Lucas Papademos„Euro-Ausstieg wäre eine Katastrophe“
12.06.2012, 08:34 Uhr
Griechenland
kann innerhalb der Euro-Zone saniert werden, ist der ehemalige Premier
des Landes überzeugt. Bis vor kurzem leitete er die Geschicke des
Landes. Eine Alternative zum eingeschlagenen harten Weg gibt es nicht.
Lukas Papademos, promovierter Ökonom, leitete bis Mai die griechische Übergangsregierung. Quelle: dapd
Gibt
es für Griechenland eine vernünftige Alternative zu dem harten Weg,
innerhalb der Euro-Zone seine öffentlichen Finanzen und seine
Wettbewerbsfähigkeit wiederzugewinnen? Nein.
Theoretisch
würde ein Ausstieg aus der Währungsunion dem Land mehr Flexibilität
bringen. In der Praxis aber hätte ein Ausstieg, der voraussichtlich mit
einem Stopp des Schuldendienstes verbunden wäre, viele sehr negative
Folgen: Die Inflation würde sich beschleunigen, die realen Einkommen
würden einbrechen, das Bankensystem käme unter extremen Druck, der
Zugang zu den Kapitalmärkten wäre verbaut, und die Sanierung des
Haushalts wäre noch schwieriger, wenn auch zeitweise eine lockere
Geldpolitik die Probleme überdecken könnte. Es gibt ökonomische Modelle,
nach denen die Inflation von derzeit 1,5 Prozent auf 30 oder sogar 50
Prozent ansteigen könnte und das reale BIP um weitere 20 Prozent sinken
würde. Weil eine Lohn-Preis-Spirale zu erwarten wäre und die Reformen
gebremst würden, wäre auch nicht mit einer Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit zu rechnen. Alles in allem: Die ökonomischen Folgen
eines Ausstiegs wären eine Katastrophe. Und die sozialen Folgen, vor
allem für die schwächeren Mitglieder der Gesellschaft, wären sehr tief
gehend und lang andauernd. Daher glaube ich, dass Griechenland sich
besser inner- als außerhalb der Euro-Zone sanieren kann.
Dies
gilt auch vor dem Hintergrund, dass Griechenlands Fortschritte bei der
Sanierung der öffentlichen Finanzen und der Wettbewerbsfähigkeit schon
größer sind, als von vielen wahrgenommen wird. In den Jahren 2010 und
2011 hat sich das staatliche Defizit abzüglich der Zinsen, das
sogenannte Primärdefizit, um acht Prozentpunkte des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) verbessert. Das ist die stärkste Anpassung
dieser Art, die es in den letzten Jahren jemals in einem Land der
Europäischen Union oder der OECD gegeben hat. Im ersten Quartal 2012 hat
die Regierung in Athen einen Primärüberschuss von 1,1 Prozent des BIP
erzielt. In den Jahren 2010 und 2011 hat das Land zudem die Hälfte
dessen, was es in den neun Jahren zuvor an Wettbewerbsfähigkeit
gegenüber anderen EU-Staaten verloren hat, schon wieder aufgeholt. Das
ergibt sich aus Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu den
Lohnkosten seit 2001.
http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/lucas-papademos-euro-ausstieg-waere-eine-katastrophe-/6738804.html
http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/lucas-papademos-euro-ausstieg-waere-eine-katastrophe-/6738804.html

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen