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Sonntag, 15. Februar 2015

aus Wikipedia: die Bedeutung des Generalanwaltes

Generalanwalt (EuGH)

Die Generalanwälte am Europäischen Gerichtshof unterstützen die Richter des Europäischen Gerichtshofs in ihrer Entscheidungsfindung. Derzeit gibt es neun Generalanwälte.

Rechtliche Grundlage[Bearbeiten]

Art. 252 des AEU-Vertrags sah vor, dass der Europäische Gerichtshof von acht Generalanwälten unterstützt wird, deren Zahl durch den Rat durch einstimmigen Beschluss erhöht werden kann. Anlässlich der Unterzeichnung des Vertrags von Lissabon erklärten die Mitgliedstaaten, dass die Zahl der Generalanwälte auf 11 erhöht werden solle, wenn dies der Gerichtshof beantragt.[1] Im Juni 2013 wurde beschlossen, die Zahl der Generalanwälte baldmöglichst auf neun und vom Oktober 2015 an auf 11 zu erhöhen.[2]

Aufgabe[Bearbeiten]

Der Generalanwalt hat die Aufgabe, nach der mündlichen Verhandlung öffentlich und in völliger Unparteilichkeit und Unabhängigkeit einen Vorschlag für ein Urteil in der Form von begründeten Schlussanträgen zu stellen, soweit nach der Satzung des Gerichtshofs seine Mitwirkung erforderlich ist. Seine Aufgabe ist daher nicht mit der eines Staatsanwaltes vergleichbar. Dazu fasst er die bisherige Rechtsprechung des EuGH in ähnlichen Fällen zusammen und nutzt diese, um seine Vorstellungen hinsichtlich der Beurteilung des vorliegenden Falls zu begründen. Der Generalanwalt ist dabei nicht Vertreter einer der beiden Parteien, sondern soll seinen Vorschlag unabhängig und neutral entwickeln. Der EuGH ist an diese Vorschläge nicht gebunden, faktisch folgt er jedoch in etwa dreiviertel aller Fälle den Vorschlägen des Generalanwalts.

Mündliche Verhandlung und Schlussanträge im Verfahren[Bearbeiten]

Der Gerichtshof entscheidet auf Bericht des Berichterstatters und nach Anhörung des Generalanwalts, ob die Rechtssache eine Beweisaufnahme erfordert, welchem Spruchkörper die Rechtssache zugewiesen wird und ob eine mündliche Verhandlung stattfindet. In der mündlichen Verhandlung vor dem EuGH tragen die Parteien ihre Ausführungen dem Spruchkörper und dem Generalanwalt vor. Die Richter und der Generalanwalt können den Parteien die Fragen stellen, die sie für zweckdienlich erachten. Einige Wochen später, wiederum in öffentlicher Sitzung, trägt der Generalanwalt dem Gerichtshof seine Schlussanträge vor. Darin geht er insbesondere auf die rechtlichen Fragen des Rechtsstreits ein und schlägt dem Gerichtshof in völliger Unabhängigkeit die Entscheidung vor, die seiner Meinung nach in dem Rechtsstreit ergehen sollte. Damit ist das mündliche Verfahren abgeschlossen. Wirft eine Rechtssache keine neuen Rechtsfragen auf, so kann der Gerichtshof nach Anhörung des Generalanwalts beschließen, ohne Schlussanträge zu entscheiden.

