Schuldenkrise: Elf Milliarden für Griechenland?
Die EU will Griechenland offenbar finanziell kräftig unter die Arme greifen. Wie die "Welt" berichtet, wird über eine Verlängerung des zweiten Hilfspaketes bis Herbst diskutiert. Elf Milliarden Euro sind im Gespräch. Das soll Athen über den Sommer retten. Zudem wurde bekannt: Griechenland erhält Zahlungsaufschub und will seine Juni-Raten an den IWF als Einmalzahlung begleichen.
Im Ringen um Griechenlands Rettung macht nach "Welt"-Informationen ein neuer Vorschlag die Runde: Das im Juni auslaufende zweite Rettungsprogramm soll kurzerhand verlängert werden – bis in den Herbst. Die Zeitung beruft sich dabei auf Verhandlungskreise. "Technisch ist dieser Schritt unumgänglich. Eine andere Möglichkeit haben wir kaum noch, um Griechenland über den Sommer zu bringen", zitiert die "Welt".
Neue Finanzspritzen möglich
Bei einer Verlängerung sei mit neuen Finanzspritzen zu rechnen. Überlegungen gehen dahin, bereitstehende Mittel zur Rekapitalisierung griechischer Banken in Höhe von elf Milliarden Euro in das zweite Rettungsprogramm umzuwidmen, schreibt die "Welt" weiter.
Es sei zwar noch nichts entschieden, allerdings stünden die Europäische Zentralbank (EZB) sowie Teile der Euro-Gruppe hinter dem Vorschlag. Diesem Plan müsste auch der deutsche Bundestag zustimmen.
Es sei zwar noch nichts entschieden, allerdings stünden die Europäische Zentralbank (EZB) sowie Teile der Euro-Gruppe hinter dem Vorschlag. Diesem Plan müsste auch der deutsche Bundestag zustimmen.
Zudem wurde am Donnerstag bekannt: Griechenland bekommt vom Internationalen Währungsfonds einen kurzen Zahlungsaufschub. Athen dürfe seine vier im Juni fälligen Raten zur Kreditrückzahlung gebündelt überweisen, teilte der IWF in Washington mit. Der Gesamtbetrag werde am 30. Juni fällig. Eigentlich hätte Athen bereits morgen gut 300 Millionen Euro an den IWF zahlen müssen. Eine solche Einmalzahlung sei nach den IWF-Regeln seit Ende der 1970er Jahre erlaubt, hieß es in Washington weiter.
Neues Spitzentreffen geplant
Derzeit ist außerdem wohl ein weiteres, möglicherweise entscheidendes Krisentreffen auf Spitzenebene in den kommenden Tagen geplant. Möglicherweise schon an diesem Freitag, hieß es in Eurozonen-Kreisen. Dem Vernehmen nach gibt es die Absicht, sich noch vor dem am Sonntag beginnenden G7-Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern auf ein griechisches Reformpaket zu verständigen. Das ist Voraussetzung für die Auszahlung von weiteren Milliardenhilfen an das akut pleitebedrohte Land.
Athen will offensichtlich an diesem Freitag fristgerecht gut 300 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. "Machen Sie sich keine Sorgen", sagte Tsipras am Donnerstag. Auch IWF-Chefin Christine Lagarde geht nach diesen Äußerungen von einer pünktlichen Überweisung aus Athen aus. Das Land habe bislang seine Schulden getilgt. "Ich bin zuversichtlich, dass es dabei bleibt", sagte sie in Washington. Sie begrüßte zugleich die jüngsten Gespräche zwischen Tsipras und der EU.
Stundenlange Gespräche mit Juncker
EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem und Tsipras hatten in der Nacht zum Donnerstag stundenlang Kompromisslinien ausgelotet. Dabei gab es erste Annäherungen. Ein Sprecher der Kommission sagte, es solle "in den nächsten Tagen" ein weiteres Spitzentreffen geben.
Vor allem der große G7-Partner USA pocht seit langem darauf, dass die Europäer die griechische Finanzkrise in den Griff bekommen und damit Gefahren für die Weltwirtschaft bannen.
Geldgeber und Athen bewegen sich dem Vernehmen nach unter anderem bei der wichtigen Frage des Primärüberschusses (Budgetüberschuss ohne Zinszahlungen) aufeinander zu. Die Gläubiger schlagen nach griechischen Medieninformationen nun ein Prozent für das laufende Jahr vor, bisher war von drei Prozent die Rede gewesen. Athen sei aber selbst die neue Offerte noch zu hoch.
Umstritten bleiben Renten- und Arbeitsmarktreformen. Tsipras sagte, die Geldgeber hätten gefordert, dass Zusatzrenten abgeschafft werden oder dass die Mehrwertsteuer für die Energie erhöht werde. "Das haben wir natürlich abgelehnt", fügte Tsipras hinzu. Am Freitagabend will er das Parlament in Athen über den Stand der Dinge informieren. (far/dpa)





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