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Donnerstag, 13. November 2014

Die fünf Großbanken, die in den Vergleich einschlugen, bekamen einen Rabatt von 30 Prozent. Am Ende reichten die verhängten Strafen von 799 Millionen Dollar für die UBS bis 618 Millionen Dollar für HSBC. Die UBS hatte zwar als erstes Institut ausgepackt, was insbesondere die CFTC honorierte. Aber die heimische Finanzaufsicht Finma zieht bei dem Institut noch unrechtmäßige Gewinne von 140 Millionen Dollar ein. Finma-Chef Mark Branson holte am Mittwoch zur Frontalkritik gegen die größte Schweizer Bank aus: Zu hohe Erfolgsprämien für die Händler und Vorgesetzte, die wegschauten oder das Geschäft nicht verstanden hätten - das alles seien Gründe dafür, warum die UBS prominent in den Devisenskandal verwickelt sei. "Das ist der schwerste Fall, den wir je gesehen haben", sagte er.

Devisenskandal kostet Großbanken 3,4 Mrd Dollar

Mittwoch, 12. November 2014, 19:20 Uhr

A file photo shows a bird sits in front of a logo of Swiss bank UBS on a building in Zurich December 19, 2012.  REUTERS/Michael Buholzer
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- von Kirstin Ridley und Joshua Franklin
London (Reuters) - Im Skandal um manipulierte Devisenkurse haben die Regulierer erstmals hohe Strafen gegen fünf internationale Großbanken verhängt.
Fast 3,4 Milliarden Dollar müssen UBS, Royal Bank of Scotland (RBS), HSBC, JP Morgan und Citigroup zusammen an die Aufsichtsbehörden in Großbritannien, den USA und der Schweiz zahlen. "Die heutigen Rekordstrafen unterstreichen die Schwere der Verstöße, die wir aufgedeckt haben", erklärte der Chef der Londoner Finanzaufsicht FCA, Martin Wheatley, am Mittwoch bei der Bekanntgabe des Vergleichs. "Die Banken stehen jetzt in der Verantwortung, das wieder gerade zu rücken."
Zu den größten Devisenhändlern der Welt zählt die Deutsche Bank, die allerdings nicht Teil des Vergleichs ist. Das Institut argumentiert, in der Devisenaffäre nach bisherigem Kenntnisstand nur eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben. Die internen Untersuchungen laufen aber noch, ebenso eine Prüfung der deutschen Finanzaufsicht BaFin. Etliche Händler hat Deutschlands größtes Geldhaus bereits suspendiert oder beurlaubt. Der bislang weitgehend unregulierte Devisenmarkt ist riesig: Pro Tag werden hier mehr als fünf Billionen Dollar umgesetzt. Hauptumschlagplatz - auch für die Deutsche Bank - ist London.
Seit gut einem Jahr gehen Regulierer rund um den Globus dem Verdacht nach, dass Devisenhändler Kunden über den Tisch gezogen haben - ähnlich wie im Skandal um Manipulationen bei den Interbanken-Zinssätzen Libor und Euribor. Auch die EU-Kommission ermittelt noch, sie kann eigene Bußgelder verhängen. Bei dem nun bekanntgegebenen Vergleich arbeitete die britische FCA mit der US-Derivateaufsicht CFTC zusammen. Die Ermittler sahen es als erwiesen an, dass Händler in den betroffenen Instituten versucht haben, an wichtigen Kursen zu schrauben, um eigene Gewinne einzustreichen - in etlichen Fällen erfolgreich und noch bis in den Oktober 2013 hinein, obwohl viele Geldhäuser zu diesem Zeitpunkt schon lange einen "Kulturwandel" ausgerufen hatten. Effektive Kontrollen hätten gefehlt.
