Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Samstag, 14. Februar 2015

Waffen für die Ukraine Wie Putins Lust am Krieg gedämpft werden könnte Kiews Armee verliert in der Ostukraine an Boden. Die Übermacht des Gegners ist erdrückend. Mit Waffenlieferungen lassen sich Moskaus Milizen nicht besiegen. Aber mancher glaubt, sie könnten ihnen den Kampf verleiden. Eine Übersicht, was die ukrainische Armee gut gebrauchen könnte

Waffen für die UkraineWie Putins Lust am Krieg gedämpft werden könnte

Kiews Armee verliert in der Ostukraine an Boden. Die Übermacht des Gegners ist erdrückend. Mit Waffenlieferungen lassen sich Moskaus Milizen nicht besiegen. Aber mancher glaubt, sie könnten ihnen den Kampf verleiden. Eine Übersicht, was die ukrainische Armee gut gebrauchen könnte.

© WIKI COMMONVergrößernPanzerschreck: Ein amerikanischer Soldat feuert eine Javelin-Rakete während des dritten Golfkriegs (2003) im Irak ab.
Der Hoffnungsschimmer, den die Kanzlerin nach dem Minsker Gipfel für die Menschen in der Ostukraine sah, trübt sich wieder ein. Die Kämpfe in der Region zwischen Donezk und Luhansk halten unvermindert an. Ukrainische Quellen berichten von weiteren russischen Panzern und Artillerie, die in das von prorussischen Separatisten kontrollierte Gebiet vorgerückt seien. Es gibt wenig Anlass, daran zu zweifeln. Betrachtet man die beachtlichen Geländegewinne der prorussischen Milizen in den vergangenen Wochen, hat sich das Kräfteverhältnis zu ihren Gunsten verschoben. Ein Vorteil, der nur durch umfangreiche militärische Unterstützung aus Russland erklärbar ist. Die Ukrainer haben dem kaum etwas entgegenzusetzen.
Im Westen, vor allem in Amerika, werden angesichts dieser Nachrichten Stimmen laut, die eine militärische Unterstützung Kiews fordern. Eine Gruppe ranghoher Ehemaliger des Pentagons und der amerikanischen Streitkräfte veröffentlichte Anfang Februar einen Report, in dem sie von den Vereinigten Staaten und den übrigen Nato-Staaten ein umfangreiches militärisches Maßnahmenpaket forderten; Waffenlieferungen inklusive. Dabei gibt sich die Gruppe keinerlei Illusionen hin: Russlands Militärmaschinerie in der Ukraine auf Augenhöhe zu begegnen ist unmöglich. Einem entschlossenen Angriff von Putins Streitkräften würde die Ukraine selbst bei großzügiger Unterstützung des Westens nicht lange standhalten können. Mit der richtigen Ausstattung aber ließen sich die Kosten und Risiken derart in die Höhe treiben, dass eine Fortsetzung des Kampfes für die prorussischen Rebellen und Moskau unattraktiv werden könnte.

Diese Systeme könnten dabei eine wichtige Rolle spielen:

