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Samstag, 10. Januar 2015

Großbritannien und Deutschland „rupfen“ Venezuela, während Uncle Sam aufmerksam zuschaut. Karikatur aus dem New York Herald, Januar 1903



http://de.wikipedia.org/wiki/Venezuela-Krise

Venezuela, das sich 1829/1830 von der Republik Kolumbien (vgl. Großkolumbien) getrennt hatte, wurde während des ganzen 19. Jahrhunderts in selten unterbrochener Folge von Staatsstreichen und Bürgerkriegen erschüttert. Deren Rückwirkungen führten seit 1892 verstärkt zu Spannungen mit auswärtigen Mächten. Während der Präsidentschaft Joaquín Crespos (1892-1898) intervenierte erstmals eine Gruppe von Staaten diplomatisch, um Restitutions- bzw. Schadenersatzansprüche für im Zuge des Bürgerkrieges von 1892 eingetretene Vermögensverluste geltend zu machen. Zudem eskalierte der venezolanisch-britische Disput über den Grenzverlauf Britisch-Guayanas (vgl. Venezuela-Krise 1895). Ungeachtet der politischen Friktionen drang in diesem Zeitraum verstärkt ausländisches Kapital, insbesondere auch deutsches, in Venezuela ein.[8] Prominent war vor allem die Fried. Krupp AG vertreten, der Ende der 80er Jahre die Errichtung der ersten längeren Eisenbahnstrecke des Landes (Caracas-Valencia, 1894 fertiggestellt) übertragen worden war. Die hierfür nötigen Kredite hatte der venezolanische Staat – zu für ihn ausgesprochen ungünstigen Konditionen – von einem Konsortium unter Führung der Berliner Disconto-Gesellschaft erhalten.[9] Daneben engagierte sich deutsches Kapital im Transportgewerbe sowie der Grundstoff- und Lebensmittelindustrie des Landes. Seit 1891 bezog Venezuela zudem Waffen aus Deutschland.[10]Bereits 1896 musste der venezolanische Staat einen neuen Kredit bei der Disconto-Gesellschaft aufnehmen, um den Schuldendienst für die Eisenbahnanleihe zu gewährleisten.[11] Aus den inneren Unruhen nach Crespos Tod ging 1899 Cipriano Castro als neuer Staatschef hervor, ohne allerdings seine Herrschaft sofort konsolidieren zu können. Seit 1901 musste er sich mit einem Aufstand auseinandersetzen, der von Teilen der venezolanischen Oberschicht um den ins Exil gegangenen Bankier Matos unterstützt wurde und auch die mehr oder weniger offene Billigung ausländischer Mächte fand.[12] 1899 und erneut am 1. März 1902 erklärte Castro den Schuldendienst Venezuelas für eingestellt. Anfang 1901 schränkte er auch die Schadenersatzleistungen für beschlagnahmtes oder zerstörtes Eigentum von Ausländern ein.[13] Zu diesem Zeitpunkt war der venezolanische Staat allein bei britischen und deutschen Gläubigern mit 119,3 Millionen Bolívares (nach damaligem Kurs etwa 96,6 Millionen Mark bzw. 4,73 Millionen Pfund) verschuldet. Dem standen jährliche staatliche Einnahmen von nur etwa 30 Millionen Bolívares gegenüber.[14]

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