„Frau Lagarde hat Recht“ Steuerfahnder beklagt griechische Zahlungsmoral
08.06.2012 ·
Mit ihrer Kritik an der Zahlungsmoral der Griechen sorgte
IWF-Chefin Christine Lagarde für einen Sturm der Entrüstung in Athen.
Nun stellt sich ausgerechnet der oberste griechische Steuerfahnder
hinter sie.
© Röth, Frank
Lässige Zahlungsmoral in Griechenland? Das beklagt IWF-Chefin Lagarde - und nun auch der oberste Steuerfahnder des Landes
Der Leiter der griechischen
Steuerfahndungsbehörde hat sich der umstrittenen Kritik von IWF-Chefin
Christine Lagarde an der Steuermoral der Griechen angeschlossen. Er
stimme Lagarde vollkommen zu, sagte Behördenchef Nikos Lekkas der
Tageszeitung „Die Welt“.
Die Steuerflucht in seinem Land belaufe sich auf zwölf bis 15 Prozent
der jährlichen Wirtschaftsleistung. „Wenn wir davon auch nur die Hälfte
eintreiben könnten, wäre Griechenlands Problem gelöst.“
Lagarde hatte die Bürger im hoch verschuldeten Griechenland Ende Mai in einem Interview zur Steuerehrlichkeit aufgerufen,
um das Land aus der Krise zu führen. Kinder in manchen Regionen Afrikas
bräuchten „mehr Hilfe als die Menschen in Athen“, sagte sie. Das
Interview hatte in Griechenland eine Welle der Empörung ausgelöst.Steuerfahndungschef Lekkas rügte, viele Ermittlungen scheiterten an mangelnder Kooperation griechischer Banken. Seine Behörde habe mehr als 5000 Fälle Antrag auf Konteneinsicht gestellt habe, doch nur in 214 Fällen sei diese bisher gewährt worden. In 500 Fällen, die Politiker beträfen, warte die Steuerfahndung seit fünf Monaten auf Auskunft.
Griechenland befindet sich seit Jahren in der Rezession. Im Gegenzug für Milliardenkredite der Europäischen Union und des IWF hatte sich die Anfang Mai abgewählte Regierung aus Sozialisten und Konservativen zu einem drastischen Sparprogramm verpflichtet. Nach der Wahl, bei der sparkursfeindliche Parteien großen Zuspruch erfuhren, kam keine neue Regierung zustande. Am 17. Juni soll erneut gewählt werden.
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