Deutsche Waffenlieferung für Nordirak wird vorbereitet© PICTURE-ALLIANCEVergrößernEin deutscher Ausbilder in Nordirak mit einer Panzerfaust 3. Die Waffe wird von den Peschmerga gegen die IS-Terrormiliz genutzt. Sie ist auch gegen Reaktivpanzerungen wirksam.
Anti-Panzer-Lenkwaffen: Laut übereinstimmenden Informationen der Nato und der ukrainischen Streitkräfte sind seit Weihnachten zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge und russische Panzer in die Ostukraine gebracht worden. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet zudem über die Verlegung moderner T-80-Kampfpanzer. Die im Bestand der ukrainischen Streitkräfte befindlichen Anti-Panzer-Lenkwaffen sind mindestens 20 Jahre alt, 70 Prozent sollen schrottreif sein. Laut Angaben aus Bundeswehrkreisen lässt sich mit modernen, leichten Anti-Panzer-Lenkwaffen wie der deutschen Panzerfaust 3 selbst die Panzerung des T-80 durchschlagen und der Panzer damit zumindest unbrauchbar machen. Wie sich diese Waffen bedienen lassen, ist innerhalb von wenigen Wochen zu lernen. Bis ein Soldat sie sicher beherrscht, können indes Monate vergehen. Die ukrainischen Streitkräfte favorisieren das amerikanische Javelin-System (zu Deutsch: Wurfspeer), mit dem sich Ziele auf bis zu 2000 Meter Entfernung treffen lassen.
33026805© APVergrößernKaum auszumachen: Ein prorussischer Scharfschütze, aufgenommen im November 2014 nahe Donezk.
Scharfschützengewehre: Sie sind dazu bestimmt, wichtige Einzelziele in Entfernungen um die 1000 Meter zu treffen. Auf Seiten der prorussischen Rebellen werden Scharfschützengewehre verwendet. Die ukrainischen Streitkräfte möchte sie ebenfalls besitzen, um etwa gegnerische Scharfschützen auszuschalten. Der Report der Gruppe ehemaliger Pentagon-Angehöriger empfiehlt ihre Lieferung jedoch nicht.
Ukraine's President Petro Poroshenko inspects an armoured vehicle in Kiev© REUTERSVergrößernSchutz für Infanteristen: Der ukrainische Präsident Petro Poroshenko schaut sich Ende Januar in Kiew einen amerikanischen Humvee an.
Gepanzerte Fahrzeuge: Seit Beginn der Kämpfe mit den prorussischen Milizen hat die ukrainische Armee über zwei Drittel ihrer Panzer und gepanzerten Fahrzeuge verloren. Angesichts der intensiven Aufklärung des Gegners, kombiniert mit starker Feuerkraft, sind die Bodentruppen der Ukraine höchst verwundbar. Schnelle, geländegängige und gepanzerte Fahrzeuge würden das ändern. Ein Favorit der Ukrainer wäre der Humvee, der zu Zehntausenden in der amerikanischen Armee zu finden ist und auch von zahlreichen Nato-Staaten verwendet wird.
The COBRA Counter Battery Radar is the w..........© PICTURE-ALLIANCEVergrößernAufklärungstiefe 40 Kilometer: Mit dem Ortungssystem „Cobra“, das auch die Bundeswehr nutzt, können weit entfernte Artiellerieeinheiten identifiziert werden.
Artillerie-Ortungsradare: Laut Angaben des ukrainischen Militärs resultieren 70 Prozent ihrer Verluste aus Angriffen mit Rohrartillerie und Mehrfachraketenwerfern. Diese gegnerischen Feuereinheiten können weit im Hinterland stehen. Damit sind sie für ukrainische Truppen, die nur über Ortungsgeräte mit einer Reichweite bis zu sieben Kilometer verfügen, unsichtbar. Mit Hilfe spezieller Radargeräte lässt sich anhand der Flugbahn der Geschosse die Position dieser Einheiten errechnen. Die Separatisten liefen so Gefahr, ihre wichtigsten Feuereinheiten durch Gegenangriffe der Ukrainer zu verlieren. Zudem ließe sich mit Artillerie-Ortungsradar feststellen, ob sich die Separatisten an den im Minsker Abschlussdokument vereinbarten Abzug schwerer Waffen hinter die im vergangenen September vereinbarte Demarkationslinie halten. Großbritannien, Frankreich und Deutschland verfügen mit dem System „Cobra“ über ein modernes Artillerie-Aufklärungsradar.
US-Kampfdrohnen unterstützten Bundeswehr in Nordafghanistan© DPAVergrößernAufklärungsdrohnen wie die amerikanische „Predator“ können stundenlang ein Gebiet beobachten - solange sie nicht von gegnerischer Luftabwehr getroffen werden.
Aufklärungsdrohnen: Die Aufklärungsprobleme der ukrainischen Streitkräfte beziehen sich nicht nur auf gegnerische Artillerie. Westliche Beobachter haben generelle Informationsdefizite der Ukraine im taktischen Bereich ausgemacht. Vorrückende gegnerische Truppen würden häufig nicht rechtzeitig identifiziert. Mit Hilfe von ausdauernden, unbemannten Luftfahrzeugen, die in Höhen von fünf bis 15 Kilometern ihre Kreise ziehen (MALE), ließe sich die taktische Aufklärung verbessern. Die beiden gängigsten Modelle sind die amerikanische „Predator“ und die israelische „Heron“, die auch die deutsche Luftwaffe geleast hat. Allerdings ist ihr Einsatz riskant. Die Separatisten verfügen über schulterbare Boden-Luft-Systeme (sogenannte MANPADS), die in der Vergangenheit bereits zahlreiche Flugzeuge und Hubschrauber der Ukrainer abgeschossen haben. Hinzu kommen russische Flugabwehrraketensysteme vom Typ BUK (Nato-Bezeichnung SA-11/17). Nach weitgehender Meinung war eine Boden-Luft-Rakete eines BUK-Systems für den Absturz des Flugs MH17 der Malaysia Airlines verantwortlich. Weiter finden sich in der Ostukraine Einheiten des russischen Luftabwehrsystems S-400, mit dem sich Raketen, Kampfflugzeuge und Drohnen jeglicher Art bekämpfen lassen. Kiews Luftwaffe hat aufgrund der Stärke der gegnerischen Luftverteidigung inzwischen sämtliche Einsätze über der Ostukraine beendet.
Mehr zum Thema
Anti-Drohnen-Maßnahmen: Die prorussischen Milizen setzen laut ukrainischen Angaben viele Drohnen ein. Denkbar als Gegenmaßnahme wären Hacker, die sich in die Datenverbindung von gegnerischen Drohne einloggen und sie kidnappen. Eine andere Möglichkeit wären Radare, die Drohnen identifizieren könnten, kombiniert mit Boden-Luft-Raketen, die sie zerstören.
Crisis in Ukraine© PICTURE-ALLIANCEVergrößernEin ukrainischer Soldaten spricht im August 2014 über ein Feldtelefon nahe Luhansk mit einem Kameraden. Die Kommunikationsverbindungen Kiews sind leicht abzuhören.
Sichere Kommunikationsverbindungen: Taktische Gespräche der ukrainischen Einheiten werden überwiegend über unsichere Funkgeräte oder Mobiltelefone geführt – eine Einladung für die gegnerische Aufklärung. Verschlüsselte Geräte würden es Milizen und russischen Kräften erschweren, das Verhalten der Ukrainer vorherzusehen.
Welchen Nutzen die genannten Systeme mit sich bringen, ist schwer vorhersehbar. Ohne begleitende Ausbildung dürfte der Wert möglicher Lieferungen jedoch begrenzt sein. Darüber hinaus hängt der Erfolg auch von der Motivation der Soldaten Kiews und von Moskaus Reaktion ab. Sollten Putin und die Rebellen keine Kosten scheuen, blieben die Lieferungen nahezu wirkungslos.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen