Berliner Reaktionen: Die Angst vor dem „Großkonflikt“
14.09.2012, 16:30 Uhr
exklusiv Die Proteste gegen ein Islam-kritisches Video aus den USA richten sich inzwischen auch gegen deutsche diplomatische Vertretungen. Die Politik in Berlin ist alarmiert und warnt vor einer weiteren Eskalation. 
Reichstag in Berlin. Quelle: dpa
BerlinDie jüngste Gewalteskalation im Nahen Osten hat im politischen Berlin große Besorgnis ausgelöst. „Wir verurteilen die brutalen Angriffe auf Botschaften. Alle Regierungen sind gefordert religiösen Fanatismus entgegenzutreten und sich klar und deutlich von Scharfmachern auf allen Seiten zu distanzieren und die Sicherheit der Botschaften zu garantieren“, sagte der Grünen-Fraktionsvize Frithjof Schmidt Handelsblatt Online. „Wenn dies erfolgreich gelingt, dann lässt sich auch die Ausweitung auf einen Großkonflikt verhindern.“
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Der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich sagte, die gewalttätigen Angriffe auf Botschaften in arabischen und asiatischen Ländern seien auch angesichts des „primitiven und provokanten“ Films durch nichts zu rechtfertigen. „Die Regierungen und Behörden haben sowohl den Schutz der diplomatischen Einrichtungen als auch den der ausländischen Bürger zu gewährleisten“, sagte Mützenich Handelsblatt Online.
Gerade staatliche Repräsentanten aus islamisch inspirierten Parteien hätten eine große Verantwortung. Sie müssten weitere friedliche Proteste gewährleisten und gleichzeitig die Demonstranten zu Besonnenheit mahnen. „Nur so können die positiven Impulse der arabischen Umbrüche bewahrt werden.“
In der sudanesischen Hauptstadt Khartum hatten zuvor Demonstranten die deutsche Botschaft angegriffen. Das bestätigte Bundesaußenminister Guido Westerwelle in Berlin. Die Mitarbeiter in dem ostafrikanischen Land seien aber in Sicherheit. Der Fernsehsender Al-Dschasira zeigte Bilder, auf denen hohe Flammen vor dem Botschaftsgebäude zu sehen sind. Korrespondenten zufolge riss die Menge die deutsche Flagge nieder und hisste eine islamische.
Auch die britische und die US-Botschaft waren demnach Ziel der Angriffe. Auslöser ist ein Islam-kritisches Video aus den USA. In anderen Ländern in Nordafrika und Asien demonstrierten nach den traditionellen Freitagsgebeten ebenfalls zahlreiche Menschen. Im Libanon kam bei gewaltsamen Protesten mindestens ein Mensch ums Leben.
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