Szenario: Die Goldpreisentwicklung beim Euro-Austritt Griechenlands

These: In Griechenland entscheidet sich der Fortbestand des Euro.
In den vergangenen Wochen wurde immer offener über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone spekuliert. Von vielen deutschen Politikern wird der „Rausschmiss“ sogar gefordert. Doch was würde der griechische Euro-Austritt für den Goldpreis bedeuten? Man muss zwischen kurzfristigen und längerfristigen Effekten differenzieren und kann verschiedene Szenarien nur singulär betrachten.
Der Schockeffekt
Griechenland raus aus dem Euro? These: Die Finanzmärkte werden nicht lange zögern und das als den Beginn des Euro-Zerfalls werten. Der Euro-Kurs wird abtauchen, der Dollar wird gesucht. Der Goldpreis fällt. Der Währungseffekt fängt den Euro-Goldpreis teilweise auf. Doch was geschieht, wenn die Anleger einige Zeit zum Nachdenken hatten?
Finanzielle Erleichterung
These: Der Euro wird gegenüber dem US-Dollar mittelfristig an Wert gewinnen. Die Euro-Zone hat ein Problem gelöst und befreit sich von finanziellen Belastungen. Der Gold-Effekt? Ein schwächerer Dollar beflügelt traditionell den Goldpreis. Ein gegenüber dem Dollar steigender Euro drückt dagegen den Goldkurs hierzulande, also den Euro-Preis für eine Feinunze. Es bleibt die zarte Hoffnung, dass der Euro an den Finanzmärkten an Vertrauen zurückgewinnt, weil die Währung durch eine solidere Euro-Gemeinschaft gestärkt wird. Wie stark die Währungs-Effekte dann den Euro-Goldpreis bewegen werden, ist kaum abzuschätzen. Letztlich wird entscheidend sein, wie der Austritt vonstatten geht (siehe nächste Punkte).
Finanzielle BelastungFaktum: Ein Euro-Austritt Griechenlands wäre teuer, vor allem für Deutschland. Das ifo-Institut hat die drohenden Belastungen inklusive Target-2-Verbindlichkeiten der Bundesbank auf bis zu 80 Milliarden Euro geschätzt. Die notwendigen finanziellen Abschreibungen fänden auf allen Ebenen statt, von der Europäischen Zentralbank bis hin zum Sparer. Die Bundesregierung dürfte dann gezwungen sein, den eigenen Schuldenstand weiter zu erhöhen, um gegebenenfalls erneut Banken zu retten und Wirtschaftshilfe zu leisten. Der Goldpreis könnte kurzfristig unter Druck geraten, mittel- und langfristig wird er aber aufgrund der erforderlichen Geldmengenausweitung weiter steigen. Nebenaspekt: Solange US-Staatsanleihen von den meisten Investoren als Sicherheit wahrgenommen werden, ist ein großer Goldpreisausbruch unwahrscheinlich.
Domino-Effekt
Ein Euro-Austritt Griechenlands wird – wie eingangs dargelegt – Spekulationen über den Abgang weiterer krisengeschüttelter Länder nähren. Die Befürchtungen könnten sich bewahrheiten. Es könnte mit kleinen Staaten wie Zypern, Slowenien oder Irland beginnen – was verkraftbar wäre – aber im gravierendsten Fall mit Spanien und Italien enden. Damit stünde tatsächlich der gesamte Euro-Raum vor dem Zerfall. Der Kurs der Gemeinschaftswährung käme erheblich unter Druck, weil sich dann immer mehr Investoren aus der Euro-Zone zurückziehen. Ein mögliches Euro-Aus hätte aber kurzfristig auch enorme Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft. Ein Szenario ähnlich wie nach der Lehmann-Pleite 2008 wäre denkbar: weltweite Rezession, Verfall aller Vermögenswerte. Für den Goldpreis erneut entscheidend: Was wird als Fluchtwährung gesehen?
Alternativlosigkeit
Alle geschilderten Szenarien ließen eine deutlich freundlichere Prognose für den dauerhaften Erhalt einer europäischen Gemeinschaft(swährung) zu, wenn die Politik echte Alternativen und eine schlüssige Vision für die Zukunft des Euro präsentieren könnte. Man setzt aber auf die bedingungslose Euro-Rettung, eine konsequente Schuldenhaftungsgemeinschaft und eine Aufweichung der demokratischen Ordnung und der Einzelstaatssouveränität. Alles oder nichts, lautet die Devise.
Deshalb gehen wir davon aus, dass die Politik alles tun wird, um die Euro-Gemeinschaft beisammen zu halten. Ein Austritt Griechenlands ist aus Sicht der Regierenden kaum zu vertreten. Man wird weiter den Weg des geringsten Widerstandes verfolgen. Das bedeutet: Höhere Rettungssummen, mehr Gemeinschaftshaftung, höhere Inflation.
Fazit
Die Frage nach den Auswirkungen für den Goldpreis stellt sich somit immer nur kurzfristig. Eine durch permanente Ausweitung der Geldmenge durchgeführte Rettungspolitik untergräbt mittel- und langfristig das Vertrauen in die Papierwährungen und zerstört Geldvermögen. Zu physischem Gold und Silber gibt es für Anleger keine Alternative.
Goldreporter
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