Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Mittwoch, 7. Januar 2015

Fallende Preise Viel billiger wird Öl wohl nicht mehr Der Ölpreis ist zuletzt mit schier atemberaubender Geschwindigkeit gefallen. Doch ist das Öl wirklich schon richtig billig? Es lohnt ein Blick in die Historie des Rohstoffhandels.


Fallende PreiseViel billiger wird Öl wohl nicht mehr

Der Ölpreis ist zuletzt mit schier atemberaubender Geschwindigkeit gefallen. Doch ist das Öl wirklich schon richtig billig? Es lohnt ein Blick in die Historie des Rohstoffhandels.

© PICTURE-ALLIANCEVergrößernAls Öl noch wirklich in Fässer abgefüllt wurde: Produktion in Pennsylvania um 1880.
Was hoch steigt, kann tief fallen. Diese Weisheit gilt derzeit auch für den Ölpreis. Nichts ist mehr geblieben von der einstigen Herrlichkeit von 147,50 Dollar im Juli 2008. Für das Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent werden derzeit nur noch 52 Dollar, also gut ein Drittel bezahlt. Historisch gesehen ist das immer noch viel. Erst seit 1974 kostet das Barrel mehr als 10 Dollar. Ende der Siebziger wurde erstmals die Grenze von 30 Dollar überschritten und mit Preisen von mehr als 50 Dollar mussten sich die Ölhändler erstmals im Jahr 2005 auseinandersetzen.
Insofern kann man den derzeitigen Preisverfall, der im Juli einsetzte und in seiner Heftigkeit überrascht, getrost auch als Ende einer Blase sehen. Mit dauerhaften Preisen um 30 Dollar sollte man allerdings besser wohl nicht rechnen. Blickt man auf die historische Entwicklung der frühen achtziger Jahre, so zeigt sich, dass auch damals der Ölpreis sich auf ein neues Niveau begab. Als der Ölpreis im Zuge der Ölkrise der Siebziger vom Ausgangsniveau bei 1,80 Dollar zu steigen begann, kletterte er schließlich bis 1980 auf durchschnittlich mehr als 35 Dollar, bevor er sich zwischen Mitte der Achtziger und Ende der Neunziger zwischen 15 und 20 Dollar einpendelte. Das neue Niveau könnte zwischen 40 und 50 Dollar liegen.
Betrachtet man die Entwicklung in Preisen von 2014, so kann man ebenfalls zu der Erkenntnis gelangen, dass die hohen Ölpreise der jüngeren Vergangenheit eine Spekulationsblase darstellten, wie es sie in den vergangenen rund 150 Jahren nur dreimal gab: Zum einen in den sechziger Jahren des 19 Jahrhunderts - in Preisen von 2014 war Öl mit durchschnittlich 121,24 Dollar im Jahr 1862 historisch am teuersten. Allerdings muss man diese Entwicklung etwas ausklammern – wird doch die erste Ölbohrung auf das Jahr 1859 datiert.
Dass der reale Ölpreis danach fiel, war der zunehmenden Industrialisierung zu verdanken. Bis 1880 hatte er sich real zwischen 15 und 20 Dollar eingependelt, sieht man von gelegentlichen Spitzen wie in den zwanziger Jahren ab. Mittlerweile ist das Öl so billig wie seit 2004 nicht mehr, historisch aber immer noch auf hohem Niveau.
Noch wenig versöhnlicher sieht es aus, wenn man auf das blickt, was deutsche Verbraucher letztlich interessiert, nämlich das, was sie am Ende zahlen. Von einem durchschnittlichen Nettolohn oder -gehalt kann man aktuell etwa 31 Hektoliter Heizöl kaufen. Das ist schon gut, waren es 2012 doch nur wenig mehr als 22 Hektoliter und immerhin ist es die größte Menge seit 2004. Allerdings sind die Verbesserungen nicht so eklatant – im Grunde erhielten die Deutschen im Jahr 2007 genauso viel Heizöl für ihr Geld. Hier zeigt sich unter anderem das Nachgeben des Euro gegenüber dem Dollar.
Außerdem sind 31 Hektoliter vergleichsweise wenig. Im Jahr 1998 gab es knapp 75 Hektoliter und zehn Jahre davor ebenfalls. Im Grunde ist Heizöl immer noch so teuer wie es Anfang der Achtziger Jahre war, als auch der Ölpreis haussierte. Erst 1986 gab es wieder deutlich mehr Heizöl fürs Geld, als der Ölpreisboom endgültig abgeebbt war. Es kommt eben nicht immer alles gleich beim Verbraucher an.
Mehr zum Thema

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen