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Dienstag, 3. März 2015

Ansprüche gegen das Land Kärnten sollten erst nach abgeschlossener Liquidierung der Heta schlagend werden, allerdings werde es sicherlich auch gegen das verhängte Moratorium und die Rolle Kärntens Klagen geben, die die Lage noch unübersichtlicher machen, meint der ausgewiesene Kenner der Distressed Bond-Szene Schmidlin. (kb)

02.03.2015

Heta-Krimi geht weiter: Wer sind die größten Gläubiger, die rasiert werden sollen?

Insgesamt stehen laut Bloomberg Verbindlichkeiten der Heta von 8,885 Milliarden Euro aus. Auf den Top-Plätzen der Asset Management-Gesellschaften unter den Gläubigern, die von dem bis 31.05.2016 dauernden Schuldenmoratortium, das die Österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) mitMandatsbescheid vom 01.03.2015 verhängt hat, betroffen sind, findet sich das Who is Who des Investmentfondsgeschäfts (siehe Bloomberg-Tabelle im Anhang).

Möglich wurde diese Maßnahme durch das mit Jahresanfang 2015 in Kraft getretene Bundesgesetzes über die Sanierung und Abwicklung von Banken, BGBl. I Nr. 98/2014 (BaSAG), in das im allerletzten Moment noch eine Bestimmung eingefügt wurde, die die Heta Asset Resolution AG miteinschließt, obwohl diese über keine Bankkonzession verfügt. Gemäß FMA-Vorstand Mag. Klaus Kumpfmüller (Bild) sollen die Senior-Gläubiger zum Bail-In herangezogen werden.

Die größten bekannten Gläubiger: UI, Pimco und DWS

Die Gläubigerliste führt Universal Investment an, wo wohl einige Fondsadvisor, die in einer UI-Fondshülle tätig werden, Positionen bezogen haben, mit aggregierten Nominalwerten von 411,7 Millionene Euro, gefolgt von Pimco mit 321,2 Millionen Euro und der DWS mit zusammengefasst 275,8 Millionen Euro. Als erstes österreichiches Haus folgt die Kepler KAG mit 67,1 Millionen Euro vor dem Asset Management-Riesen BlackRock mit 42,1 Millionen Euro. Von den Top 5 haben interessanterweise alle mit Ausnahme der DWS zuletzt aufgestockt. UBS Fund Management ging den anderen Weg und reduzierte deutlich seine Position in Heta-Anleihen um 40,1 Millionen auf 17,1 Millionen Euro Nennwert.

Nur die Spitze des Eisbergs

Wo wohl der wesentlich größere Rest der Heta-Anleihen liegt? Anzunehmen ist, dass hier österreichische und deutsche Versicherer Papiere halten, die nun ebenfalls in der Bredouille sind und wohl den Klagsweg beschreiten werden. So manche Adresse wird ident sein mit denjenigen, die bereits einen vollen Haircut mit Nachranganleihen der Heta letztes Jahr erhielten. Sowohl Senior als auch Junior-Anleihen verfügen im Übrigen über eine Ausfallshaftung des Bundeslandes Kärnten.

Kommetar eines Wissenden

Nicolas Schmidlin (Bild), Vorstand der inhabergeführten Investmentboutique ProfitlichSchmidin AG, die als Advisor des ProfitlichSchmidlin Fonds UI agiert, kommentiert die Ereignisse vom Wochenende wie folgt: "Das Vorgehen des Bundes zielt wohl in erster Linie gegen die BayernLB und die Nachranghalter, da so selbst bei einem positiven Urteil vor dem Verfassungsgericht im Oktober 2015 die Position der Nachranghalter weiterhin unvorteilhaft bleibt. Außerdem schiebt die Regierung durch das Moratorium die Entscheidung über das weitere Vorgehen der Heta bis Mitte 2016 hinaus, aber auch danach besteht die Gefahr, einer weiteren Verzögerungstaktik zu Lasten der Gläubiger."

Was ist mit der Landesausfallshaftung?

Ansprüche gegen das Land Kärnten sollten erst nach abgeschlossener Liquidierung der Heta schlagend werden, allerdings werde es sicherlich auch gegen das verhängte Moratorium und die Rolle Kärntens Klagen geben, die die Lage noch unübersichtlicher machen, meint der ausgewiesene Kenner der Distressed Bond-Szene Schmidlin. (kb)


 
 
Kategorie: Märkte

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