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Dienstag, 12. Juni 2012

Italien drängt die Kanzlerin„Schnell, Frau Merkel“

Italien drängt die Kanzlerin„Schnell, Frau Merkel“

Der Frust über Berlins Euro-Kurs im Süden der EU ist groß, aber auch die Hoffnung auf eine Rettung durch Deutschland. Der Chefredakteur von Sole 24 ore wendet sich direkt an die Kanzlerin, zu retten, was zu retten ist.

RomIn einem Leitartikel mit dem deutschsprachigen Titel „Schnell Frau Merkel“ hat Roberto Napoletano, Chefredakteur der italienischen Wirtschaftszeitung Sole 24 ore, die Bundeskanzlerin aufgefordert, in der Eurokrise zu handeln. Im eigenen Interesse müsse Deutschland mehr europäische Solidarität zu zeigen. Dabei geht es dem Italiener ganz eigennützig um eine Einlagensicherung auf europäischer Ebene, um den direkten Zugang der Banken zum EFSF und um gemeinsamen Euro-Bonds.


Seit Anfang Juni druckt die Zeitung Gastkommentare von "europäischen Gründungsvätern", darunter Helmut Schmidt und Joschka Fischer. Hier knüpft Napoletano an - und beschwört den europäischen Geist, wie ihn auch Helmut Kohl verkörpert habe. Damit zielt der Chefredakteur auf den nächsten EU-Gipfel, der nicht "das 25 Treffen in Folge ohne Ergebnis" werden dürfe. Und er zitiert Helmut Schmidt mit der Warnung, dass Deutschland "sein Geschichtsverständnis verliert - und seine Solidarität mit den Partnern".
Damit ist Napoletano bei Merkel: "So können Sie nicht weitermachen. Sie werden damit nicht allzuweit kommen, wenn Sie weiter die Wut der Griechen, den verletzten Stolz der Spanier, die Angst der Italiener und die Sorgen der Franzosen ignorieren."

Euro-Krise Europa ohne Steuermann

Kurz vor der Wahl in Athen ist die Euro-Krise mit voller Wucht zurück, eine Führung Europas ist aber nicht mehr erkennbar. Rettungsappelle der Kanzlerin verpufften bisher, doch heute will Merkel in die Offensive gehen.
Euro-Krise: Europa ohne Steuermann
Die Zeit der Worte sei vorbei, nun müsse die politische Integration Europas vollzogen werden. Darunter versteht der Chef der Wirtschaftszeitung aber zunächst eine Fiskalunion, die zum Beispiel eine europaweite Garantie der Bankeinlagen und Euro-Bonds umfasst.
Die Rettung der Eurozone liege vor allem im Interesse der Exportnation Deutschland: "Inmitten der Ruinen europäischer Länder wird es kein starkes und gesundes Deutschland geben", warnt Napoletano. Daher müsse Merkel jetzt zwei oder drei Treffer landen - und zwar so schnell, "dass allen klar wird, dass die Vereinigten Staaten von Europa Realität sind und der Euro nicht mehr angreifbar ist. Schnell Frau Merkel, schnell."
 
 

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