Vor der Wahl Griechen räumen ihre Konten
13.06.2012 ·
In Griechenland werden wieder Kopfkissen gefüllt: Kurz vor der
Parlamentswahl in Athen räumen zahlreiche Bankkunden ihre Konten. Sie
fürchten, ihre Guthaben könnten nach der Wahl zwangsweise auf eine neue
Währung umgestellt werden - und dadurch drastisch an Wert verlieren.
Immer mehr Griechen räumen kurz vor der
Parlamentswahl ihre Konten und wappnen sich mit Hamsterkäufen für einen
Ausstieg aus dem Euro. Allein von den Sparkonten der größten Institute
des Landes wurden jüngst pro Tag 500 bis 800 Millionen Euro abgezogen,
berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch unter Berufung auf
mehrere Bankangestellte. Das ist noch mal deutlich mehr als im Mai, als
pro Tag 300 bis 400 Millionen Euro abgebucht wurden.
Angst vor der Drachme
Falls die Reformgegner bei der Wahl am Sonntag siegen, droht dem Euro-Staat, der seit Mai 2010 nur durch internationale Kredite um eine Insolvenz herumkommt, die Zahlungsunfähigkeit und eine Rückkehr zur ungeliebten Drachme. „Die Menschen schreckt diese Aussicht“, sagte der Chef des Einzelhandelsverbandes, Vassilis Korkidis, in Athen. Hamsterkäufe seien aber keine die Lösung. „Man darf nicht in Panik verfallen. Wenn man den Schrank mit Lebensmitteln füllt, entgeht man der Krise dennoch nicht.“Die nervöse Stimmung in der Bevölkerung wird von Gerüchten angeheizt, die radikale Linke unter ihrem charismatischen Anführer Alexis Tsipras werde die Wahl klar gewinnen. Mit zur Unsicherheit trägt bei, dass die Veröffentlichung von Umfragen kurz vor der Wahl verboten ist, aber dennoch Ergebnisse von angeblich geheimen Befragungen lanciert werden. Einen klaren Sieg der radikalen Linken, die sich nach den letzten verfügbaren Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Reformbefürwortern von der konservativen Nea Dimokratia liefern wird, halten Demoskopen hinter vorgehaltener Hand allerdings für unwahrscheinlich.
Schäuble: „Wir können niemand aus dem Euro drängen“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht auch für den Fall eines Wahlsieges der Spargegner in Griechenland keine Gefahr für den Euro. Auf eine entsprechende Frage antwortete der Minister dem Magazin „Stern“: „Das glaube ich nicht.“ An der Notwendigkeit, harte Maßnahmen zur Sanierung des Landes zu ergreifen, ändere das Wahlergebnis ohnehin nichts. Ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Währungsraum sei kaum möglich. „Wir wollen nicht und wir können rechtlich noch nicht einmal irgendjemanden aus der Eurozone drängen“, unterstrich der CDU-Politiker. „Die Nachteile wären zudem erheblich“, warnte Schäuble.Sein französischer Kollege Pierre Moscovici erklärte, sein Land habe sich auf alle Eventualitäten beim Wahlausgang in Athen einzustellen. „Aber die Griechen entscheiden und wir müssen ihr demokratisches Votum respektieren.“ Die Rating-Agentur Fitch kommt in einem Euro-Ausstiegsszenario für Hellas zu dem Schluss, dass „die griechischen und zyprischen Banken in der direkten Schusslinie stehen würden“. Bis auf wenige Institute müssten die Banken der Euro-Zone jedoch nur mit „mäßigen“ Folgen rechnen. „Banken mit Filialen oder Tochtergesellschaften in Griechenland wären am stärksten betroffen“, hieß es weiter.
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