2. Juni 2012, Neue Zürcher Zeitung
Griechenland und Euro
Schweizer Banken auf der Hut
Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone verkraftbar

Auch die Stammhäuser von UBS und CS sollen nur eine
Eigenkapitalquote von 19 Prozent brauchen.
(Bild: Keystone / Gaetan Bally)
Die Schweizer Banken berücksichtigen zwar einen «Grexit» in ihren Krisenszenarien, schätzen ihn aber als wenig wahrscheinlich ein. Sollte er dennoch erfolgen, fühlen sie sich gerüstet.
ti. / Z. B. ⋅ Im Zusammenhang mit Griechenland ist immer öfter von einem möglichen Staatsbankrott oder von einem Austritt aus der Euro-Zone die Rede. Auch die Schweizer Banken wälzen solche Szenarien, sehen aber keinen Grund zur Hektik. Obwohl eine Staatspleite oder ein chaotischer Austritt aus der Euro-Zone nach den Wahlen vom 17. Juni in Betracht gezogen wird, gilt ein Sich-Durchwursteln und damit ein Verbleib von Griechenland in der Euro-Zone immer noch als die naheliegendste Variante. Die Wahrscheinlichkeit eines Austritts innerhalb der nächsten sechs Monate schätzen Ökonomen der UBS in einer Studie auf gerade 20%.
Schon deshalb erstaunt es wenig, dass die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse (CS) die griechischen Wirrungen vergleichsweise unaufgeregt verfolgen. Zunächst hängt dies mit dem konservativen Liquiditätsmanagement zusammen. Die CS etwa wies für das erste Quartal eine strukturelle Liquiditätsquote (Net Stable Funding Ratio, NSFR) von 100% aus; dies bedeutet, dass selbst unter schwierigsten Bedingungen die verfügbaren liquiden Mittel über den Zeithorizont von mindestens einem Jahr den erforderlichen liquiden Mitteln entsprechen. Damit erfüllt die CS ein Liquiditätserfordernis, das im Rahmen von «Basel III» nicht vor Anfang 2018 in Kraft gesetzt werden soll.
Die beiden Grossbanken halten nicht nur viel Liquidität, sondern refinanzieren ihre Kredite vollständig über Kundengelder. Das macht sie weniger anfällig für ein «Zufrieren» der Geldmärkte und damit von externen Refinanzierungsquellen. Hinzu kommt, dass UBS und CS geografisch breit diversifizierte Geschäftsfelder betreiben, in unterschiedlichen Währungsräumen tätig sind und damit besser gegen Verwerfungen in der Euro-Zone gewappnet sein dürften als viele ihrer Konkurrenten.
Was für die Grossbanken gilt, gilt prinzipiell auch für andere Bankengruppen. Es überwiegt die Zuversicht, von Untergangsszenarien mag niemand sprechen. Einzelne Kantonalbanken rechnen im Fall von Marktverwerfungen im Gefolge eines «Grexit» gar mit Geldzuflüssen. Wenig besorgt gibt sich auch die Raiffeisen-Gruppe, die im Euro-Raum nicht nennenswert engagiert ist. Aller Zuversicht zum Trotz: Niemand ist in der Lage, die direkten und indirekten Folgen eines griechischen Exits abzuschätzen – die Unsicherheit bleibt
http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/uebersicht/schweizer-banken-auf-der-hut_1.17141646.html
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