KommentarSchluss mit den Clownerien
Viele erhoffen sich von dem Besuch von Alexis Tsipras eine Entspannung im Verhältnis zwischen Griechenland und Deutschland. Um respektierter Partner in Europa zu werden, muss der Regierungschef aber seine Widerstandspose ablegen.
23.03.2015, von KLAUS-DIETER FRANKENBERGER
Um den Berlin-Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras ist ein Tamtam gemacht worden, wie es das lange nicht mehr gegeben hat. Da war oft von der Hoffnung die Rede, dass sich das Verhältnis zwischen Deutschland und Griechenland, zwischen der Regierung Merkel und der Regierung Tsipras, entspannen möge – ganz so, als befänden wir uns auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, als sei das Tête-à-tête im Kanzleramt, der junge Alexis bei Euromutti, die letzte Chance, den großen Knall zu verhindern. Es wird Zeit, bei der Rhetorik abzurüsten und dafür der Wirklichkeit ins Auge zu sehen, von der ja alle beteuern, sie solle eine gemeinsame Zukunft haben.
Denn schon lange ist klar, was Griechenland tun muss, um Land, Wirtschaft und Staat wieder auf die Beine zu bringen. Spätestens seit dem 20. Februar weiß auch Tsipras, was die Stunde geschlagen hat und dass Regieren eine ernste Sache ist. Kostbare Zeit hat die von ihm geführte Regierung aus Links- und aus Rechtsradikalen vertrödelt: mit Politclownerien, mit Erpressungsmanövern, mit dem Schüren antideutscher Ressentiments. Erreicht hat sie damit nichts, nur noch mehr Vertrauen ist darüber zerstört worden. Und das ist keine Redensart! Nun wird das Geld wirklich knapp.
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Die Bundesregierung will die Währungsunion zusammenhalten; sie war und ist bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen, selbst wenn das manchen irrigerweise noch zu wenig ist. Ob sich dieser Einsatz politisch lohnt oder ob er ihr noch um die Ohren fliegen wird, hängt in erster Linie von der Bereitschaft der griechischen Regierung ab, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Vor dieser Verantwortung kann sie sich nicht dadurch drücken, dass sie herzzerreißend von „politischen Lösungen“ spricht, weil sie den harten Weg der Reformen nicht gehen will. Es ist auch nicht so, dass die Partner Athen nicht entgegengekommen wären; sie haben das wiederholt getan.
Vielleicht hat Tsipras nach dem Besuch in Berlin eine bessere Vorstellung von den Motiven und Zielen der deutschen Europa-Politik; Hegemoniestreben und „Diktate“ gehören dazu nicht. Wenn er Griechenland in der Eurozone halten und respektierter Partner in Europa bleiben will, muss er entsprechend handeln. Das ist nun wirklich alternativlos. Tsipras hat Vertragstreue versprochen. Das ist schon ein Fortschritt. Ein anderer läge darin, das Zwiegespräch der nationalen Stereotypen zu beenden.


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