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Freitag, 17. April 2015

Einen Schritt weiter ist hier die FMS Wertmanagement, die zuletzt Heta-Anleihen von über knapp 300 Millionen Euro hielt. Sie hat bereits geklagt, ebenso eine Fondstochter der Deutschen Bank und eben die NRW-Bank. Juristische Schritte prüfen zudem die Commerzbank, dieDexia Kommunalkredit sowie die HSH und NordLB.



DEUTSCHE PFANDBRIEFBANK
Wenn selbst die „gute Bank“ zur „Bad Bank“ wird

Der Österreich-Schock frisst sich in die Bücher von Geldhäusern wie der Deutschen Pfandbriefbank. Eine aufgekündigte Bürgschaft Kärntens schockt vor allem das deutsche Geldwesen. Viele Banken sehen nur einen Ausweg.
MünchenEigentlich sollte die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) die „gute Bank“ sein. Das Münchener Institut ist die Nachfolgerin der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE), die in der Finanzkrise vor dem Aus gestanden hatte. Die HRE wurde damals aufgespalten, die guten Teile der Bank wurden auf die pbb übertragen, die schlechten HRE-Wertpapiere landeten in der FMS Wertmanagement.
Doch es zeigt sich: Auch die pbb hat Papiere in ihren Büchern, die einst als solide galten und sich jetzt als Ausfälle entpuppen. Forderungen von insgesamt 395 Millionen Euro gegenüber der österreichischen Heta sind das Problem.
Die Heta ist die „Bad Bank" der Hypo Alpe Adria. Auch das Kärntner Institut hatte sich verspekuliert, musste vom österreichischen Staat aufgefangen werden und wird nun unter dem Namen Heta AssetResolution abgewickelt.
Zahlreiche Banken und Versicherungen haben in der Vergangenheit Papiere der Hypo Alpe Adria gekauft, weil sie mit einer Ausfallbürgschaft des österreichischen Bundeslandes Kärnten versehen waren und daher als besonders sicher galten. Doch Anfang März verhängte die österreichische Finanzmarktaufsicht ein Moratorium über die Heta. Die Bürgschaften für Heta-Verbindlichkeiten waren damit außer Kraft gesetzt und eine Schockwelle verbreitete sich durch das Finanzsystem. Die Gläubiger müssen nun ihre Bilanzen bereinigen.

Abschreibungen um 79 Millionen Euro aufgestockt

Zahlreiche Institute klagen wegen des österreichischen Vorgehens. So hat die NRW Bank in Frankfurt Klage eingereicht. Die Förderbank des Landes Nordrhein-Westfalen klagt auf die vollständige Rückzahlung ihrer Bonds im Nominalwert von 275,5 Millionen Euro.
Die pbb hatte in einer ersten Reaktion auf die Nachrichten aus Österreich eine Wertberichtigung in Höhe von 120 Millionen Euro vorgenommen. Doch das reichte nicht. Am späten Mittwochabend verschickte sie eine Mitteilung mit der Nachricht, die Abschreibungen um 79 Millionen Euro aufzustocken.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte in der Woche nach Ostern die Branche aufgefordert, Anleihen und Kredite an die Heta um mindestens 50 Prozent abzuschreiben, wie das Handelsblatt zuerst berichtet hatte. Dieser Vorgabe folgt die pbb jetzt.

FMS Wertmanagement und andere reichen Klagen ein

„Zusammen mit den bereits bekannten Abschreibungen von 120 Millionen Euro kommt die pbb damit der Empfehlung der Finanzaufsicht nach, den Vorsorgebestand auf 50 Prozent des Nominalvolumens der Forderungen gegen die Heta zu erhöhen“, teilte die Pfandbriefbank am Mittwochabend mit.
Die pbb war bei weitem nicht die einzige, die in die Papiere investiert hatte – und bislang zu wenig abgeschrieben hatte: Die bekannten Wertberichtigungsquoten in Deutschland fielen oft niedriger aus als nun von der EZB gefordert. Die Korrekturquote der HSH Nordbank liegt demnach bei 40 Prozent, die der NordLB bei nur 28 Prozent.
Die Notenbank hatte den Geldinstituten bis Ende April Zeit gelassen, um auf ihre Forderungen nach höheren Abschreibungen zu reagieren.
Die pbb ist nun die erste. Dennoch gibt auch das Münchener Institut nicht die Hoffnung auf, dass sie Geld zurückbekommt: Sie werde „die gebotenen Rechtsmittel einlegen“, um ihre Forderungen gegenüber der Heta durchzusetzen, bekräftigte die pbb. Nach Auffassung der Gläubiger muss das Bundesland Kärnten für die Schulden geradestehen. Deswegen bereitet die pbb eine Klage gegen Heta vor, die in den nächsten Tagen eingereicht werden soll.
Einen Schritt weiter ist hier die FMS Wertmanagement, die zuletzt Heta-Anleihen von über knapp 300 Millionen Euro hielt. Sie hat bereits geklagt, ebenso eine Fondstochter der Deutschen Bank und eben die NRW-Bank. Juristische Schritte prüfen zudem die Commerzbank, dieDexia Kommunalkredit sowie die HSH und NordLB.
Die Pfandbriefbank hatte bislang nur 30 Prozent auf ihr Engagement in Österreich abgeschrieben. Dadurch schmolz der Jahresgewinn für 2014 bereits um 120 Millionen Euro zusammen. Für das erste Quartal erwartet die Pfandbriefbank aber trotz der weiteren Wertkorrekturen einen Gewinn vor Steuern von 45 Millionen Euro nach 38 Millionen Euro im Vorjahr.
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