Südchinesisches Meer Säbelrasseln über dem Meer
11.08.2012 ·
Reiche Fischgründe, die wichtigsten Schifffahrtswege der Welt
und womöglich auch Öl und Gas: China, Amerika, Indien und Südostasien
ringen um die Vorherrschaft in Asiens Mittelmeer. Mit - fast - allen
Mitteln.
Von
Christoph Hein
© Getty Images
Drohgebärden: Amerikanisches Kriegsschiff und ein Schiff der Küstenwache im Hafen von General Santos auf den Philippinen
Für Xiao Jie dürfte es ein großer Sieg
gewesen sein. Gerade wurde der 51-Jährige zum ersten Bürgermeister der
chinesischen Stadt Sansha gewählt. Sein Amtssitz liegt mitten im
Südchinesischen Meer, auf den Paracel-Inseln, gut tausend Kilometer vor
dem chinesischen Festland. Xiao führt nur knapp 600 Bürger. So könnte er
regieren wie einst König Alfons der Viertelvorzwölfte von Lummerland.
Wäre Sansha nicht Ausgangspunkt von Chinas Machtstreben, das
Südchinesische Meer zu beherrschen. Bald will Peking eine Garnison nach
Sansha verlagern. Deshalb schlug Xiaos Wahl Wellen bis nach Hanoi, nach
Manila, ja nach Washington.
Vor der chinesischen Botschaft in Vietnams
Hauptstadt Hanoi schreien Demonstranten ihre Wut hinaus, auf
Spruchbändern hetzen sie gegen den „Bastard-Nachbarn“ China. Einer
diktiert Reportern in den Block, China verhalte sich wie
Hitler-Deutschland beim Überfall auf Polen. Einige Wochen zuvor, drei
Flugstunden weiter östlich auf den Philippinen, fragt Präsident Benigno
Aquino seine Landsleute in einer Regierungsansprache: „Was würdet Ihr
tun, wenn ein Nachbar in euer Haus eindringt, und es nicht mehr hergeben
will?“ Sie recken die Fäuste.China und Indien stoßen bei der Ölsuche aufeinander
Das „Haus“, das sind aus Sicht der Demonstranten in Manila die Seegebiete der Philippinen. Und den „Überfall“ erkennen die Protestierer in Hanoi in Chinas Vorpreschen in Seeregionen, die ihrer Ansicht nach Vietnam gehören. Der Streit um das Südchinesische Meer ist nur auf den ersten Blick bizarr. Engagiert sind die größten Wirtschaftsnationen der Welt, einige derjenigen, die am schnellsten wachsen und eng miteinander verflochten sind. „Alle, die Ansprüche anmelden, stärken ihren militärischen Apparat und ihre Durchsetzungskraft. Unterdessen stützt der wachsende Nationalismus in der jeweiligen Heimat die Hardliner, die auf einen noch stärkeren Auftritt in Territorialfragen drängen“, heißt es bei der International Crisis Group. Die Region gilt inzwischen als Austragungsort für den schwersten bilateralen Konflikt zwischen Amerika und China.Jahrhunderte galt die See um die Spratly- und Paracel-Inseln und die Scarborough-Untiefen Kapitänen als „dangerous ground“, als gefährliches Gebiet, aufgrund seiner vielen unkartierten Riffs. Gefährlich bleibt sie im Zeitalter der Satellitennavigation: Jetzt liegen die Risiken im Ringen um Rohstoffe, in einer unkalkulierbaren Politik, im Machtstreben, in Provokationen. Der Ton ist rauh, die Regierungen ziehen fast alle diplomatischen und militärischen Register. Zweimal haben Schiffe der chinesischen Marineüberwachung Haijian Badui und später ein angeblich eigens dafür umgerüstetes, chinesisches Fischerboot Kabel von vietnamesischen, norwegischen und philippinischen Forschungsschiffen in den Einflusssphären Vietnams und der Philippinen in voller Fahrt durchtrennt, als diese Ölvorkommen erforschten.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/suedchinesisches-meer-saebelrasseln-ueber-dem-meer-11851303.html
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen