Österreich nimmt Hypo-Gläubiger in die Pflicht
Wien (Reuters) - Den Gläubigern der österreichischen Krisenbank Hypo Alpe Adria[HAABI.UL] drohen milliardenschwere Verluste.
Sie müssen sich auf einen Schuldenschnitt oder eine Insolvenz der Hypo-Nachfolgerin Heta einstellen, erklärte die Finanzmarktaufsicht FMA am Montag. Auf dem Spiel stehen mindestens elf Milliarden Euro, die Investoren wie Versicherungen und Banken in dem Institut stecken haben. "Die Gläubiger werden beitragen müssen - in welcher Form, das können wir zum heutigen Zeitpunkt nicht sagen", sagte FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller dem ORF-Radio. Wie hoch ein möglicher Schuldenschnitt ausfallen könnte, ließ Österreich als Eigentümer des Kriseninstituts offen.
Am Wochenende hatten die Finanzaufseher bei der Hypo-Bad-Bank Heta das Ruder übernommen. Grund dafür ist eine klaffende Finanzlücke von bis zu 7,6 Milliarden Euro, die Wirtschaftsprüfer bei einer neuerlichen Durchforstung der Bilanz entdeckt hatten. Österreich will jedoch kein weiteres Staatsgeld mehr in die Hand nehmen, um das Loch zu stopfen, wie Finanzminister Hans Jörg Schelling im ORF-Radiointerview sagte.
Doch ohne weitere Hilfe könne die Bank bereits in naher Zukunft ihre Schulden nicht mehr begleichen, hatten die Aufseher erklärt. Um gleiche Bedingungen für alle Hypo-Gläubiger zu schaffen, hätten sie die Rückzahlung der Hypo-Papiere zunächst bis Ende Mai 2016 gestoppt. Während dieser Zeit wollen die Aufseher mit dem Eigentümer Österreich und dem Bankvorstand eine Lösung finden und Gespräche mit den einzelnen Gläubigern führen - darunter die ehemalige Hypo-Mutter BayernLB[BAYLB.UL], die noch mehr als zwei Milliarden Euro an Krediten in dem Institut hat.
Die Hypo hatte sich mit einer rasanten Expansion am Balkan verhoben und wurde während der Finanzkrise 2009 verstaatlicht. Seither flossen über 5,5 Milliarden Euro an Steuergeld in das marode Institut. Mit Hilfe der staatlichen Bad Bank Heta wollte Österreich das Institut abwickeln und die lebensfähigen Teile verkaufen.
ZWEIFEL AN RÜCKZAHLUNG AB 2016
Marktexperten bezweifeln, dass die Hypo-Investoren ihr Geld je wiedersehen. "Wenn Heta ihre Zahlungen für 15 Monate aussetzt, dann fällt es schwer zu glauben, wie und warum sie Zahlungen nach diesem Zeitraum wieder aufnehmen", sagte ein Fondsmanager mit Sitz in London.
Die österreichischen Behörden berufen sich bei dem Zahlungsstopp auf den neuen europäischen Abwicklungsmechanismus für Krisenbanken. Das in Österreich seit Jahresbeginn gültige Gesetzt sieht vor, dass bei der Abwicklung insolventer Banken auch deren Gläubiger zur Kasse gebeten werden. Österreich werde jedoch zu seinen Garantien für eine milliardenschwere Hypo-Anleihe stehen, sagte Finanzminister Schelling.
Investoren, die auf Haftungen des Bundeslandes Kärnten vertraut haben, haben weniger Glück: Österreich wolle "aus der Problematik der Kärntner Landeshaftungen herauskommen", sagte Schelling ohne Details zu nennen. "Ich hoffe, dass uns das gelingen wird." Sie standen zuletzt bei knapp elf Milliarden Euro.
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