Die FCA verhängte Strafen über 1,7 Milliarden Dollar - so viel wie noch nie in der Geschichte des britischen Finanzplatzes. Die CFTC kassiert weitere gut 1,4 Milliarden Dollar. Der britische Finanzminister George Osborne begrüßte die Strafen. Die Korruption einiger weniger müsse mit harten Bandagen bekämpft werden, damit das Finanzsystem als Ganzes keinen Schaden nehme, erklärte er. Aufatmen können die überführten Großbanken aber noch nicht, denn die Ermittlungen bei anderen US-Behörden laufen weiter. So erklärte die US-Notenbank Fed umgehend, ihre Devisenuntersuchungen würden unter anderem in Zusammenarbeit mit dem US-Justizministerium fortgesetzt. Das alles könnte am Ende auch für die Deutsche Bank entscheidend sein.
UBS BEKOMMT DIE GRÖSSTE RECHNUNG
Die FCA hat bereits klargemacht, wen sie noch im Visier hat: Allein noch die heimische Großbank Barclays. Sie sei auf den letzten Metern "aus wirtschaftlichen Gründen" aus den Vergleichsverhandlungen ausgeschert, die Ermittlungen gingen weiter. Anleger reagierten enttäuscht: Mit einem Minus von über zwei Prozent büßte die Barclays-Aktie stärker ein als die übrigen britischen Finanzwerte. Die Deutsche-Bank-Aktie verlor in Frankfurt mit dem Gesamtmarkt knapp zwei Prozent.
Die fünf Großbanken, die in den Vergleich einschlugen, bekamen einen Rabatt von 30 Prozent. Am Ende reichten die verhängten Strafen von 799 Millionen Dollar für die UBS bis 618 Millionen Dollar für HSBC. Die UBS hatte zwar als erstes Institut ausgepackt, was insbesondere die CFTC honorierte. Aber die heimische Finanzaufsicht Finma zieht bei dem Institut noch unrechtmäßige Gewinne von 140 Millionen Dollar ein. Finma-Chef Mark Branson holte am Mittwoch zur Frontalkritik gegen die größte Schweizer Bank aus: Zu hohe Erfolgsprämien für die Händler und Vorgesetzte, die wegschauten oder das Geschäft nicht verstanden hätten - das alles seien Gründe dafür, warum die UBS prominent in den Devisenskandal verwickelt sei. "Das ist der schwerste Fall, den wir je gesehen haben", sagte er.
Die UBS kann die Strafe wohl verschmerzen, weil sie ihre Rückstellungen dafür im dritten Quartal bereits deutlich nach oben geschraubt hatte. Ärger droht jetzt aber an einer anderen Front: Die Finma leitete Ermittlungsverfahren gegen elf ehemalige und aktuelle Mitarbeiter der Bank ein, und zwar bis in die höchsten Ebenen.
"DIE DREI MUSKETIERE"
Um möglichen Absprachen der Devisenhändler auf die Schliche zu kommen, hatten die Ermittler in den vergangenen Monaten Tausende E-Mails und Nachrichten in Chatrooms durchforstet. Und sie wurden fündig, auch weil die Banken jede Menge Material aushändigten: So tauschten sich die Händler untereinander über ihre Kunden aus, denen sie Code-Namen gaben. In Chatrooms wurden Gruppen eingerichtet, die Titel trugen wie "Das A-Team", "Die Spieler" oder "Die drei Musketiere".
Eine Personalie der britischen Notenbank sorgte am Mittwoch für Schlagzeilen, steht aber nach offiziellen Angaben nicht im Zusammenhang mit dem Devisen-Vergleich: Die Bank of England feuerte ihren langjährigen Chef-Devisenhändler wegen "ernster Verfehlungen". Es gehe um Verstöße gegen interne Regeln, sagte ein Sprecher.
Um Manipulationen künftig zu erschweren, streben die 20 größten Industrienationen und Schwellenländer (G20) schon länger eine Reform des Devisenmarktes an. Konkrete Beschlüsse werden auf dem Gipfeltreffen an diesem Wochenende in Brisbane erwartet. Kern der Überlegungen sind ein größeres Zeitfenster für die Berechnung der Referenzkurse sowie mehr automatisierte Prozesse. Für das sogenannte "WM/Reuters-Fixing" nutzt die Tochter der US-Bank State Street bislang Daten zu Handelsgeschäften und Aufträgen aus dem System des Nachrichten- und Datenanbieters Thomson Reuters und von Konkurrenten.

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