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Donnerstag, 16. Oktober 2014

In Venezuela wächst das Risiko eines Zahlungsausfalls. Die sinkenden Erdölpreise könnten das Karibikland bald in den Default treiben – meinen renommierte Ökonomen warnend.

Fallende Erdölpreise als Gefahr

Steht Venezuela vor einem Zahlungsausfall?

In Venezuela droht ein Zahlungsausfall.
In Venezuela droht ein Zahlungsausfall. (Bild: Reuters)
In Venezuela wächst das Risiko eines Zahlungsausfalls. Die sinkenden Erdölpreise könnten das Karibikland bald in den Default treiben – meinen renommierte Ökonomen warnend. Die Deutsche Bank dagegen sieht die Lage gelassen.
Steht Venezuela vor einem Zahlungsausfall auf seine Auslandsschulden? Laut den Experten Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff von der Harvard-Universität dürfte das Karibikland bald Argentinien als säumiger Auslandsschuldner in Südamerika folgen. Angesichts der hohen Verbindlichkeiten Venezuelas im Inland sei ein ausländischer Zahlungsausfall kaum zu vermeiden, meinen Reinhart und Rogoff.

Wenig liquide Reserven

Das venezolanische Wirtschaftsforschungsinstitut Ecoanalitica schätzt, dass der Staat in- und ausländischen Gläubigern derzeit über 21 Mrd. $ schuldet; 12 Mrd. $ davon ausländischen Konzernen. Die Regierung verfüge jedoch nur über rund 20 Mrd. $ Devisenreserven. Die Zahlungsfähigkeit Venezuelas verschlechtert sich zusätzlich durch den sinkenden Erdölpreis. Mit rund 88 $ pro Fass ist er auf seinen niedrigsten Preis seit fast zwei Jahren gesunken. Für Venezuela ist das eine Katastrophe: Das Land erwirtschaftet seine Devisen fast ausschliesslich mit Erdölausfuhren. 120 $ müsste das Erdöl kosten, damit der Staat das wachsende Haushaltsdefizit und die Importe finanzieren sowie die ausländischen Kredite problemlos zurückzahlen könne, heisst es in Caracas. Deswegen hat das südamerikanische Land jetzt eine Sondersitzung der Opec für den 27. Oktober beantragt. Venezuelas Regierung will das Kartell dazu überreden, die Produktion zu senken, um einen Verfall der Erdölpreise zu verhindern. Dadurch soll auch der anhaltende Aderlass bei den Devisenreserven durch Schuldentilgungen gestoppt werden.



Es ist jedoch gut möglich, dass die Reserven bereits unter 20 Mrd. $ gesunken sind. Es gibt Schätzungen, nach denen Venezuela sogar nur noch zwischen 8 Mrd. und 13 Mrd. $ Reserven besitzt. Bereits jetzt liegt nur ein kleiner Anteil der Devisen bei Venezuelas Zentralbank bar vor: Der grösste Teil ist in Gold eingebunkert, dessen Wert auf 15 Mrd. $ geschätzt wird. Weitere 3,4 Mrd. $ sind Sonderziehungsrechte beim IMF. Die Bank JP Morgan fürchtet, dass Venezuela weniger als 1 Mrd. $ liquide Reserven besitzt.

Experten uneinig

Den sinkenden Dollarbeständen stehen wachsende Zahlungsverpflichtungen gegenüber: Noch in diesem Jahr müssen der staatliche Erdölkonzern PdVSA und die Regierung ausländische Kredite und Zinsen von mindestens 3 Mrd. $ tilgen. Die nächsten drei Jahre werden jeweils 10 Mrd. $ jährlich fällig. Das Land sei längst im Zahlungsverzug, befand kürzlich der ehemalige Planungsminister Venezuelas und jetzige Harvard-Professor Ricardo Hausmann: Statt die ausländischen Gläubiger nicht zu bedienen, würde die Regierung der Bevölkerung Medikamente und Lebensmittel vorenthalten. Es herrscht kein Konsens auf den Finanzmärkten über Venezuelas drohende Zahlungsfähigkeit. Zwar verlangen Investoren für Venezuelas Anleihen Zinsaufschläge von rund 16% über vergleichbaren US-Anleihen. Das sind die höchsten Spreads weltweit. Es zeigt, wie hoch die Finanzmärkte das Risiko eines Defaults bewerten. Dennoch hält die Deutsche Bank einen baldigen Zahlungsausfall für unwahrscheinlich. Venezuelas Regierung wisse, dass ein Default keine Vorteile bringe, schreiben Experten der Bank. Mit einem Zahlungsstopp würde der Aussenhandel zusammenbrechen.

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