Caracas und Quito erledigt. Die Bewunderung für den chinesischen Staatskapitalismus ist eben immer dann besonders groß, wenn aus Peking die Milliarden fließen.
Das haben die Vereinigten Staaten auch jüngst schon in Asien feststellen müssen, wo China ebenfalls mit dem Versprechen von „Zusammenarbeit“, vor allem aber mit dem Versprechen gigantischer Summen auf gutem Wege ist, die Amerikaner vom Hof zu jagen. Pekings Arbeit an der Änderung der Weltordnung schreitet zügig voran.

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