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Dienstag, 20. September 2016

KTG Agrar Verkauf mit Beigeschmack Der größte Teil des insolventen Agrarkonzernes KTG ist mittlerweile verkauft. Einer der Käufer erregt bei einigen Beobachtern jedoch Missfallen.

KTG AgrarVerkauf mit Beigeschmack

Der größte Teil des insolventen Agrarkonzernes KTG ist mittlerweile verkauft. Einer der Käufer erregt bei einigen Beobachtern jedoch Missfallen.
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© KTG AGRARKTG Agrar: Was wird aus dem Konzern nach dem Verkauf?
Das ging recht rasch: Der insolvente Agrarkonzern KTG Agrar ist im Wesentlichen verkauft. Die Bremer Gustav Zech Stiftung übernimmt die Agrar-Aktivitäten in Deutschland mit Ausnahme der Standorte Kohlberg und Quesitz. Außerdem geht das Aktienpaket von 50,06 Prozent der KTG Energie AG an die Stiftung.
KTG Agrar hatte Anfang Juli Insolvenz angemeldet, nachdem das Unternehmen die Zinsen für eine Anleihe nicht zahlen konnte. Gründer und Vorstandschef Siegfried Hofreiter musste das Unternehmen verlassen, die Wirtschaftsprüfer entzogen dem Jahresabschluss 2015 das Testat. Anleihegläubiger haben KTG Agrar rund 342 Millionen Euro geliehen.
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Quesitz-Verkauf mit „Geschmäckle“

Von einer gewissen Pikanz ist dagegen die Übernahme des Agrar-Standort Quesitz verkauft hat. Käufer ist die „aptus 1113 GmbH“. Ins Handelsregister eingetragen wurde die aptus 1113 am 26. Juli, drei Wochen nach dem Insolvenzantrag. Der Gesellschaftsvertrag datiert vom 19. Juli, zwei Wochen nach dem Antrag.
Geschäftsführer der Vorratsgesellschaft war zunächst Felix Ernst Neukamp. Dieser war vom 12. Dezember 2011 bis noch zum 23. August 2016 Vorstandsmitglied der KTK Getreidehandels GmbH, just der Vertriebsgesellschaft der KTG Agrar, die bei dieser mit 83 Millionen Euro in der Kreide steht.
Ferner gehört Neukamp schon seit Ende 2014 dem Vorstand der FRS Foods International Russia & South Africa SE an, der ehemaligen KTG Foods SE.

KTG AGRAR SE ANL.11(17)

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Mittlerweile sitzt die aptus 1113 in Lützen in der Gostauer Straße 6, wo auch die Agrardienste Lützen beheimatet sind, ein Unternehmen, das zur KTG-Gruppe gehört. Neuer Geschäftsführer der aptus ist Heinz Herrmann, seines Zeichens auch Geschäftsführer der Agrardienste und dies gemeinsam mit Siegfried Hofreiters Bruder Werner.
Verwerflich oder gar ungesetzlich ist es nicht, wenn ein früheres Vorstandsmitglied einen Teil der Insolvenzmasse eines unter sehr fragwürdigen Umständen gescheiterten Unternehmens kauft, das mindestens chaotisch, womöglich gar betrügerisch geführt wurde und seine Anleiheschulden wohl nicht wird tilgen können.
Ein „Geschmäckle“ hat es indes schon, scheint doch für einige Beobachter der ehemalige Vorstandschef Siegfried Hofreiter im Hintergrund wieder aufzutauchen, dem die ganze Misere angelastet wird.
Die Resonanz in den Sozialen Medien ist daher auch teilweise ungehalten: „krimineller Betrug“ oder „Mafia“ ist da zu lesen. Anderswo ist man nicht ganz so hart: Man wolle nichts unterstellen.
Verkauft werden müssen jetzt noch der Standort Kohlberg sowie die Beteiligungen in Rumänien und Litauen. Nähere Details zur aktuellen Lage will das Unternehmen im Hinblick auf die angesetzte Gläubigerversammlung am 6. Oktober nicht nennen.
Erratum: In einer früheren Version dieses Textes wurde Felix  Neukamp noch als Co-Geschäftsführer der Biogas Produktion Lübs, gemeinsam mit Thomas Berger, dem zurückgetretenen Vorstandschef der KTG Energie genannt. Dieses Amt hat Neukamp aber mit dem Einstieg Bergers aufgegeben. Ferner wurde Neukamp noch als amtierender Geschäftsführer der aptus 1113 geführt. Die neuern Informationen wurden uns erst nach Veröffentlichung der ersten Version dieses Textes zugänglich gemacht.

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