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Donnerstag, 5. März 2015

Sinkende Gebühren Der Aktienkauf ist bald kostenfrei Online-Banken senken die Gebühren für den Wertpapierhandel drastisch. Bald müssen Privatanleger vielleicht gar nichts mehr zahlen.



Sinkende GebührenDer Aktienkauf ist bald kostenfrei

Online-Banken senken die Gebühren für den Wertpapierhandel drastisch. Bald müssen Privatanleger vielleicht gar nichts mehr zahlen.

© GETTYVergrößernEin Aktienhändler vergleicht Börsenkurse
Dieser Mann hat einen Plan: „Schon in fünf Jahren kann man Aktien vielleicht kostenlos kaufen.“ Das klingt gut in den Ohren von Privatanlegern, die von ihrer Bank anderes gewohnt sind. Da werden schnell mal 100 Euro für ein Börsengeschäft fällig - und zwar für ein einziges.
Der Mann, der kostenlose Aktienkäufe verspricht, heißt Jasper Anderluh. Er hatte 2008 mit vier Bankkollegen den Online-Broker Degiro in den Niederlanden gegründet, der nun auch in Deutschland an den Start gegangen ist. Er hat die Preise schon jetzt kräftig unter Druck gebracht.
Kostenlos ist dieser Börsenhandel über das Internet zwar noch nicht. Und ob es dann wirklich in ein paar Jahren gelingt, die Kosten durch Werbeeinnahmen statt durch Provisionen der Kunden zu decken, ist noch offen. Aber schon jetzt verlangt Degiro für einen 5000-Euro-Kaufauftrag nur noch 2,40 Euro. Das ist noch einmal deutlich günstiger als die bisherigen Preisführer, die rund fünf bis sieben Euro abrechnen. Und etwa 80 Prozent preiswerter als große Online-Broker wie Comdirect, die Consorsbank oder die DAB Bank. Sowie Lichtjahre entfernt von den klassischen Filialbanken, die am Schalter für so einen Auftrag manchmal noch 50 Euro verlangen.

Verschlanktes Geschäftsmodell

Degiro, seit dem Herbst in Deutschland, hat damit eine neue Preisrunde im Wertpapierhandel für Privatanleger eingeläutet. Schon in 13 europäischen Ländern ist Degiro aktiv, 21 sollen es am Jahresende sein. Eine neue Richtlinie der EU macht es dem Broker leicht, mit wenig Aufwand überall präsent zu sein. Eine Übersetzung der Website und der ein oder andere neue Börsenzugang reichen aus.
Bisher hat Degiro erst 25.000 Kunden, davon mehr als 2000 in Deutschland. „Aber jede Woche kommen europaweit mehrere tausend hinzu“, sagt Jasper Anderluh. Die europaweite Ausbreitung auf einer einheitlichen Handelsplattform ermöglicht erst die niedrigen Preise. Genauso wie die kleine Mitarbeiterzahl von gerade einmal 130 Leuten und der Verzicht auf eine teure Banklizenz. Die Einlagen werden daher in einem Geldmarktfonds und die Wertpapiere bei einer Verwahrbank geparkt. „Das ist sicher“, betont Anderluh. Im Pleitefall sei das Depot so geschützt.
Mit diesem Geschäftsmodell will Degiro nun angreifen. Im Heimatmarkt Niederlande möchte die Firma schon in diesem Jahr den Marktführer Bincküberholen, bei dem die fünf Gründer bis 2008 gearbeitet hatten, bevor sie Degiro auf die Welt brachten. Ende 2016 wollen sie Marktführer in Europa sein.
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Auch wenn das wahrlich ambitioniert ist: Der Broker ist einer der spektakulärsten Newcomer auf einem eigentlich seit Jahren aufgeteilten deutschen Online-Broker-Markt. Aber nicht der Einzige. Neu kam 2014 auch die Aktionärsbankhinzu, eine Schwestergesellschaft von Flatex des umstrittenen Kulmbacher Unternehmers Bernd Förtsch. Anfang 2014 war zudem Benk gestartet, die bisher ihre Technik anderen Banken zur Verfügung gestellt hat und jetzt selbst an den Markt gegangen ist. Sie gehört in Teilen zu Vitrade, das ebenfalls als Online-Broker aktiv ist.
Ganz am anderen Ende des Marktes schließen sich gerade zwei große Anbieter zusammen. Im Mai sollen die Aktionäre der DAB Bank der Fusion mit der Consorsbank zustimmen. Dann soll aus beiden bis Mitte 2016 der größte Internet-Wertpapierhändler Deutschlands werden.
Es ist also wieder einiges los in diesem Markt. Seit der Jahrtausendwende gibt es in Deutschland die Möglichkeit, Wertpapiere über das Internet zu kaufen. Mehrere Millionen Deutsche machen das mittlerweile, und die Zahl wächst weiter. Denn zum einen vertrauen immer weniger Kunden ihren Bankberatern und entscheiden lieber selbst, welche Aktien sie kaufen. Dann brauchen sie aber auch nicht mehr ihre Depots bei den teuren Filialbanken einzurichten. Die Online-Broker sind günstiger, weil sie keine teuren Filialen mit viel Personal vorhalten müssen. Und weil in der Regel auch keine Beratung angeboten wird.

