
Demonstranten in Caracas: Venezuela steckt in einer langjährigen Wirtschaftskrise.Quelle: dpa
Frankfurt/DüsseldorfRussland erlebt den Kollaps der eigenen Währung, die Ukraine rutscht in einen gewaltigen Konflikt und Argentinien in die Pleite – an den Märkten war 2014 viel los. Doch die schlechteste Entwicklung am Anleihemarkt verbuchten Anleger mit anderen Papieren. Kein anderes Land hat bei Staatsanleihen so schlechte Ergebnisse geliefert wie Venezuela.
Auf Dollar lautende Papiere aus Venezuela bescherten Investoren im vergangenen Jahr einen durchschnittlichen Verlust von 31 Prozent. Das ist ein größeres Minus als bei jedem anderen Land, das von dem Börseninformationsdienst Bloomberg beobachtet wird.
In der Ukraine, dem zweitschlechtesten Bondmarkt, fiel der Verlust nur etwa halb so hoch aus. Mit allen anderen Schwellenländeranleihen konnten Investoren im Schnitt einen Gewinn einfahren.
Dass die Investoren ihr Vertrauen in Anleihen aus Venezuela verloren haben, hat mehrere Gründe. In Venezuela gibt es zudem traditionell einen Mangel an allem, von Milch bis Medikamenten. Außerdem hat das Land weltweit die höchste Inflation.
Risiken und Nebenwirkungen von Hochzins-Anleihen
Was passiert, wenn Zinsen niedrig bleiben
Hochzinspapiere erscheinen relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen. Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich.Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben
Was passiert wenn die Zinsen steigen
Was tun wenn die Zinsen steigen
Fazit
Im abgelaufenen Jahr belasteten noch zusätzlich der Einbruch des Ölpreises sowie schrumpfender Devisenreserven. Der Preis für Öl aus Venezuela ist im Vergleich zum diesjährigen Hoch im Juni um mehr als die Hälfte auf zuletzt 48 Dollar je Barrel eingebrochen, wie Präsident Nicolas Maduro vor kurzem erklärte. Öl steht immerhin hinter mehr als 95 Prozent der Exporte des Landes. Mit einem Ölpreis unter 50 Dollar je Barrel wird der Auslandsfinanzierungsbedarf des Landes im Jahr 2015 auf 35,4 Mrd. Dollar ansteigen. Das geht aus Prognosen von Bank of America hervor.
BRICWo es in den Wachstumsmärkten noch klemmt
Indien
Die deutsche Wirtschaft hat in Indien ein schweres Jahr hinter sich. Um zwölf Prozent brach das Volumen der Exporte für den Subkontinent im Jahr 2013 ein. Gegenwind kam gleich aus mehreren Richtungen. Einerseits hat sich Indiens konjunkturelle Lage deutlich verschlechtert - noch für das Jahr 2011 meldeten die Statistikbehörden ein Wirtschaftswachstum von über neun Prozent. Mittlerweile ist die Wachstumsrate der drittgrößten Volkswirtschaft in Asien auf unter fünf Prozent abgesackt. Noch härter traf die deutschen Exporteure der rasante Verfall der Landeswährung Rupie: Produkte "made in Germany" konnte sich in Indien kaum noch jemand leisten.
Dass es Venezuela so schlecht geht, überrascht Experten nicht. „Russland ist in die Ukraine einmarschiert, Argentinien hatte einen Zahlungsausfall - und trotzdem geht es ihnen noch besser“, sagte Ray Zucaro, Vermögensverwalter bei SW Asset Management. „Für schlechte Zeiten gespart haben sie nicht.“ Die implizierte Wahrscheinlichkeit, dass es bei dem Land in den kommenden fünf Jahren zu einem Zahlungsausfall kommen wird, kletterte auf 90 Prozent. Auch dies ist laut Bloomberg der höchste Wert in der gesamten Welt.
Die Devisenreserven lagen zuletzt bei 22,5 Milliarden Dollar. Die Summe reicht aus, um Auslandsschulden der Regierung und des staatlichen Ölkonzerns Petroleos de Venezuela für etwa zwei Jahre zu bedienen. Die Zentralbank hatte unlängst erklärt, sie werde die Definition der Reserven auf Diamanten, andere Edelsteine und konvertible Währungen ausweiten.
Auch die Konten außerhalb des Haushalts, die keinerlei Aufsicht des Parlaments unterliegen, sind im zurückliegenden Jahr um rund 64 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar abgeschmolzen. Das erklärte die Analysegesellschaft Eurasia Group unter Berufung auf Daten des Marktforschers Ecoanalitica in Caracas. „Es gibt keine regelmäßigen Rechenschaftsberichte darüber, wie viel und welche Art von Vermögenswerten in diesen Konten enthalten sind“, sagte Hernan Yellati, der Chef für Analysen bei Banctrust. „Im Zusammenspiel mit den stark eingebrochenen Ölpreisen fragen sich Investoren, ob Venezuela wirklich das Geld hat, um den Schuldendienst zu leisten. Einen solch explosiven Cocktail hat es in 15 Jahren Chavismo nicht gegeben“, fügte er mit Bezug auf Hugo Chavez, den früheren Präsidenten, hinzu.
Risiken und Nebenwirkungen von Hochzins-Anleihen
Was passiert, wenn Zinsen niedrig bleiben
Hochzinspapiere erscheinen relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen. Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich.Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben
Was passiert wenn die Zinsen steigen
Was tun wenn die Zinsen steigen
Fazit
Theoretisch sollte Venezuela in der Lage sein, den Schuldendienst für den Staat und PDVSA im Jahr 2015 mit Hilfe einiger Anpassungen bewältigen zu können, sagte Lucila Broide, Leiterin Anleihe-Analyse bei Oppenheimer. Solche Anpassungen könnten ihrer Meinung eine Anhebung der inländischen Benzinpreise, eine Verringerung der Ölsubventionen für befreundete Karibikländer sowie eine verstärkte Kreditaufnahme in China umfassen.
Kollegin Risa Grais-Targow von Eurasia hält derartige Anpassungen für unwahrscheinlich. Sie verwies auf die sinkende Beliebtheit von Maduro angesichts einer Inflation von 63 Prozent und dem Mangel an vielen Grundbedarfsgütern. „Es sieht schrecklich aus. Aber ist vorstellbar, dass es ein weiteres Jahr gibt, in dem sie sich durchwurschteln und die Dinge schlimmer werden“, sagte Paulo Vieira da Cunha, Chef- Volkswirt beim Hedgefonds Ice Canyon. Für Anleihe-Investoren sind das keine guten Nachrichten.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen