IWF erwartet weitere Milliardenlücke in Griechenland
- von Karolina Tagaris und Gernot Heller
Athen/Berlin (Reuters) - Die Europäer sollten sich nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf neue Finanzhilfen für Griechenland einstellen.
Das Land sei bei der Krisenbewältigung zwar ein gutes Stück vorangekommen, erklärte der Fonds am Dienstag. Aber ab 2015 drohe eine weitere Milliardenlücke. Bei Bedarf sollten die europäischen Partner dem Land erneut unter die Arme greifen, damit dessen Schulden nicht aus dem Ruder laufen. Der IWF warnte vor einer wachsende Reformmüdigkeit der Griechen nach sechs Jahren Rezession.
Bislang haben EU-Partner und andere Helfer Rettungspakete über rund 240 Milliarden Euro geschnürt, um das Land vor der Pleite zu bewahren. Das laufende zweite Programm der Europäer in Höhe von 144,6 Milliarden Euro läuft in diesem Jahr aus. Die Regierung in Athen hat wiederholt deutlich gemacht, dass sie kein drittes Programm in Anspruch nehmen will, das mit weiteren einschneidenden Reform- und Sparauflagen verbunden wäre. Die Europäer haben es bislang offengelassen, ob sie finanziell noch einmal helfen würden.
Der IWF attestierte der griechischen Regierung, ihre finanzpolitischen Ziele zum Teil sogar übertroffen zu haben. Allerdings komme sie bei wichtigen Reformen und der Privatisierung von Staatsfirmen nicht wie gewünscht voran. Die politische Unterstützung für das Sanierungsprogramm schwinde. Regierungschef Antonis Samaras hat gerade erst sein Kabinett umgebildet, um mehr Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen.
KAMPF GEGEN DIE SCHULDEN
Laut IWF zeichnet sich bereits ab, dass Griechenland die Zusagen zur längerfristigen Schuldenrückführung nicht einhalten kann. So drohe 2015 im Haushalt eine Finanzlücke von einem Prozent der Wirtschaftsleistung - das wären rund zwei Milliarden Euro - und ein Jahr später eine von einem dreiviertel Prozent. An anderer Stelle spricht der Fonds von einem Finanzbedarf von 12,6 Milliarden Euro nach Mai 2015, wenn nicht zusätzlich Kapital über die Märkte aufgebracht oder eine Entlastung bei den Schulden erzielt werde.
Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass der Schuldenabbau in den Euro-Krisenländern noch kaum begonnen habe, was die wirtschaftliche Erholung noch jahrelang hemmen werde. Jedoch hätten die steigenden öffentlichen Schulden einen wertvollen Puffer geschaffen, der eine deflationäre Spirale mit einem noch stärkeren Absinken von Nachfrage und Beschäftigungsquote verhindert habe.
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