Broker vs. Banken

Zum anderen sind anders als früher immer mehr Menschen mit dem Internet so vertraut, dass sie sich auch Börsengeschäfte über das Netz vorstellen können. In der Tat ist der Kauf von Wertpapieren in weniger als einer Minute erledigt. Eingegeben werden Wertpapierkennnummer, gewünschte Stückzahl, Börsenplatz, maximaler Preis (oder gar keine Preisvorgabe), längste Gültigkeit des Auftrags, TAN-Nummer - das war’s.
Auf diesen Trend zu mehr Wertpapierhandel im Netz reagieren die Online-Broker mit sehr unterschiedlichen Preisen und Angeboten. Da sind auf der eine Seite die Billigheimer wie Flatex und jetzt auch Degiro. Sie locken mit unschlagbar niedrigen Preisen. Ihr Angebot ist aber überschaubar. Sie konzentrieren sich auf den Wertpapierhandel. Wer auch seine sonstigen Bankgeschäfte wie Überweisungen oder Daueraufträge online durchführen will, braucht ein weiteres Konto. Auch Kreditkarten oder einen Ratenkredit gibt es bei den Discountern nicht. Einige wie Degiro haben auch noch gar keine Fonds oder Fondssparpläne im Angebot.

Nur das Basisgeschäft ist billig

Zudem müssen Zusatzleistungen extra bezahlt werden. So kostet zum Beispiel bei Degiro der Übertrag des Depots zehn Euro je Posten. Bei zehn verschiedenen Wertpapieren sind also schon 100 Euro fällig. Verkaufen und dann neu kaufen ist dann der billigere Weg als der Depotübertrag. Die Konkurrenz macht dies hingegen kostenlos. Wer eine Hauptversammlung besuchen und dafür Eintrittskarten haben will, zahlt bei Degiro 25 Euro je Stück. Allerdings benötigen die meisten Kunden diese zusätzlichen Leistungen auch sehr selten.
Auf der anderen Seite stehen die Online-Vollbanken wie Comdirect oder die Consorsbank, die mal als reiner Internet-Wertpapierhändler angefangen haben, jetzt aber das volle Bankangebot inklusive Girokonto anbieten - nur eben nicht über eine Filiale, sondern online. Das macht auch die ING-Diba, die mit Tagesgeldkonten groß geworden ist und erst später auch den Wertpapierhandel ins Programm aufnahm oder die DKB.
Bei solchen Internet-Vollbanken muss der Kunde gegenüber den Filialbanken auf fast nichts verzichten, aber er bezahlt deutlich weniger, wie das Vergleichsportal broker-test.de für die Sonntagszeitung analysiert hat. Und die Finanzgeschäfte lassen sich bequem vom Sofa zu Hause aus erledigen. Auch abends, wenn die Bankfilialen längst geschlossen sind. Einige bieten sogar gegen Aufpreis eine telefonische Wertpapierberatung an.
Infografik / Broker-Gebühren / Online-Broker mit kostenlosem Depot© F.A.Z.Vergrößern
Wer also nur Wertpapiere handelt und Überweisungen und andere Bankgeschäfte über ein anderes Konto laufen lässt, kann sich bei den Discountern Degiro & Co. anmelden. Das lohnt sich aber nur, wenn mehrmals im Jahr gehandelt wird. Dann lassen sich schnell ein paar hundert Euro im Jahr sparen. Wichtig auch: Anleger, die gerne Fonds kaufen, sollten prüfen, wie viele im Ausgabepreis reduzierte oder sogar kostenlose Fonds der Broker anbietet. Hier gibt es größere Unterschiede. Die Internet-Vollbanken bieten da am meisten.
Ein weiteres Auswahlkriterium ist die Größe der Wertpapierkäufe. Je höher der Gegenwert, desto eher lohnt es sich, auf Anbieter mit Festpreisen zu setzen. Flatex verlangt zum Beispiel pauschal fünf Euro plus Börsengebühren. Bei den meisten Brokern steigt der Preis hingegen mit dem Gegenwert. Wer hingegen gerne viele kleine Aufträge plaziert, sollte auf die Minimumgebühren achten, die dann möglichst niedrig sein sollten. Und alle Kunden sollten prüfen, ob Gebühren für limitierte Aufträge und für nur zum Teil ausgeführte Aufträge anfallen. Einige Broker verzichten darauf, aber eben nicht alle.
Größere Unterschiede bestehen auch in der Zahl der angeschlossenen Börsenplätze. Manche ermöglichen den außerbörslichen Handel direkt mit Banken, einige erlauben einen kostengünstigen Zugang zu ausländischen Börsen. Gerade beim Handel außerhalb Deutschlands können hohe Gebühren anfallen.
Auf keinen Fall müssen die Kunden heute noch Depotgebühren akzeptieren. Viele Online-Banken haben sie gestrichen. Die anderen kann man dann getrost bei der Suche ignorieren.

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