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Dienstag, 12. Juni 2012

Lucas Papademos„Euro-Ausstieg wäre eine Katastrophe“

Lucas Papademos„Euro-Ausstieg wäre eine Katastrophe“

Griechenland kann innerhalb der Euro-Zone saniert werden, ist der ehemalige Premier des Landes überzeugt. Bis vor kurzem leitete er die Geschicke des Landes. Eine Alternative zum eingeschlagenen harten Weg gibt es nicht.


Lukas Papademos, promovierter Ökonom, leitete bis Mai die griechische Übergangsregierung. Quelle: dapd
Lukas Papademos, promovierter Ökonom, leitete bis Mai die griechische Übergangsregierung. Quelle: dapd
Gibt es für Griechenland eine vernünftige Alternative zu dem harten Weg, innerhalb der Euro-Zone seine öffentlichen Finanzen und seine Wettbewerbsfähigkeit wiederzugewinnen? Nein.
 

Theoretisch würde ein Ausstieg aus der Währungsunion dem Land mehr Flexibilität bringen. In der Praxis aber hätte ein Ausstieg, der voraussichtlich mit einem Stopp des Schuldendienstes verbunden wäre, viele sehr negative Folgen: Die Inflation würde sich beschleunigen, die realen Einkommen würden einbrechen, das Bankensystem käme unter extremen Druck, der Zugang zu den Kapitalmärkten wäre verbaut, und die Sanierung des Haushalts wäre noch schwieriger, wenn auch zeitweise eine lockere Geldpolitik die Probleme überdecken könnte. Es gibt ökonomische Modelle, nach denen die Inflation von derzeit 1,5 Prozent auf 30 oder sogar 50 Prozent ansteigen könnte und das reale BIP um weitere 20 Prozent sinken würde. Weil eine Lohn-Preis-Spirale zu erwarten wäre und die Reformen gebremst würden, wäre auch nicht mit einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit zu rechnen. Alles in allem: Die ökonomischen Folgen eines Ausstiegs wären eine Katastrophe. Und die sozialen Folgen, vor allem für die schwächeren Mitglieder der Gesellschaft, wären sehr tief gehend und lang andauernd. Daher glaube ich, dass Griechenland sich besser inner- als außerhalb der Euro-Zone sanieren kann.

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Dies gilt auch vor dem Hintergrund, dass Griechenlands Fortschritte bei der Sanierung der öffentlichen Finanzen und der Wettbewerbsfähigkeit schon größer sind, als von vielen wahrgenommen wird. In den Jahren 2010 und 2011 hat sich das staatliche Defizit abzüglich der Zinsen, das sogenannte Primärdefizit, um acht Prozentpunkte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verbessert. Das ist die stärkste Anpassung dieser Art, die es in den letzten Jahren jemals in einem Land der Europäischen Union oder der OECD gegeben hat. Im ersten Quartal 2012 hat die Regierung in Athen einen Primärüberschuss von 1,1 Prozent des BIP erzielt. In den Jahren 2010 und 2011 hat das Land zudem die Hälfte dessen, was es in den neun Jahren zuvor an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen EU-Staaten verloren hat, schon wieder aufgeholt. Das ergibt sich aus Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu den Lohnkosten seit 2001.

http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/lucas-papademos-euro-ausstieg-waere-eine-katastrophe-/6738804.html

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