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Sonntag, 10. Juni 2012

FAS v 10.6.2012: Hellas für Hasardeure / wer mal Geld in GRI verdienen will (oder verlieren?)

Hellas für Hasardeure

Wenn schon Risiko,
dann richtig: Aktien
und Anleihen aus
Griechenland sind
am Boden. Zocker
schlagen jetzt zu.
VON DENNI S K REMER
Gegen diese Aktie spricht eigentlich
alles. Zunächst der Kurs: Nur
bei mageren 3,64 Euro notiert das
Papier derzeit noch. Dann die
Kursentwicklung: Vor drei Jahren
lag die Aktie mal bei mehr als 21
Euro, seitdem hat sie gewaltige 82
Prozent an Wert verloren. Und zu
guter Letzt: die Herkunft. Die Aktie
der Lotteriegesellschaft OPAP,
um die es hier geht, kommt nämlich
aus Griechenland.
Ausgerechnet Griechenland.
Das Land, das die europäische
Schuldenkrise auslöste. Wer hier
sein Geld anlegt, muss vollkommen
verrückt sein, könnte man
meinen.
Hendrik Leber aber ist alles andere
als das. Der Chef der Vermögensverwaltung
Acatis ist in der
Finanzbranche vielmehr als nüchterner
Rechner bekannt, er zählt
in Deutschland zu den angesehenen
Geldmanagern. „Die OPAPAktie
wäre in einem anderen Umfeld
zwei bis drei Mal so viel
wert“ , sagt Leber. „Im Grunde ist
sie gar nicht riskant und für sehr
mutige Investoren einen Blick
wert.“

Eine Einschätzung, mit der Leber
nicht alleine dasteht. Auch Peter
Huber von der Vermögensverwaltung
Starcapital findet die
OPAP-Aktie interessant. Den beiden
Profi-Investoren gefällt vor allem
eines - die Probleme des Landes
können der Bilanz des Unternehmens
nichts anhaben. OPAP
erzielt nämlich stetig Gewinne,
weil die Griechen selbst in der
tiefsten Krise weiter Lotto spielen.
Auch die reinen Finanzkennzahlen
verführen zum Einstieg:
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, eine
wichtige Kennziffer, liegt für dieses
Jahr bei einem Wert von 2,2.

Ein Zeichen dafür, dass die Aktie
sehr günstig ist. Zudem zahlt die
Lottogesellschaft regelmäßig Dividenden.
Trotzdem sollten sich nur risikofreudige
Anleger an die Aktie
heranwagen. Denn auch wenn ih-
rem Kurssturz vor allem die generelle
Furcht vor Investments in
Griechenland zugrunde liegt, hält
selbst Optimist Leber nur kleine
Positionen. Sollten die Hellenen
nämlich aus dem Euroraum austreten
und die Drachme wieder
einfiihren, würde die Aktie wegen
der Wechselkursverluste noch einmal
drastisch an Wert verlieren.

Eine Währungsumstellung brauchen
Anleger bei einem anderen
spekulativen Hellas-Investment
wohl nicht zu befurchten: Die Anleihen
des Telekomkonzerns OTE
müssen nach Ansicht von Experten
auf jeden Fall in Euro zurückgezahlt
werden.
Mit zehn Prozent ist
der griechische Staat an dem Unternehmen
beteiligt: Wegen der
Angst vor einem Euro-Austritt notiert
der Kurs einer OTE-Anleihe
mit Laufzeit bis August 2013 darum
nur bei 70 Prozent.
Vermögensverwalter Huber allerdings
hält die Sorgen für übertrieben.
Zum einen macht OTE
trotz der desaströsen Lage im Lande
weiter Gewinne. Und zum anderen
ist nicht nur der Staat an OTE
beteiligt, sondern auch ein Unternehmen
aus dem stabilsten Land
des Euroraumes: Mit einem Anteil
von 40 Prozent ist die Deutsche Telekom
Großaktionär.
Im Notfall,
da ist sich Huber sicher, würde die
Telekom für die Rückzahlung der
Anleihen einstehen.
Natürlich sind auch hier die Risiken
hoch. Wer aber trotz aller Unsicherheiten
das Investment wagt,
wird mit einer stattlichen Rendite
belohnt: Sie beträgt mehr als 40
Prozent.


FAS 10. Juni 2012 Nr. 23 S 45

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