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Sonntag, 7. September 2014

Nach einem gescheiterten Versuch im Jahr 2011 will Goldman Sachs abermals islamische Anleihen auf den Markt bringen. Ein Imam muss nun die Rechtmäßigkeit des geplanten Geschäftsmodells prüfen.


Zweiter VersuchGoldman Sachs plant islamische Anleihe

Nach einem gescheiterten Versuch im Jahr 2011 will Goldman Sachs abermals islamische Anleihen auf den Markt bringen. Ein Imam muss nun die Rechtmäßigkeit des geplanten Geschäftsmodells prüfen.

© DPAVergrößernWill die wachsende Nachfrage muslimischer Investoren befriedigen: Goldman Sachs
Die Investmentbank Goldman Sachs plant, zinslose Anleihen nach dem islamischen Recht der Scharia auszugeben. Die Anleihe soll eine Laufzeit von fünf Jahren und ein Volumen von 500 Millionen Dollar haben. Vertreter der Investmentbank treffen sich für diese Emission mit Investoren in Qatar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In das Geschäft mit den sogenannten Sukuk, wie islamische Anleihen auch bezeichnet werden, wollte die amerikanische Investmentbank bereits vor drei Jahren mit einem Volumen von 2 Milliarden Dollar eintreten, war aber damals am Widerstand islamischer Gelehrter und Finanzexperten gescheitert, die kritisierten, dass Goldman Sachs damit Geschäftsbereiche finanziere, die nicht mit islamischem Recht konform gingen.
Der Scharia folgend dürfen Anleger keine Zinsgewinne machen, Profite können aber über Unternehmensbeteiligungen oder über Aktien erzielt werden. Diese Vorschriften beziehen sich auf Sure zwei, Vers 275 im Koran. Wer in Sukuk investiert, erwirbt eine Beteiligung des Schuldners und wird mit einem Gewinnanteil für das Risiko belohnt. Der Anleger erhält also eine Prämie statt Zinsen.
Auch Aktien von Unternehmen, die stark verschuldet sind, können nach der Auslegung der Scharia abgelehnt werden, weil auch mit Schulden keine Geschäfte gemacht werden dürfen – was einer der Hauptkritikpunkte beim vergangenen Versuch im Jahr 2011 war. Um diese Anleihen bei muslimischen Investoren platzieren zu können, muss sich Goldman Sachs von einem Imam die Rechtmäßigkeit des Geschäftsmodells bestätigen lassen.

Wachsende Nachfrage

Goldman Sachs will mit dieser Emission die wachsende Nachfrage muslimischer Investoren befriedigen. Der Markt für Sukuk könnte sich nach Schätzungen der Beratungsgesellschaft EY in den nächsten fünf Jahren auf 3,4 Billionen Dollar verdoppeln. Seit 2013 ist die Nachfrage stark gefallen, nachdem die Scharia-Bonds seit 2010 viel Aufmerksamkeit bekommen hatten. Mit dem Einstieg von Goldman Sachs könnte der Markt in islamischen Ländern wieder Schwung bekommen und andere Banken dazu bewegen, ihr Geschäft im Nahen Osten auszubauen.
Goldman Sachs wäre die zweite nicht-islamische Bank, die Sukuk vertreibt – 2011 war der saudi-arabische Ableger der HSBC in das Geschäft eingestiegen. Eine Investorenbasis ist nach Ansicht von EY vorhanden: Bis 2018 soll die Kundenbasis für islamische Finanzprodukte bei 70 Millionen liegen. Das wären doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Mohammed Khnifer, islamischer Finanzexperte der sich auf Sukuk spezialisiert hat und vor drei Jahren einer der stärksten Kritiker der Investmentpläne von Goldman Sachs war, sagte dieser Zeitung, dass der Einstieg von Goldman Sachs die islamische Geschäftswelt bedeutend verändern könnte.
Khnifer warnt die Investmentbank jedoch davor, die Gewinne aus dem Geschäft mit den Sukuk-Anleihen für ihre herkömmlichen Geschäfte zu verwenden: „Das wäre nicht mit den islamischen Gesetzen zu vereinbaren“, schrieb der Finanzexperte in einer E-Mail. Die Struktur seiner Anleihe nach islamischem Recht hat Goldman Sachs im Vergleich zum früheren Versuch komplett überarbeitet. Im Index-Vergleich haben Sukuk in den vergangenen Jahren höhere Gewinne als andere Anleihen erzielt. Während konventionelle Bonds um 10 Prozent gewannen, konnten die Sukuk um bis zu 25 Prozent zulegen.
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Quelle: joja/ F.A.Z. 
 

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