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Donnerstag, 7. Juni 2012

Unabhängig vom Wahlausgang wird uns Griechenland erhalten bleiben: für kurzfristige Nothilfe und langfristig als Sanierungsfall. Es ist das Land, das den Partnern in der Währungsunion nie hätte zur Last werden dürfen.


Griechenland Der Tag danach

05.06.2012 ·  Was geschieht nach der griechischen Parlamentswahl am 18. Juni? Erleichterung? Panik? Sollten sich jene Kräfte durchsetzen, die von Sparen und von Reformen nichts halten, droht mutmaßlich ein Staatsbankrott. Die Antwort in Brüssel, Berlin und Frankfurt lautet: Mehr Europa, vertiefte Integration.
Von Klaus-Dieter Frankenberger
© dpa Luft raus: Was geschieht nach der Parlamentswahl in Griechenland mit Europa?
Was geschieht am 18. Juni? Diese Frage soll keine pessimistische Anspielung sein auf die mögliche Zukunft der deutschen Nationalmannschaft nach Abschluss der Vorrunde der Fußball-Europameisterschaft. Aber mit einem anderen europäischen Wettbewerb hat die Frage schon etwas zu tun: Wie so oft in den vergangenen Monaten - es sind bald zweieinhalb Jahre - werden die Zeitgenossen nach Griechenland blicken.
Dort wird am Tag zuvor ein neues Parlament gewählt; und da könnte es sein, dass jene Kräfte gestärkt werden, die von Sparen und von Reformen nichts halten und die Vereinbarungen für null und nichtig erklären wollen, die Athen mit seinen internationalen Gläubigern geschlossen hat. Dann triebe das Land an der südosteuropäischen Peripherie mutmaßlich in den Staatsbankrott, weil die Voraussetzungen für weitere Kreditgewährung nicht mehr gegeben wären.
Anders ausgedrückt: Die griechischen Wähler hätten sich gegen den Verbleib in der Währungsunion ausgesprochen. Als ein Referendum von solcher Bedeutung hat, zum Beispiel, der britische Premierminister Cameron die griechische Parlamentswahl klassifiziert, damit auch jeder wisse, was auf dem Spiel steht.
Der 18. Juni wäre also Tag eins nach der griechischen Schicksalswahl. Dass von ihr der Bestand der Währungsunion abhänge, halten die meisten Fachleute für wenig wahrscheinlich; dass sie zu neuen Unsicherheiten führen würde, falls die radikalen Kräfte an die Macht kämen, die Austerität als „Versklavung“ brandmarken, dagegen schon. Unabhängig vom Wahlausgang wird uns Griechenland erhalten bleiben: für kurzfristige Nothilfe und langfristig als Sanierungsfall. Es ist das Land, das den Partnern in der Währungsunion nie hätte zur Last werden dürfen.

 http://www.faz.net/aktuell/griechenland-der-tag-danach-11775002.html

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