Russlands Banken stehen vor existenzieller Krise
Die Wirtschaftskrise hat Russland schwer getroffen. Neuer Beweis ist die desaströse Jahresbilanz der zweitgrößten Bank des Landes. Dieses Jahr droht für die Institute noch härter zu werden.
Foto: picture-alliance / dpaIn der Moskauer Zentrale der VTB Bank kriselt es gewaltig. Für 2015 wird sogar mit einem Minus in den Büchern gerechnet
Ein eindrückliches Beispiel für den Zustand des russischen Bankenmarktes hat das landesweit zweitgrößte und staatliche Geldinstitut VTB geliefert. Sein Gewinn ist im Vorjahr um satte 99,2 Prozent gegenüber 2013 geschrumpft.
Unterm Strich blieben überschaubare 0,8 Milliarden Rubel übrig, umgerechnet 12,3 Millionen Euro. Im vierten Quartal fuhr VTB gar einen Verlust von 4,6 Milliarden Rubel ein.
Der Absturz der VTB-Bilanz zeigt beispielhaft, wie stark der russische Bankenmarkt in die Bredouille geraten ist. Schon im Januar hatte der Chef der größten russischen Bank Sberbank, Herman Gref, darauf hingewiesen: "Es ist offensichtlich, dass die Bankenkrise sehr groß sein wird."
Die Krise der Banken hat zwei entscheidende Gründe. Durch die im Ukraine-Konflikt verhängten Sanktionen gegen Russland ist zum einen der Zugang der Institute zum internationalen Finanzmarkt beschränkt. Zum anderen schwächelt die russische Wirtschaft insgesamt.
Hohe Leitzinsen machen den Banken zu schaffen
Hatte sich der Konjunkturabschwung in Russland schon seit Mitte 2012 abgezeichnet, so ist er im Vorjahr zum ersten Mal deutlich spürbar geworden. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs nur noch um 0,6 Prozent.
An der heiklen Lage wird sich in nächster Zeit auch wenig ändern. Für 2015 prophezeien staatliche Institutionen wie die Zentralbank einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um bis zu fünf Prozent. Vorige Woche haben gleich drei führende Wirtschaftsinstitute ein Schrumpfen um bis zu sieben Prozent nicht mehr ausgeschlossen.
Für die russischen Banken sind das keine guten Aussichten. Zumal der gesamte Sektor schon im vergangenen Dezember 191,6 und im Januar 23,6 Milliarden Rubel schwere Verluste hinnehmen musste.
Der Trend geht weiter: Sollte die Notenbank die Leitzinsen so hoch belassen wie bisher, drohten der VTB im laufenden Jahr deutliche Verluste, warnte VTB-Finanzvorstand Herbert Moos. Am Freitag immerhin hat die Zentralbank den Leitzins von zuvor 15 auf 14 Prozent gesenkt.
Unternehmen bekommen im Ausland keine Kredite
Die Leitzinserhöhung war zuletzt das Hauptmittel gewesen, um den Wertverfall des Rubel zu stoppen, nachdem die Zentralbank im Herbst zur Schonung der Währungsreserven die immer teureren Stützungskäufe aufgegeben hatte.
Mitte Dezember war der Leitzins in einem Radikalschritt von 10,5 auf 17 Prozent erhöht worden. Der hohe Zinssatz verteuerte die Verzinsung von Einlagen bei den Banken.
Hinzu kommen weitere Probleme. Auch Firmen der Realwirtschaft stehen vor dem Problem, im Ausland keine Refinanzierung ihrer Kredite mehr auftreiben zu können, weshalb es zuletzt vermehrt zu Probleme bei Kreditrückzahlungen an russische Banken gekommen ist. Zu allem Überfluss begannen die Leute noch, bei manchen Banken ihr Geld aus Angst vor einem Zusammenbruch des Geldinstitutes abzuziehen.
Die Regierung hatte sich schon zuvor auf eine Bankenrettung vorbereitet und ein Hilfsprogramm von einer Billion Rubel bereitgestellt. Dafür infrage kommen 27 der größten Banken des Landes. Das bereitstehende Bankenrettungsprogramm hat auch den Sinn, die Kreditvergabe an die Unternehmen nicht abflauen zu lassen.
Russland hat zu viele Banken
Schon über die Weihnachtsfeiertage waren einige Geldinstitute mit Milliarden gestützt worden – darunter auch die jetzt trotzdem fast ins Minus gerutschte VTB-Bank. Für 2015 erwartet die Bank an die fünf Milliarden Dollar staatlicher Mittel zur Kapitalaufstockung, wie VTB-Chef Andrej Kostin dieser Tage gegenüber Bloomberg-TV sagte.
Noch halten Russlands Banken durch, doch das Anstellen um Staatshilfe hat derzeit in Russland Konjunktur. Der Staat setzt gleichzeitig seine Strategie fort, Kreditinstitute aus dem Verkehr zu ziehen, um unnötige Panikreaktionen zu vermeiden.
Tatsächlich sind in Russland zu viele Banken im Geschäft. Zwar ist der Markt sehr konzentriert, angeführt von Sberbank und VTB decken die Top 30 den Löwenanteil der Branche ab.
Doch nach Dutzenden Schließungen sind immer noch mehr als 800 Geldinstitute aktiv, von denen viele eine undurchsichtige Geschäftspolitik verfolgen und auch nicht immer klar offenlegen, wessen Interessen sie eigentlich dienen.





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