AmerikaCommerzbank droht Milliardenstrafe
Es geht um Missachtung von Sanktionen und Geldwäsche. Nun stehen Commerzbank und Amerikas Behörden kurz vor einem außergerichtlichen Vergleich. Die Bank würde damit gleich zwei Vorwürfe vom Tisch wischen.
12.12.2014, von NORBERT KULS, NEW YORK
Bei den Vergleichsverhandlungen zwischen mehreren amerikanischen Behörden und der deutschen Commerzbank zeichnet sich die Höhe der potentiellen Geldbuße ab. Nach Berichten der Zeitung „Financial Times“ und der Nachrichtenagentur „Reuters“ droht der Commerzbank wegen Missachtung von Wirtschaftssanktionen und Verstößen gegen die Geldwäschegesetze nun eine Strafzahlung von mehr als 1 Milliarde Dollar (806 Millionen Euro). Es ist unklar, ob es noch in diesem Jahr zu einer Einigung kommen wird.
Im September hatte es wegen verbotener Geschäfte mit Ländern wie Iran oder Sudan bereits Gerüchte über eine unmittelbar bevorstehende Einigung und eine Geldbuße von 650 Millionen Dollar gegeben. Der Vergleich wurde allerdings auf Eis gelegt, nachdem die Bundesstaatsanwaltschaft von Manhattan Ermittlungen wegen mangelhafter Geldwäsche-Kontrollen bei der Commerzbank angestrengt hatte. Mit der jetzt debattierten Milliardenstrafe würden Behörden und Bank beide Verfahren beenden.
Bilanzskandal bei Olympus
Die Untersuchungen wegen Geldwäsche stehen offenbar in Zusammenhang mit dem vor drei Jahren aufgeflogenen Bilanzskandal des japanischen Kamera- und Medizingerätekonzerns Olympus. Die Commerzbank hatte Transaktionen über Hunderte Millionen von Dollar für Olympus abgewickelt. Ein ehemaliger Angestellter der Commerzbank aus Singapur hat sich schuldig bekannt, beim Betrug von Olympus geholfen zu haben. Der Banker, der bis zum Jahr 2000 für die Commerzbank tätig gewesen war, wurde Ende 2012 in den Vereinigten Staaten verhaftet und kooperiert mit den Behörden.
Olympus hatte 13 Jahre lang Falschbilanzierungen im Volumen von umgerechnet 1,3 Milliarden Euro vertuscht. Das war einer der größten Wirtschaftsskandale in der Geschichte Japans. Die amerikanische Notenbank Fed hatte die Commerzbank unterdessen schon mehrfach wegen zu lascher Geldwäschekontrollen kritisiert und erst im vergangenen Jahr Verbesserungen in der New Yorker Filiale gefordert.
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Auf Seite der Behörden sind neben Bundesstaatsanwaltschaft auch die Finanzaufsicht des Bundesstaates New York sowie der Staatsanwalt von Manhattan an den Vergleichsverhandlungen beteiligt. Ein Sprecher der Commerzbank wollte die Angelegenheit nicht kommentieren.
Die französische Großbank BNP Paribas hatte in diesem Jahr wegen Sanktionsverstößen die Rekordstrafe von fast 9 Milliarden Dollar an amerikanische Behörden gezahlt. Zahlreiche europäische Banken wie die britische HSBC oder die Schweizer Credit Suisse hatten sich schon vor der BNP Paribas auf außergerichtliche Vergleiche verständigt. Neben der Commerzbank laufen auch Ermittlungen gegen die Deutsche Bank.

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