Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Donnerstag, 19. März 2015

Schuldenkrise Der Markt hat die griechischen Banken abgeschrieben Von Anlegern erhalten die Institute längst kein Geld mehr. Die Kennziffern sind viel schlechter als bei Lehman kurz vor dem Bankrott. Ohne Notkredite würden die Banken umkippen.

SchuldenkriseDer Markt hat die griechischen Banken abgeschrieben

Von Anlegern erhalten die Institute längst kein Geld mehr. Die Kennziffern sind viel schlechter als bei Lehman kurz vor dem Bankrott. Ohne Notkredite würden die Banken umkippen.

© F.A.Z.Vergrößern
Griechische Banken erhalten an den Märkten keine Kredite mehr. Selbst unter ihren Kunden wächst das Misstrauen. Sie sollen allein am Mittwoch 300 Millionen Euro abgezogen haben. Die Kapitalflucht aus Griechenland dürfte seit Jahresanfang deutlich über 20 Milliarden Euro betragen haben. Ohne die Notkredite der Europäischen Zentralbank (EZB), die nun fast 70 Milliarden Euro betragen, würden die vier größten Banken des Landes umkippen. An den Finanzmärkten ist keiner mehr bereit, für Alpha Bank, National Bank of Greece, Piräus Bank oder Eurobank Ergasias zu bürgen.
Doch das scheint die EZB nicht zu stören. Auf die Frage, welche Rolle die wirtschaftliche Lage einer Bank bei der Entscheidung spielt, ob sie Zugang zu Ela-Krediten erhält, antwortet ein Sprecher der Notenbank, dass die Bank solvent, also zahlungsfähig sein muss. Blickt man aber auf den Markt für Kreditausfallderivate, sogenannte Credit Default Swaps (CDS), dann sind diese vier Banken seit zwei Jahren praktisch tot. Die letzten Werte lagen bei 1300 Basispunkten oder 13 Prozentpunkten. Das bedeutet, dass die Versicherung einer Forderung von 1 Million Euro gegenüber einer griechischen Bank eine jährliche Versicherungsprämie von 130.000 Euro gekostet hätte.

EZB vergibt Notfallkredite sehr großzügig

Im Vergleich dazu wären im September 2008 kurz vor der Insolvenz von Lehman Brothers für die Ausfallversicherung auf die amerikanische Investmentbank weniger als die Hälfte erforderlich gewesen. Die EZB hält aber die griechischen Banken noch immer für zahlungsfähig. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sie die Notfallkredite, die sogenannte Emergence Liquidity Assistance (Ela), weiter erlaubt und sogar das Volumen nun wieder aufgestockt hat. Allerdings wachsen auch hier die Zweifel, denn die Griechen hatten eine Erhöhung der Notfazilität um 900 Millionen Euro beantragt, aber nur 400 Millionen Euro wurden bewilligt.
33550106© APVergrößernDer Griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras beim EU-Gipfel in Brüssel.
Diese Ela-Kredite vergibt die griechische Notenbank. Dafür reichen die Banken kurzfristige Schatzwechsel, Anleihen und auch Kredite ein. „Die Möglichkeiten sind deutlich größer als bei den Finanzierungsgeschäften der EZB“, sagt DZ-Bank-Analyst Daniel Lenz. Für Ela-Kredite sind auch griechische Staatsanleihen als Pfand erlaubt. Diese akzeptiert die EZB für ihre Finanzierungsgeschäfte nicht mehr, weil Zweifel an der Bereitschaft der neuen Regierung an der Umsetzung des Reformprogramms bestehen.
Doch für die Ela-Kredite reichen die griechischen Staatsanleihen. Überhaupt gibt die EZB die Notfallkredite recht großzügig frei, auch wenn sie darüber nun alle sieben und nicht mehr alle 14 Tage entscheidet. Denn nach den Kriterien des CDS-Marktes sind die vier größten Banken des Landes nicht mehr zu versichern. Der Geschäftsführer des Münchner Vermögensverwalters Xaia, Jochen Felsenheimer, kann einzig für die Alpha Bank noch CDS-Kurse feststellen. Diese lägen um 1300 Basispunkte. Doch um eine Versicherung zu erwerben, sei zunächst eine Vorauszahlung von 25 Prozent nötig. Das heißt, um 1 Million Euro zu versichern, muss der Versicherungsnehmer erst einmal eine Provision von 250.000 Euro im Voraus zahlen. Im Anschluss wird laut Felsenheimer eine jährliche Prämie von 50.000 Euro nötig.
Mehr zum Thema
Dass der Handel zum Erliegen gekommen ist, liegt auch an den strengeren Regeln für den CDS-Handel in Europa. Nach einer EU-Verordnung vom Juli 2012 dürfen Investoren nur noch CDS auf Schuldner erwerben, wenn sie auch eine tatsächliche Forderung absichern wollen. So soll die Spekulation auf Zahlungsprobleme eines Schuldners mit Hilfe von Derivaten unterbunden werden. Mit den Kreditausfallderivaten auf den griechischen Staat findet noch ein Handel statt. Die Absicherung kostet um die 20 Prozentpunkte, was einer Ausfallwahrscheinlichkeit in fünf Jahren von 80 Prozent entspricht. Nach Angaben von Felsenheimer erwartet der Markt auf Sicht von zwölf Monaten mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent ein Kreditereignis des griechischen Staates. Unter einem Kreditereignis ist ein Vorgang zu verstehen, der die CDS-Versicherung auslöst.