Liste der Generalanwälte[Bearbeiten]

Die Generalanwälte werden durch einen einstimmigen Beschluss der Regierungen der Mitgliedstaaten nach Anhörung des gemäß Art. 255 AEUV gebildeten Expertenausschusses ernannt, was de facto einem einstimmigen Beschluss des Rates der Europäischen Union entspricht. Dabei stellen die fünf (künftig sechs) großenMitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich (künftig auch Polen) einen ständigen Generalanwalt. Die verbleibenden drei (künftig fünf) Generalanwälte werden nach einem Rotationsprinzip mit Vertretern der kleinen Mitgliedstaaten besetzt. Derzeit ist die folgende Reihenfolge vorgesehen: Schweden, Belgien, Bulgarien, Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Irland, Griechenland, Zypern, Lettland, Litauen, Luxemburg, Ungarn, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien.[1]
Die folgende Liste enthält alle Personen, die mit Stand vom Januar 2014 als Generalanwälte am Europäischen Gerichtshof tätig waren oder sind. Die Namen der neunaktuell amtierenden Generalanwälte[3] sind durch Fettsatz hervorgehoben.
HerkunftslandNameAmtszeit
Frankreich FrankreichMaurice Lagrange1952–1964
Deutschland DeutschlandKarl Roemer1953–1973
Italien ItalienAlberto Trabucchi1973–1976
Frankreich FrankreichJoseph Gand1964–1970
Frankreich FrankreichAlain Louis Dutheillet de Lamothe1970–1972
Frankreich FrankreichHenri Mayras1972–1981
Vereinigtes Königreich Vereinigtes KönigreichJean-Pierre Warner1973–1981
Deutschland DeutschlandGerhard Reischl1973–1981
Italien ItalienFrancesco Capotorti1976–1982
Vereinigtes Königreich Vereinigtes KönigreichGordon Slynn1981–1988
Frankreich FrankreichSimone Rozès1981–1984
Niederlande NiederlandePieter Verloren van Themaat1981–1986
Italien ItalienG. Federico Mancini1982–1988
Deutschland DeutschlandCarl Otto Lenz1984–1997
Frankreich FrankreichMarco Darmon1984–1994
Luxemburg LuxemburgJean Mischo1986–1991
1997–2003
Portugal PortugalJosé Luís da Cruz Vilaça1986–1988
Belgien BelgienWalter van Gerven1988–1994
Vereinigtes Königreich Vereinigtes KönigreichFrancis Geoffrey Jacobs1988–2006
Italien ItalienGiuseppe Tesauro1988–1998
Dänemark DänemarkClaus Christian Gulmann1991–1994
Griechenland GriechenlandGeorges Cosmas1994–2000
Dänemark DänemarkMichael Bendik Elmer1994–1997
Frankreich FrankreichPhilippe Léger1994–2006
Italien ItalienAntonio Mario La Pergola1995–1999
Irland IrlandNial Fennelly1995–2000
Spanien SpanienDámaso Ruiz-Jarabo Colomer1995–2009
Deutschland DeutschlandSiegbert Alber1997–2003
Italien ItalienAntonio Saggio1998–2000
Italien ItalienAntonio Tizzano2000–2006
Niederlande NiederlandeLeendert Adrie Geelhoed2000–2006
Österreich ÖsterreichChristine Stix-Hackl2000–2006
Deutschland DeutschlandJuliane Kokott2003–
Portugal PortugalMiguel Poiares Maduro2003–2009
Vereinigtes Königreich Vereinigtes KönigreichEleanor Sharpston2006–
Italien ItalienPaolo Mengozzi2006–
Frankreich FrankreichYves Bot2006–
Slowakei SlowakeiJán Mazák2006–2012
Slowenien SlowenienVerica Trstenjak2006–2012
Finnland FinnlandNiilo Jääskinen2009–
Spanien SpanienPedro Cruz Villalón2009–
Belgien BelgienMelchior Wathelet2012–
Schweden SchwedenNils Wahl2012–
Polen PolenMaciej Szpunar2013-

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ↑ Hochspringen nach:a b Erklärung der Konferenz der Mitgliedstaaten zu Art. 222 AEUV (PDF; 11 kB)
  2. Hochspringen Pressemitteilung (PDF; 215 kB) vom 25. Juni 2013. Abgerufen am 23. Oktober 2013.
  3. Hochspringen Seite des Europäischen Gerichtshofes, Liste der Richter und Generalanwälte, abgerufen am 20. Januar 2014.

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