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Montag, 6. August 2012

Geheimdienst Mossad: Syrien-Konflikt bedroht Irans Macht

Geheimdienst Mossad: Syrien-Konflikt bedroht Irans Macht

exklusiv Der ehemalige Mossad-Chef sieht Syrien in der Schlüsselrolle von Irans Machtpolitik. Doch Assads Einfluss schwindet immer mehr. Das zeigt nicht zuletzt die Flucht seines Ministerpräsidenten Riad Hidschab ins Ausland.
Der Konflikt in Syrien könnte Irans Position schwächen. Quelle: dapd
Der Konflikt in Syrien könnte Irans Position schwächen. Quelle: dapd
Damaskus/BerlinJe mehr Rückschläge das syrische Regime einstecken muss, desto schwächer werde auch der Iran: Das sagt der ehemalige Mossad-Chef Efraim Halevy im Interview mit Handelsblatt. Syrien sei für den Iran ein Schlüsselland im nördlichen Mittleren Osten: „Was in Syrien geschieht, ist für die Iraner eine ernsthafte Bedrohung“. Teheran sei darauf angewiesen, dass das Regime von Assad überlebt. Ein Rückschlag des syrischen Regimes wäre für Teheran eine strategische Niederlage beim Bestreben, im Mittleren Osten zur Hegemoniemacht aufzurücken, sagt Halevy.
Er ist überzeugt, dass iranische Soldaten auf der Seite von Assad aktiv engagiert sind. Ohne iranische Präsenz in Syrien wäre die Zahl der zivilen Opfer doppelt so hoch, sagte neulich ein hoher iranischer Offizier. „Das bedeutet nichts anderes“, sagt Halevy“, „als dass die Iraner in die Kämpfe verwickelt sind“.
 
Teheran warnt er davor, die Diskussionen in Israel über einen Angriff auf iranische Nuklearanlagen bloß „als eine Übung in psychologischer Kriegsführung“ anzusehen: „Die Iraner müssen realisieren, dass die militärische Option für Israel sowohl sehr realistisch als auch verfügbar ist. Es gibt eine militärische Option.“
Unterdessen wird die Luft um den syrischen Machthaber Baschar al-Assad wird dünner: Nach hohen Militärs und Diplomaten hat sich nun auch sein Ministerpräsident Riad Hidschab ins Ausland abgesetzt und den Aufständischen angeschlossen. „Ich gebe hiermit bekannt, dass ich mich vom mörderischen und terroristischen Regime abgewandt und mich der Revolution der Freiheit und Würde angeschlossen habe“, hieß es in einer Erklärung, die Hidschabs Sprecher Mohammed al-Ottri am Montag im arabischen Fernsehsender Al-Dschasira verlas.
Zuvor hatten jordanische Sicherheitskreise dem Sender bestätigt, dass Hidschab über die grüne Grenze nach Jordanien geflohen ist. Als mögliches Ziel wurde das Golfemirat Katar genannt.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach von einem Wendepunkt und einem Zerfall des syrischen Regimes. „Die Zeit von Assad ist vorüber“, sagte er am Abend in London. Ähnlich äußerte sich das Weiße Haus in Washington. Die Tatsache, dass sich immer mehr hochrangige Vertreter absetzten, sei ein Zeichen, dass Assads Macht zunehmend bröckele, sagte Sprecher Jay Carney. Nun sei das syrische Volk am Zug. „Assad kann seine Kontrolle (über das Land) nicht wiederherstellen, weil es das syrische Volk nicht erlauben wird.“
Al-Ottris Erklärung zufolge plante Hidschab seine Flucht bereits seit mehr als zwei Monaten. Bewerkstelligt wurde sie mit Hilfe der aufständischen Freien Syrischen Armee. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige Vize-Ministerpräsident Omar Galawandschi bestimmt.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/geheimdienst-mossad-syrien-konflikt-bedroht-irans-macht/6969394.html
 

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