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Dienstag, 16. Dezember 2014

Rubel stürzt ab Russlands Zins-Attacke schlägt fehl - 100 Rubel für einen Euro

Rubel stürzt abRusslands Zins-Attacke schlägt fehl - 100 Rubel für einen Euro

Russlands Notenbank stemmt sich mit aller Macht gegen den Rubel-Verfall und erhöht die Zinsen auf gigantische 17 Prozent. Doch selbst diese Verzweiflungstat nützt nichts: Der Rubel bleibt auf Talfahrt, langsam bricht Panik aus.
Auch die deutliche Zinserhöhung der russischen Zentralbank kann den Rubel nicht dauerhaft stützen. Um den Verfall der russischen Währung zu stoppen, hatten die Notenbanker den Zinssatz in der Nacht drastisch erhöht – von 10,5 Prozent auf 17 Prozent. Der Rubel ging zunächst auf Erholungskurs, der Dollar verlor in der Spitze 9,8 Prozent auf 58,15 Rubel. Doch inzwischen hat der Rubel seine Gewinne wieder komplett abgegeben - und geht in den freien Fall über: Für einen Dollar wurden sogar 80 Rubel fällig – mehr als vor der verzweifelten Zins-Attacke. Ein Euro kostete damit 100 Rubel.
In Wechselstuben kam es Medien zufolge teilweise zu Panikkäufen von Westgeld, weil viele Bürger einen totalen Wertverfall wie in den 1990ern Jahren befürchteten.
Die Zentralbank versucht seit Tagen vergeblich, mit einem Mix aus Leitzinsanhebungen und Devisen-Verkäufen den Rubel zu stabilisieren. Seit Anfang Dezember hat die Bank bisher knapp sechs Milliarden US-Dollar verkauft, um den Kurs zu stützen. Als Grund für die Rubel-Talfahrt nennen die Behörden neben Währungsspekulationen den niedrigen Ölpreis und das schlechte Investitionsklima wegen der Sanktionen des Westens gegen Russland im Ukraine-Konflikt. Die Zeit drängt: Am Montag fiel der Rubel an nur einem Tag etwa zehn Prozent gegenüber dem Dollar - der heftigste Kurssturz an einem Tag seit 1999. Seit Jahresbeginn hat der Rubel etwa 50 Prozent seines Wertes zum Dollar und Euro verloren.
Analysten bezeichneten den Rutsch als "erschütternd" und "extrem"und lobten die Notenbank: Die Zentralbank habe endlich entschlossen reagiert, schrieb Commerzbank-Analyst Simon Quijano-Evans in einem Kommentar. "In unseren Augen ist dies ein erster von vielen möglichen Schritten, die die Notenbank ergreifen kann, um die Rubel-Abwertung zu bremsen und eine Erholung herbeizuführen."
Nach Einschätzung von Quijano-Evans könnte der Druck der Märkte die Zentralbanker zu einer weiteren Leitzinserhöhung veranlassen. Die Talfahrt der russischen Währung hatte sich aus Furcht vor einer Verschärfung der westlichen Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise beschleunigt.

Erst die Zentralbank, dann die Regierung

Zentralbank-Chefin Elvira Nabiullina sagte, dass der Zinsschritt vor allem gegen Währungsspekulanten gerichtet sei. Sie meinte, dass sich der unlängst dem freien Markt übergebene Rubel bald stabilisieren werde. Der Leitzins sei auch angehoben worden, um die Inflation zu zügeln.
Die Entscheidung der Zentralbank sei "richtig" gewesen, meinte der frühere Finanzminister Alexej Kudrin. Der Rubel sei aber derzeit so schwach, weil insgesamt das Vertrauen in die russische Wirtschaft fehle. "Nach diesem Schritt müssen nun Entscheidungen der Regierung folgen, das Vertrauen der Investoren in die russische Ökonomie zu stärken", sagte Kudrin.
Unternehmer kritisierten, dass der hohe Leitzins die Konkurrenzfähigkeit der russischen Wirtschaft gefährde. Für die ohnehin angeschlagene Konjunktur Russlands ist der Zinssprung ein Schlag, weil höhere Zinsen den privaten Verbrauch und die Investitionen der Unternehmen zusätzlich belasten dürften.
Die Konjunktur ist eingebrochen, Investoren zogen zuletzt Milliarden Dollar ab. Auch der fallende Ölpreis hat ein Loch in den Haushalt des rohstoffreichen Landes gerissen. Die russische Wirtschaft könnte der Moskauer Zentralbank zufolge im kommenden Jahr um rund 4,5 Prozent schrumpfen, sollte sich der Ölpreis bei 60 Dollar je Barrel einpendeln. Am Dienstag lag der Preis für Brent bei 60,40 Dollar je Fass.
Quelle: n-tv.de , hvg/rts

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