EZB hält Kapitalausstattung der griechischen Banken für ausreichen

Um eine Versicherung auf griechische Forderungen zu erhalten, ist laut Felsenheimer zunächst eine Vorauszahlung von 45 Prozentpunkten nötig. Bei einer Forderung von 1 Million Euro wären das 450.000 Euro. Danach sei eine Jahresprämie von 10000 Euro fällig. Dass Griechenland schlechter gewertet wird als die Alpha Bank, führt Felsenheimer auf das „EZB-Regime“ zurück. Der Markt erwarte einen weiteren Schuldenschnitt Griechenlands, aber keine Auswirkungen auf die Bank, lautet seine Interpretation. Wenn keine Auswirkungen auf die Alpha Bank erwartet werden, dann rechnet der Markt wohl mit weiteren Kapitalhilfen, um den Schuldenschnitt auffangen zu können.
Ein Blick auf die Aktienkurse könnte der EZB auch einen Hinweis geben, wie es um die Zahlungsfähigkeit der vier größten griechischen Banken bestellt ist. Der Kurs der Alpha Bank hat seit Jahresanfang 39 Prozent verloren. Bei der National Bank of Greece beträgt der Kursverlust 30 Prozent, bei der Eurobank Ergasias 51 Prozent und bei der Piräus Bank sogar 60 Prozent. Alle vier Banken zusammen haben aktuell einen Börsenwert von knapp 11 Milliarden Euro.
Die EZB hält die Kapitalausstattung für ausreichend. Doch dazu zählen dank eines Buchungstricks auch Steuerforderungen von gut 13 Milliarden Euro. Diese resultieren aus Verlustvorträgen. Damit diese zum Kapital hinzugezählt werden dürfen, hat sich der Staat per Gesetz dazu verpflichtet, den Banken in schlechten Jahren diese Steuerforderung auszuzahlen. So können sie als Risikopuffer für Jahre mit Verlust dienen. Doch diese Garantie stammt von einem Staat, dessen Anleihen die EZB nicht mehr als Sicherheit akzeptiert und der kurz vor der Zahlungsunfähigkeit steht. Beim Blick auf die faulen Kredite wird klar, warum der CDS-Markt diese Banken nicht mehr versichert. Die Vorsorge für die faulen Kredite über 80 Milliarden Euro liegt bei weniger als 50 Prozent. Bei allen vier Banken liegen die ausfallgefährdeten Kredite höher als der Verlustpuffer aus Eigenkapital und Vorsorge.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen