Anleihen im KriegHasenstab verzockt sich in Ukraine
02. Februar 2015, aktualisiert 02. Februar 2015, 16:37 Uhr
New YorkMichael Hasenstab, der seit rund 17 Jahren bei Franklin Templeton arbeitet, ist einer der wohl erfolgreichsten und auch berühmtesten Anleihefonds-Manager der Welt. Seine Wette auf die Ukraine könnte allerdings nach hinten losgehen. Nachdem er mehr als sieben Milliarden Dollar (6,19 Milliarden Euro) in Anleihen des Landes investiert hatte, musste Hasenstab mitansehen, wie der Wert der Papiere abstürzte. Hasenstabs Anlagen, die fast der Hälfte der ukrainischen Auslandsanleihen umfassen, werden nur noch mit vier Milliarden Dollar bewertet. Das geht aus Fonds-Angaben zum dritten und vierten Quartal hervor.
Der anhaltende Konflikt mit den pro-russischen Rebellen hatte die Rezession in der Ukraine vertieft. Die Devisenreserven sind zusammengeschmolzen und haben die Regierung letztlich dazu veranlasst, eine Schulden-Restrukturierung zu fordern.
Mit den zunehmenden Verlusten haben sich die Erträge von Hasenstabs zwei größten Fonds, Templeton Global Bond Fund und Templeton Global Total Return Fund, verringert. Die Entwicklung führte zu einer Beschleunigung beim Abzug von Anlegergeldern im vergangenen Jahr, die bei den europäischen und amerikanischen Versionen der beiden Fonds das Rekord-Volumen von 14 Milliarden Dollar erreichten. Zusammen kommen die Fonds auf rund 150 Milliarden Dollar an Aktiva. Grundlage für die Angaben sind von Bloomberg zusammengetragene Schätzungen.
„Sein Erfolg spricht für sich selbst. Aber er geht Wetten ein“, sagte Finanzberater Alex Petrovic aus Kansas City, der für Kunden in Franklin Templeton-Fonds investiert. „Bislang hat sich die Ukraine-Wette nicht ausgezahlt.“ Hasenstab und Stacey Coleman, eine Sprecherin von Franklin Templeton, wollten sich nicht zur Ukraine-Strategie äußern. Coleman erklärte allerdings: „Die Franklin Templeton Global Bond Group verfügt über Analyse-Fähigkeiten, eine Größe sowie eine Langzeit-Perspektive, um Investments zu kaufen und zu halten, die nicht in Mode sind.“
Regierung will vorteilhaftere Kredit-Bedingungen
Die Zahlen sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht ermutigend. Im Verlauf der kommenden drei Jahre muss die Ukraine Zahlungen auf Auslandsanleihen im Volumen von 14 Milliarden Dollar leisten - was in etwa doppelt so viel ist wie die noch übrigen internationalen Reserven von rund 7,5 Milliarden Dollar, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht.
Die ukrainische Regierung geht derzeit davon aus, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um 4,3 Prozent schrumpfen wird - nach einem Minus von 7,5 Prozent vergangenes Jahr. Finanzministerin Natalie Jaresko erklärte vergangene Woche nach einem Treffen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) in Davos, sie wolle vorteilhaftere Kredit-Bedingungen mit Bonds-Gläubigern aushandeln.
Noch im April vergangenen Jahres zeigte sich Hasenstab von der Ukraine äußerst überzeugt. „Es ist ein Land, das - trotz der kurzfristigen Fiskal-Probleme - eine sehr geringe Verschuldung hat'“, sagte er damals. „Aus Sicht eines Anleihe- Investors macht es also eine Menge Sinn.“ Zwei Monate später wurde er in einem Morningstar-Interview mit den Worten zitiert, Franklin Templeton habe an der ukrainischen Bonds-Rally „einen guten Betrag an Geld“ verdient. Nur wenige Wochen später begann der Ausverkauf bei den Papieren.
Hasenstab befindet sich nun in einer Lage, in der er entscheiden muss, wie viel er aufgeben will - falls er überhaupt Zugeständnisse machen möchte. Eine mögliche Restrukturierung würde wahrscheinlich die Unterstützung des IWF haben, meinte Lutz Röhmeyer, Fonds-Manager für Schwellenland-Verbindlichkeiten bei der Landesbank Berlin Investment.
„Niemand will die Ukraine alleine finanzieren“, erklärte er in einem Interview mit Bloomberg. „Nicht die USA, nicht die EU und nicht der IWF. Natürlich müssen die Gläubiger etwas beitragen. Falls der IWF die Kredite verlängert, dann wird er dasselbe von Anleihe-Investoren verlangen.“
Quelle: Handelsblatt Online



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