Liebe Leser,
von den großen Volkswirtschaften Europas, die ins Trudeln geraten, sind derzeit die Zeitungen voll
Die Lage in Spanien, Italien und Portugal ist ernst, die Situation in Griechenland verfahren. Dabei geraten kleinere Mitglieds-Staaten aus dem Auge, insbesondere solche, die als Wirtschaftsfaktor kaum eine Rolle spielen. Dazu gehört Zypern.
Die unabhängige Mittelmeer-Insel ist eng mit der Wirtschaft Griechenlands verflochten. Nun gerät das Land ebenfalls in den Strudel der Finanzkrise, so dass Experten fragen, ob die Insel auch unter den Rettungsschirm muss.
Dass Zypern überhaupt zur Europäischen Union gehört vergessen viele. Nur im Rahmen des Grand Prix d´Eurovision, oder, wie es heute heißt, des Eurovision Song Contests gelangt es einem wieder ins Bewusstsein, wenn es heißt "Cypres: One Point".
Zypern ist seit 2004 Mitglied der EU und seit 2008 auch Euro-Mitglied. Es hat mit etwa 17,5 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung eine der kleinsten Volkswirtschaften der Eurozone.
Premier Christofias hatte im letzten Jahr schon ein Sparprogramm eingeführt. Insgesamt sollen mehr als 600 Millionen Euro bis Ende 2012 gespart werden.
Am Tropf der griechischen Wirtschaft
Jetzt ist das zypriotische Banksystem Im Fahrwasser Griechenlands in Not geraten. Bis Ende Juni muss die zypriotische Zentralbank nach eigenen Angaben 1,8 Milliarden Euro auftreiben, um sich zu sanieren. Doch dieses frische Kapital gibt es aber derzeit nur unter dem europäischen Rettungsschirm.
Bei der EU-Kommission in Brüssel sieht man das anders: "Wir sind zuversichtlich, dass Zypern die Herausforderungen überwinden kann", heißt es da – und zwar ohne Finanzspritzen aus Europa. Aber wie soll das gehen?
Reformen und Sparprogramme brauchen Zeit, und wer sollte den zypriotischen Banken mit ihrer engen Verflechtung mit Griechenland sonst Geld leihen?
Zyperns größter Partner im Bereich Handel und Investitionen ist Griechenland, jeder dritte Euro auf einer zypriotischen Bank gehört einem Griechen. Und wie es um Griechenland steht ist längst hin bekannt.
Zinsen für Staatsanleihen explodieren
Es werde auch nach anderen Lösungen gesucht, heißt es aus dem Finanzministerium in Nikosia. Darunter sei ein Kredit aus einem Land außerhalb der EU. Aber Staatspräsident Christofias hat schon in der vergangenen Woche angekündigt, dass er einen Antrag auf Unterstützung aus Brüssel stellen will.
Zypern könnte der vierte Staat der Euro-Zone sein, der unter den Rettungsschirm muss nach Griechenland, Portugal und Irland. Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen sind nun auch schon in die Höhe geschnellt, sie betragen im Moment 14 Prozent, und liegen damit weit über der Schmerzgrenze von sieben Prozent.
Zwei Ratingagenturen haben das Land bereits auf den gefürchteten Ramschstatus herabgestuft. Es bedarf nicht viel Phantasie, um sich auszurechnen, wann die EU-Kommission ihre Meinung ändern wird. - Ironie des Schicksals ist es, dass ebenfalls Ende Juni die Ratspräsidentschaft Dänemarks endet und der Nachfolger Zypern heißt.
Herzlichst Ihr
Günter Hannich
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