Beschwerde bei der EU-Kommission: Deutschlands Banken torpedieren Transaktionsteuern
Führende Verbände der deutschen Finanzwirtschaft fordern in vertraulichen Beschwerdebriefen: Die EU-Kommission soll die neue Abgabe auf Aktienkäufe in Frankreich und Italien verbieten. Insider glauben, dass die Bankenlobby so die geplante EU-Transaktionsteuer verhindern will.
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Banken
-Skyline in Frankfurt: "Verstoß gegen europäisches Recht"
Hamburg - Deutschlands Banken
starten eine Kampagne gegen die neuen Finanztransaktionsteuern in Frankreich und Italien. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen haben sechs führende Verbände der deutschen Finanzwirtschaft bei der EU-Kommission offiziell Beschwerde gegen die beiden europäischen Staaten erhoben. Die Abgaben seien ein "Verstoß gegen europäisches Recht", heißt es in zwei vertraulichen, teils fast wortgleichen Schreiben vom 23. September, die SPIEGEL ONLINE vorliegen. "Wir beantragen mit dieser Beschwerde bei der Europäischen Kommission dafür Sorge zu tragen, dass die Französische [im zweiten Brief "Italienische"] Republik diese Zuwiderhandlung gegen das Gemeinschaftsrecht abstellt".
Im Briefkopf stehen alle relevanten Verbände der deutschen Finanzbranche, von den Sparkassen über die Genossenschaftsbankenbis hin zur Investmentfondsbranche. Mit dabei ist auch der Bundesverband öffentlicher Banken, in dem unter anderem die landeseigenen Förderbanken und die von der Politik kontrolliertenLandesbanken vertreten sind. Unterzeichnet haben die Briefe zwei Vertreter des privaten Bankenverbands: der frühere NRW-Europaminister Andreas Krautscheid, der heute in der Hauptgeschäftsführung des Verbands sitzt, und Direktorin Sabine Weber.Seit Jahren kämpfen die BankenDemnach soll in Zukunft bei jedem Kauf und Verkauf einer Aktie
Zwei europäische Staaten sind schon vorgeprescht. Erst führte Frankreich im August 2012 eine FTS von 0,2 Prozent auf Aktien aller nationaler Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Euro Börsenwert ein. Dann zog Italien im März 2013 mit einer ähnlichen Regelung nach. Beide Nationen erheben die Steuer unabhängig davon, ob die Papiere in ihren Ländern gehandelt werden. Nach demselben Prinzip soll auch die europäische Steuer funktionieren.
"Wenn es illegal wäre, hätten wir einen schweren Stand"
Die Verbände nennen das rechtswidrig. "Folglich wird damit auch der Kauf französischer Aktien
Die EU-Kommission hält sich bedeckt. "Wir haben Beschwerdeschreiben von Wirtschaftsverbänden zur französischen und italienischen FTS erhalten", sagte ein Sprecherin von Steuerkommissar Algirdas Semeta auf Anfrage. Da diese Fälle noch in Bearbeitung seien, könne sie sich nicht weiter äußern.
Brüsseler Insider sagen, die Beschwerde sei unbegründet. Die Kapitalverkehrsteuer-Richtlinie, die von den Verbänden ins Feld geführt werde, erfasse gar nicht den Handel mit Wertpapieren, sondern nur die Ansammlung von Kapital am Primärmarkt - etwa wenn ein Unternehmen Aktien oder Anleihen ausgibt, um Geld
Somit fallen die staatlichen deutschen Banken
Entsprechend wenig Schützenhilfe können die Banken
Für die Verbände geht es um die Klärung der Rechtslage
Dennoch wird sich die europäische Steuer verzögern. Der einst angepeilte Termin zum Jahresanfang 2014 ist längst abgeräumt. Zu groß sind die Sonderwünsche der einzelnen Staaten: Griechenland und Spanien etwa wollen verhindern, dass die FTS ihre Staatsanleihen weiter verteuert. Deutschland und Frankreich wollen die Rentenversicherer
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Nach den Regeln der Europäischen Union könnten sich Bürger und Unternehmen bei Zweifeln an der Vereinbarkeit von Rechtsvorschriften der einzelnen Mitgliedstaaten mit EU-Recht an die Europäische Kommission wenden, heißt es in der Stellungnahme. Dies hätten die Verbände "nicht zuletzt auch im Interesse einer Klarstellung für ihre Kunden getan, nachdem sich auf nationaler Ebene die zuständigen Behörden zu einer ausreichenden Klarstellung in dieser Sache außerstande gesehen haben".
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutsche-banken-torpedieren-finanztransaktionsteuern-a-938618.html
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