Griechische Finanzkrise
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Die griechische Finanzkrise ist eine Haushalts- und Staatsschuldenkrise der Republik Griechenland,
die spätestens seit 2010 auch in der breiten Öffentlichkeit
wahrgenommen wird. Sie hatte sich zwar bereits in den Jahren zuvor
entwickelt, war aber bis 2010 von verschiedenen griechischen Regierungen
mit falschen Darstellungen und Meldungen über Griechenlands
Wirtschaftsdaten verschleiert worden.[1] Die Auswirkungen betreffen außer Griechenland selbst vor allem den Euroraum der Europäischen Union (Staatsschuldenkrise im Euroraum). Die Europäische Währungsunion geriet durch die griechische Schuldenkrise in einen „Teufelskreis aus Staatsschulden- und Bankenkrisen“.[2]Haushaltskrise bedeutet, dass der Staatshaushalt Griechenlands strukturell ein krisenhaft hohes jährliches Defizit (Nettoneuverschuldung) aufweist, der griechische Staat also nicht nur einmalig übermäßig mehr ausgibt, als er einnimmt. Das griechische Haushaltsdefizit überschreitet seit vielen Jahren deutlich den in den EU-Konvergenzkriterien vereinbarten Grenzwert von maximal drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Staatsschuldenkrise bedeutet, dass der Staat Griechenland ein krisenhaft hohes Niveau an Schulden aufgebaut hat, welches Griechenland aus eigener Kraft nicht mehr zurückzahlen kann. In der Folge hat Griechenland wegen seiner geringen Bonität so gut wie keinen Zugang mehr zum Kapitalmarkt und kann damit auch neue Haushaltsdefizite nicht mehr finanzieren oder eine Refinanzierung von ablaufenden Finanzierungen alter Haushaltsdefizite nicht mehr selbst bewerkstelligen. Der Schuldenstand Griechenlands lag schon beim Beitritt zur Eurozone über dem in den EU-Konvergenzkriterien dafür vereinbarten Grenzwert von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und stieg von knapp 100 % 2003 jedes Jahr, ab 2009 beschleunigt weiter an.
Im April 2010 verdichteten sich die Anzeichen, dass es der griechischen Regierung nicht gelingen würde, fällige Kredite zurückzuzahlen. Um einen Staatsbankrott hinauszuschieben, beantragte Griechenland am 23. April 2010 offiziell EU-Hilfe, etwa gleichzeitig begannen dort Spar- und Konsolidierungsanstrengungen.
Am 9. März 2012 stellte die ISDA den Zahlungsausfall Griechenlands fest,[3] ebenso die Ratingagenturen.
Vor einem Schuldenschnitt im März 2012 hatte der Staat Griechenland Schulden in Höhe von etwa 370 Milliarden Euro. Zusätzlich garantiert die Regierung in Athen inzwischen für griechische Bankschulden in Höhe von knapp 65 Milliarden Euro. Nach dem Schuldenschnitt sagte die EU Griechenland ein Kreditpaket von 130 Milliarden Euro zu.[4]
| Datum | Fitch | S&P | Moody’s | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| 8. Dez. 2009 | BBB+ | [5] | ||
| 16. Dez. 2009 | BBB+ | [6] | ||
| 22. Dez. 2009 | A2 | [7] | ||
| 27. Apr. 2010 | BBB− | BB+/B | A3 | [8] |
| 14. Juni 2010 | Ba1 | [9] | ||
| 7. Mär. 2011 | B1 | [10] | ||
| 30. Mär. 2011 | BB− | [11] | ||
| 9. Mai 2011 | B | [12] | ||
| 20. Mai 2011 | B+ | [13] | ||
| 1. Juni 2011 | Caa1 | [14] | ||
| 14. Juni 2011 | CCC | [15] | ||
| 13. Juli 2011 | CCC | [16] | ||
| 25. Juli 2011 | Ca | [17] | ||
| 27. Juli 2011 | CC | [18] | ||
| 22. Feb. 2012 | C | [19] | ||
| 27. Feb. 2012 | SD | [20] | ||
| 3. Mär. 2012 | C | [21] | ||
| 9. Mär. 2012 | RD | [22][23] | ||
| 13. Mär. 2012 | B- | [24] | ||
| 2. Mai 2012 | CCC | [25] | ||
| 17. Mai 2012 | CCC | [26] |
Inhaltsverzeichnis
- 1 Entstehung und Verlauf
- 2 Ursachen
- 3 Maßnahmen zur Krisenbewältigung
- 3.1 Maßnahmen der griechischen Regierung
- 3.1.1 Erstes Sparpaket – März/April 2010
- 3.1.2 Zweites Sparpaket – Mai 2010
- 3.1.3 Drittes Sparpaket – Juni 2011
- 3.1.4 Ankündigung eines weiteren Sparpakets – September 2011
- 3.1.5 Bekämpfung der Korruption und Schattenwirtschaft
- 3.1.6 Rücktritt der Regierung Papandreou, Bildung einer Übergangsregierung – November 2011
- 3.2 Maßnahmen der EU und des IWF
- 3.2.1 Rechtliche Grundlage der EU-Hilfen
- 3.2.2 Rechtliche Grundlagen der IWF-Hilfen
- 3.2.3 Erstes Rettungspaket von EU und IWF – April 2010
- 3.2.4 Zweites Rettungspaket von EU und IWF – Juli 2011
- 3.2.5 EU-Gipfel am 26. Oktober 2011
- 3.2.6 IWF-Bericht Dezember 2011
- 3.2.7 „Zweites“ Hilfspaket Februar und März 2012
- 3.3 Maßnahmen der Europäischen Zentralbank
- 3.1 Maßnahmen der griechischen Regierung
- 4 Folgen
- 5 Literarische Verarbeitung
- 6 Siehe auch
- 7 Literatur
- 8 Weblinks
- 9 Einzelnachweise
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