Hoffnung auf steigende PreiseDer Goldmarkt blickt auf die Eidgenossen
Eine Initiative in der Schweiz fordert, dass die Nationalbank mehr Gold vorhält, ihre Goldreserven aus dem Ausland zurückholt und nie wieder verkauft. Am Goldmarkt hoffen die Haussiers nun auf steigende Preise.
10.11.2014, von FRANZ NESTLER UND GERALD BRAUNBERGER
Auf den ersten Blick sieht der Plan für Goldfreunde sehr verführerisch aus. Die Initiative „Rettet unser Schweizer Gold“ möchte nicht nur, dass 20 Prozent der Währungsreserven der Schweizer Nationalbank in Gold gehalten werden. Das Edelmetall soll zudem von der Nationalbank nie wieder verkauft werden dürfen und zu guter Letzt alles sich im Ausland befindliche Schweizer Gold zurückgeholt werden.
Am Goldmarkt blicken die Teilnehmer zunehmend gespannt auf das Ergebnis der Abstimmung. Denn der Goldpreis befindet sich seit rund drei Jahren in einer Baisse und Pessimisten fragten sich, ob eine Unze Gold in absehbarer Zeit weniger als 1000 Dollar kosten könnte. Am vergangenen Freitag sprang der Preis für eine Unze um rund 3 Prozent auf fast 1180 Dollar. Ein Grund war die wachsende Hoffnung auf ein positives Votum der Eidgenossen in einer Zeit, in der die physische Goldnachfrage vor allem in Asien unter den Erwartungen der Haussiers bleibt. Am Montag gab der Goldpreis dann wieder etwas nach.
Nationalbank mit Bedenken
Ursprünglich wollten die Initiatoren der Schweizer Initiative auf diese Weise einem befürchteten Wertverfall des Franken entgegenwirken. Das Vorhaben ist brisant: Aktuell umfasst die Bilanz der Schweizer Nationalbank 522 Milliarden Franken, doch lediglich 40 Milliarden Franken entfallen auf Goldbestände. Die Notenbank müsste also Gold im Wert von rund 65 Milliarden Franken nachkaufen, um auf die geforderten 20 Prozent zu kommen. Das entspricht bei aktuellen Preisen rund 1857 Tonnen.
Am 30. November sollen die Eidgenossen darüber abstimmen. Laut einer Befragung des Schweizer Rundfunks sind 44 Prozent dafür und 39 Prozent dagegen. Doch ist das überhaupt eine gute Idee? Viele Fachleute in der Schweiz – und auch außerhalb – glauben, dass das ganz und gar nicht der Fall ist. Ungewöhnlich ist, dass sich sogar die Nationalbank mit Bedenken zu Wort gemeldet hat, denn gewöhnlich äußern sich die Währungshüter nicht anlässlich von Volksabstimmungen
So würde sich die Nationalbank in die Hände von Spekulanten begeben, die sehr leicht gegen die Schweiz wetten könnten. Wenn sich mächtige Fonds gegen die Nationalbank positionieren und den Goldpreis drücken, müsste die Nationalbank neues Gold nachkaufen. So könnten einige Marktakteure Spekulationsgewinne realisieren.
Gold würde zu Spottpreisen verschleudert
Außerdem würde die Währungspolitik unflexibler: Kauft die Nationalbank Fremdwährungen an, wird sie vorerst auch Gold nachkaufen. Verkauft sie dagegen andere Währungen, würde sie Gold nicht mehr verkaufen dürfen. Der Goldanteil in der Bilanz würde daher immer weiter steigen.
Auch für das Nach-Hause-Holen der Goldreserven gibt es wenig Gründe. Der Nationalbankpräsident Thomas Jordan gab kürzlich an, rund 30 Prozent der 1040 Tonnen seien im Ausland gelagert. 20 Prozent davon in Großbritannien, weitere 10 Prozent in Kanada. Das sind keine Länder, denen die Eidgenossen traditionell Misstrauen entgegenbringen.
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Die Befürworter der Goldinitiative können auf einen wenig glücklichen Umgang der Nationalbank mit dem Edelmetall verweisen. Ende der neunziger Jahre besaß sie noch Goldreserven in Höhe von 2590 Tonnen. Doch von Mai 2000 an verkaufte sie einen großen Teil der Goldreserven; der Erlös kam den Kantonen und dem Bund zugute. Damals verkauften auch andere Notenbanken das Edelmetall. Das Problem: Verglichen mit den heutigen Preisen wurde das Gold zu Spottpreisen von je 250 Dollar je Feinunze verkauft. Heute notiert es bei ungefähr 1200 Dollar. Es wurde also eine Ganze Menge Geld verschenkt.

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